„Die Welle“ erzählt von der Faszination des Faschismus

Auf einer Wellenlänge: Das Bühnenbild für „Die Welle“ erinnert an Pink Floyds „The Wall“.
Auf einer Wellenlänge: Das Bühnenbild für „Die Welle“ erinnert an Pink Floyds „The Wall“.
Foto: Diana Küster
Ein legendäres Jugendbuch zeigt, wie schnell aus Jugendlichen rechte Mitläufer werden. 70 Schüler bringen die Geschichte in die Bochumer Kammerspiele.

Bochum.. Der Roman „Die Welle“ aus dem Jahr 1981 diente schon zahllosen Schülern als Paradebeispiel dafür, wie schnell aus Jugendlichen Mitläufer, Duckmäuser und Täter werden können – und wie schnell eine eigentlich funktionierende, weltoffene Gesellschaft faschistoide Züge annehmen kann. Im Rahmen der Reihe „Schulen in Bewegung“ schwappt die „Welle“ jetzt in die Kammerspiele.

70 Bochumer Schüler im Alter von 12 bis 20 Jahren fiebern der Premiere am Donnerstag, 21. Mai, 19.30 Uhr, entgegen. Eine von ihnen ist die 14-jährige Laeticia Radwan. Die Schülerin des Hildegardis-Gymnasiums wird in der Rolle der Laurie zum ersten Mal auf der Bühne stehen.

"Schulen in Bewegung"

„Das war eine ganz tolle Probenzeit“, sagt sie. „Ich habe hier echte Freunde gefunden.“ Egal ob vom Gymnasium, von einer Gesamt- oder einer Förderschule: Fünf Monate lang haben die Jugendlichen aus allen Schulformen gemeinsam an ihrem Stück gewerkelt. „Am Anfang steht immer ein Casting, wo wir schon manche verborgene Talente entdeckt haben“, sagt die Leiterin Martina van Boxen.

Danach werde dann entschieden, welche Schüler als Schauspieler auf der Bühne dabei sind und welch ihrer Kameraden hinter den Kulissen mit anpacken. Denn auch das ist ein wichtiges Merkmal von „Schulen in Bewegung“, das jetzt seit fünf Jahren besteht: Unter professioneller Leitung werden sämtliche Abteilungen (vom Kostüm über die Bühne bis Video, Tanz und Musik) von den Jugendlichen in Arbeitsgruppen selbst betreut.

Schüler werden militärisch gedrillt

Auf der Suche nach einem geeigneten Stück schauen Martina van Boxen und ihr Team gern nach politischen Stoffen, die die Lebenswirklichkeit der Teilnehmer direkt berühren. „Wir wollen, dass die jungen Menschen auch nachdenken über die Welt, in der sie leben“, sagt van Boxen. Für ihre diesjährige Produktion stieß sie auf „Die Welle“, einen Roman von Morton Rhue, der heute noch gern an Schulen gelesen wird und vor einigen Jahren durch die Verfilmung mit Jürgen Vogel, dem Vertrauenslehrer des deutschen Kinos, neue Popularität erfuhr.

Erzählt wird die Geschichte einer Schulklasse in San Francisco, in der ein Geschichtslehrer ein verhängnisvolles Experiment plant. Um seinen Schülern zu zeigen, wie schnell die Nazis in Deutschland an die Macht gelangen konnten, baut er in seiner Klasse selber eine Art nationalsozialistisches System. Er drillt seine Schüler militärisch, schafft Hierarchien und führt den Namen „Die Welle“ ein: als Gruß und Parole. Es dauert nicht lang, bis dem Lehrer die Kontrolle entgleitet.

Premiere am 21. Mai

„Das Erschreckende daran ist, wie schnell sich alle unterordnen“, sagt die Schülerin Laeticia. Statt das Stück in eine deutsche Schule zu verlagern, hat es die Regisseurin bewusst in den USA der 60er Jahre belassen, was sich auch an den bunten Kostümen zeige.

Premiere am 21. Mai, 19.30 Uhr. Wieder am 22., 28., 29. Mai und 12. Juni. Es gibt nur noch Restkarten! Das Stück wird in der kommenden Spielzeit erneut gezeigt. Tel. 0234 / 3333-5555

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