Dozentin berichtet über Leben in Donezk

Bochums umkämpfte Partnerstadt Donezk ist so isoliert, dass selbst der Partnerschaftsverein, die Gesellschaft Bochum-Donezk, Probleme hat, Kontakte mit Menschen aus der Stadt zu pflegen. Mit privaten Schilderung aus ihrem Leben in Donezk stieß die Germanistik-Professorin und gebürtige Ukrainerin Dr. Olesia Leschenko deswegen auf viele offene Ohren, als sie mit einem Vortrag in der RUB (wo sie einst selbst studierte) gastierte.

Zwar war Leschenko zuletzt im Juli in Donezk – ihre dortige Eigentumswohnung steht seitdem leer – aber ist die 38-Jährige fast täglich im Kontakt mit ihren Eltern, die trotz der brenzligen Situation nicht in aus ihrer Heimat fliehen wollen. „Sie versuchen Normalität zu bewahren und nicht zu klagen“, sagt Leschenko. „Wenn sie Explosionen hören, gehen sie einfach nicht vor die Tür.“

Neben der alltäglichen Gewalt ist es vor allem das Geld, dass es erschwert, Normalität zu bewahren: Kiew schickt kein Geld mehr nach Donezk, Banken funktionieren nicht. Viele Menschen würden sich mit Bargeld-Reserven über Wasser halten, wer bedürftig ist, stecke in besonders großen Schwierigkeiten, erzählt die Wissenschaftlerin. „Deswegen ist die Hilfe von der Gesellschaft Bochum-Donezk (Infobox) besonders wichtig.“

Der Betrieb in Schulen, Krankenhäuser, Universitäten, im Nahverkehr und zum Teil auch in den Verwaltungsbehörden würde trotzdem weiterlaufen, berichtet Leschenko. Strom und Wasser fließen, sind Rohre zerstört, würden sie schnell repariert. „Viele arbeiten unentgeltlich.“ Für Leschenko ein Zeichen von Solidarität in einer Gesellschaft, die ansonsten von Feindseligkeiten geprellt ist. „Viele sind verbittert, wissen nicht, ob sie sich mit Russland oder der Ukraine assoziieren sollen.“ Wer für den Krieg ist, werde als stolzer Ukrainer angesehen; wer nicht, sei ein Verräter.

Leschenko selbst kehrt Ende Janaur in die Ost-Ukraine zurück – allerdings nicht nach Donezk, sondern nach Dnipropetrowsk. Von hier aus wird sie ihre Dozententätigkeit fortsetzten und Online-Vorlesungen anbieten. Allerdings hofft sie in naher Zukunft wieder im Vorlesungssaal stehen zu können: „Ich sehne mich nach meiner Heimat.“