Das aktuelle Wetter Bochum 19°C
Sachbuch

Dummes Zeug und Hirngespinste

29.07.2012 | 17:49 Uhr
Dummes Zeug und Hirngespinste
Der Autor Wolfgang Berke bei einer Lesung.Foto: WAZ Fotopool

Bochum.  Der Bochumer Autor Wolfgang Berke hat sein Ruhrgebiet in smarte Buchform gegossen. Von Kuriositäten bis zu Katastrophen.

Wolfgang Berke kennt das Ruhrgebiet. Nicht nur wie einen guten Nachbarn, sonder eher wie einen Ehepartner nach fünzig Jahren. Das schlägt sich beim gebürtigen Wanne-Eickeler und Wahl-Bochumer seit Jahren in Büchern nieder. Der 58-jährige hat über Halden und Industriekultur geschrieben und das Ruhrgebiet mit Fahrrad , Motorrad und Cabrio publizistisch durchmessen. Schon früh publizierte er im Internet und mit der Zechen-App nutzte er zuletzt eine Applikation für das Smart-Phone als Vertriebsort für Informationen.

Keine Batterien, kein Klingeln

Das ehemalige Telefon, das später zum Handy mutierte und jetzt in den Händen vieler Nutzer als Taschencomputer mit Kommunikationsfunktion genutzt wird, hat auch seine neueste Publikation beeinflußt. „Smartbook - Ruhrgebiet für Fortgeschrittene“ (Klartext-Verlag, 190 Seiten, 14,95 €) heißt das hochformatige Taschenbuch. Versprochen wird „Analoges Lesevergnügen mit Digitalem Mehrwert“. Das muss aber niemanden abschrecken, es handelt sich um ein völlig normales Buch, es braucht keine Batterien und klingelt nicht in unpassenden Momenten. Und es ist ein gutes Buch. Ein smartes Buch.

Denn es enthält unglaublich viele Informationen und Geschichten aus dem Ruhrgebiet, die so nicht in Reiseführern und Nachschlagewerken zu lesen sind. Smart also im Sinne von pfiffig, clever, gewitzt. „Geeignet für Neugierige und Besserwisser“ steht darauf geschrieben und für diese Zielgruppe hat Berke einiges zu bieten.

Witziger Voyeurismus

Mit witzigem Voyeurismus stürzt sich der Autor auf Kurioses und Katastrophales aller Art. Von Schildbürgerstreichen über kuriose Kunst im öffentlichen Raum bis zu Flops und schlicht „Dummen Zeug“ reicht das Panorama des Skurrilen. Kaum eine Eselei einer Stadtverwaltung, kein stadtplanerischer Irrweg, der hier nicht genüsslich präsentiert würde - wie gleichwohl aber auch die besonderen und schönen (Aussichts)Orte der Region.

Immer wieder streift der Blick Berkes Bochum. Der Starlight Express wird gewürdigt, die Ampeln der Stadt belächelt, das Hotel Eden am Ring reiht sich in spektakuläre Geisterhäuser der Region ein und die Gänsereiter bekommen auch etwas Raum ob ihres makabren Tuns. Der Leser erfährt, dass Straßennamen wie „Deutsches Reich“, „Old Wattsche“ und „Am Schamberge“ zwar kurios sind, aber nicht so drastisch wie „Alter Drecksweg“ in Hünxe.

Typische Lakonie

Im Kapitel „Flops, Hirngespinste und Fehlschläge“ steht der „Platz des europäischen Versprechens“ etwa zwischen der Duisburger Küppersmühle und dem High-Definition-Technologiezentrum Oberhausen. Zum Projekt von Jochen Gerz schreibt Berke: „Wie Gerz es geschafft hat, die stets klamme, ideenarme und PR-süchtige Stadt Bochum für die Aktion zu gewinnen, bleibt sein Geheimnis“ ätzt er gegen die Kulturhauptstadtaktion, die bis heute quasi endlos fortdauert.

Berke arbeitet seine gemischte Tüte mit lässiger, salopper Sprache auf, glossiert gerne, bezieht Position und legt über all das jene für den hiesigen Humor so typische Lakonie. Berke und das Ruhrgebiet. Ein altes Ehepaar eben.

Tom Thelen



Kommentare
Aus dem Ressort
Anklage nach zweifach tödlichem Verkehrsunfall in Bochum
Strafverfahren
Gegen eine 46-jährige Autofahrerin hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung erhoben. Am 4. März war sie in Langendreer in den Gegenverkehr geraten. Zwei Menschen starben. Laut Anklage soll die Angeschuldigte durch eine SMS abgelenkt worden sein.
Der beste Pizzabäcker soll bald aus Deutschland kommen
German Pizza Trophy
Zumindest hätte das Herwig Niggemann gern. Der Chef des Feinkost-Unternehmens will die „German Pizza Trophy“ in Bochum etablieren. Er hat die Idee, dass bald der Weltmeister im Pizza backen aus Deutschland kommt . Bei der Premiere gewann ein Italiener, der in Bad Schwartau eine Pizzeria betreibt.
260 ehemalige Opelaner haben mittlerweile einen neuen Job
Opel
Am 12. Dezember ist Schluss, Opel beendet nach 50 Jahren seine Autoproduktion in Bochum. Bis dahin will der Konzern möglichst viele seiner Mitarbeiter bei anderen Unternehmen unterbringen. 800 Angebote sollen vorliegen. Verlassen haben das Werk bislang 260 Beschäftigte.
Comedy-Weltreise von Kaya Yanar endet mit brausendem Applaus
Ethno-Comedy
Der türkisch-deutsche Komiker und Fernsehmoderator gastierte im RuhrCongress und unterhielt die Zuschauer glänzend. Als Wegbereiter der Ethno-Comedy hat der 41-Jährige das Spiel mit den Mund- und Eigenarten der Erdenbürger perfektioniert. Ohne Maske, allein mit Mimik karikiert Kaya manche Nation.
Koreanischer Künstler zeigt Bilder zwischen Tanz und Malerei
Kunst
Der koreanische Künstler Kang Kyoung-Koo stellt in der Melanchthonkirche die Ausstellung „Stillestehen in der Bewegung“ vor. Gemalt hat er lange in Bochum. Seine Bilder bleiben unabgeschlossen und reflektieren den stetigen Malprozess.
Umfrage
Ab dem 1. Oktober stellt die Stadt Bochum 220 kostenfreie zusätzliche Park & Ride-Plätze auf dem Unger-Gelände zur Verfügung. Das soll die Herner Straße entlasten. Pendler sollen dort in den ÖPNV umsteigen. Was halten Sie davon?

Ab dem 1. Oktober stellt die Stadt Bochum 220 kostenfreie zusätzliche Park & Ride-Plätze auf dem Unger-Gelände zur Verfügung. Das soll die Herner Straße entlasten. Pendler sollen dort in den ÖPNV umsteigen. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Friedrich-Koepe-Straße
Bildgalerie
Straßengeschichten
Polizei fahndet nach Trickbetrügern
Bildgalerie
Öffentlichkeitsfahndung
Wattenscheid aus der Luft
Bildgalerie
Luftbilder
Bochum aus der Luft
Bildgalerie
Vogelperspektive