Bochum

Diegel-Nachfolger soll erst im Juli feststehen

Etwa 700 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung tummelten sich beim Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgbiet im Kunstmuseum Bochum.
Etwa 700 Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung tummelten sich beim Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgbiet im Kunstmuseum Bochum.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Weiterhin kommissarisch geleitet wird IHK Mittleres Ruhrgebiet wird. 700 Gäste kamen zum Jahresempfang im Kunstmuseum.

Bochum.  . Weiterhin auf der Suche nach einem Nachfolger für den Ende August 2014 aus gesundheitlichen Gründen zurück getretenen Hauptgeschäftsführer Helmut Diegel ist die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittleres Ruhrgebiet. Erst Anfang Juli 2015, also zehn Monate nach Diegels Ausscheiden, soll der neue IHK-Chef vorgestellt werden, „wenn die Vollversammlung ihn gewählt hat“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Christoph Burghaus auf Anfrage dieser Zeitung.

Er steht momentan kommissarisch an der Verwaltungsspitze der Organisation. Von Schwierigkeiten bei der Personalsuche, so Burghaus, könne keine Rede sein. „Wir sind exakt im Zeitplan.“

Helmut Diegel, der insgesamt dreieinhalb Jahre lang als Hauptgeschäftsführer der hiesigen IHK agierte, hatte bei seinem Abschied im Vorjahr gesagt: „Ich bin davon überzeugt, dass ich – nach einem schweren Herzinfarkt – bis Mitte des kommenden Jahres wieder vollständig genesen sein werde, bis dahin aber muss meine ganze Aufmerksamkeit der Wiederherstellung meiner Gesundheit gelten.“ Und: „Ein so langer Zeitraum ohne Hauptgeschäftsführer ist für eine IHK nicht zielführend.“

Die Stellenausschreibung der IHK sieht vor, dass Bewerber die Fähigkeiten mitbringen müssen, „wie ein mittelständischer Unternehmen zu denken, um in diesem Sinne das Haus führen zu können.“ Er solle Impulse setzen und so zur Weiterentwicklung der regionalen Wirtschaft beitragen.

Beim traditionellen Jahresempfang der IHK im Kunstmuseum hielt Unternehmern und NRW-Metall-Präsident Arndt G. Kirchhoff eine viel beachtete Rede, in der er an die Verantwortung der mittelständischen Firmen appellierte und die Notwendigkeit ihrer Zusammenarbeit betonte.

Unternehmen in der Verantwortung

Vor großen Herausforderungen stehen die mittelständischen Familienunternehmen als Motor und Herz der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung von Arndt G. Kirchhoff. Der Unternehmer aus dem Sauerland, Geschäftsführer einer Firmengruppe mit einem Jahresumsatz von 1,7 Milliarden Euro und Präsident des Metall-Arbeitgeberverbandes NRW, sprach als Gastredner beim Jahresempfang der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet.

Der 59-Jährige mahnte zu mehr Zusammenarbeit in den Bereichen Innovation und Internationalisierung und appellierte an die zahlreichen Unternehmer unter den etwa 700 Gästen im Kunstmuseum: „Sie müssen mehr Vernetzung zulassen.“ Nur so könnten die Mittelständler auf Dauer bestehen. Außerdem forderte er sie wie schon IHK-Präsident Jürgen Fiege in seiner Eröffnungsrede dazu auf, sich intensiver um Aus- und Weiterbildung zu kümmern – und auch dabei gemeinsame Wege zu gehen.

Der demografische Wandel werde zu einem Wettlauf um Beschäftigte führen, den nur attraktive Arbeitgeber gewinnen können. Dabei müssten nicht nur Gruppen wie Studienabbrecher oder Schulabgänger ohne Abschluss berücksichtigt, sondern mitunter auch ganz neue Pfade beschritten werden. Flexible Arbeitszeitmodelle ebenso wie etwa ein „Elterngarten“, in dem betreuungsbedürftige Eltern von Beschäftigten tagsüber untergebracht werden.

Applaus erhielt Kirchhoff für seine gut halbstündige, lebhafte Rede aber auch für die Forderung an den Bund, „bei den Sozialkosten muss Schluss sein, in die Infrastruktur muss investiert werden“. Unverblümt richtete er Kritik in Richtung Kommunalpolitiker: „Manche Städte haben zu hohe Gewerbesteuern.“ Und er verwies darauf, dass eine Stadt wie Attendorn mit dem NRW-weit niedrigsten Gewerbesteuersatz von 365 Prozentpunkten schuldenfrei sei. „Wir brauchen ein unternehmerfreundliches Umfeld“ – damit sich Firmen entfalten und ihrer wirtschaftlich wie gesellschaftlichen Aufgabe gerecht werden könnten.

Die gastgebende IHK, der mehr als 30 000 Firmen im Mittleren Ruhrgebiet angehören, beschäftigt sich derweil mit ihrer Konsolidierung. Sechs von 81 Beschäftigten wurde Ende 2014 gekündigt, acht befristete Verträge laufen bis Mitte 2016 aus. „Der Grund ist die Tatsache, dass wir bereits im Laufe des Jahres 2014 festgestellt haben, dass die Mitgliedsbeiträge unserer Unternehmen sinken und wir deshalb gegensteuern mussten“, sagt der kommissarische Hauptgeschäftsführer Christoph Burghaus.

Durchschnittlich 412 Euro zahlten die Firmen 2013, die Gesamterträge beliefen sich auf 11,2 Millionen Euro. Nach einem damals ausgeglichenen Haushalt „müssen wir für 2014 von einem negativen Jahresergebnis von etwas mehr als einer Millionen Euro ausgehen“. Geringere Mitgliedsbeiträge und „weiter gestiegene Rückstellungsverpflichtungen für die Pensionen“ seien die Hauptgründe dafür. Die Rückstellungen für Pensionen betrug 2013 etwa 14,2 Millionen Euro. Ausgeschlossen sei eine Änderung des Umlagehebesatzes von 0,25 – dem achthöchsten unter den 80 Industrie- und Handelskammern in Deutschland.

Nachgelassen hat auch in der Region die von Arndt Kirchhoff beschworene Ausbildungstätigkeit. 2013 bildeten 1581 Unternehmen aus, 69 weniger als 2011 (1560), die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse ging von 6186 (2011) auf 5848 (2013) zurück.

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