Die Vertreibung vom Straßenstrich
30.05.2011 | 00:00 Uhr 2011-05-30T00:00:00+0200
Bochum.Eigentlich sollte der Gottesdienst am Sonntag in der Pauluskirche aus Anlass des Internationalen Hurentages 2011 an 100 Prostituierte erinnern, die 1975 eine Kirche in Lyon besetzt hatten. Doch die Ereignisse in der Dortmunder Nordstadt in diesen Tagen ließ die Geschichte in den Hintergrund rücken. Dabei sind es gerade die Parallelen, die beides verknüpfen: Damals in Lyon waren die Huren von Ordnungskräften vertrieben worden, um den Straßenstrich zu schließen – genau wie jetzt im Mai auf der Dortmunder Ravensberger Straße.
Das evangelische Frauenreferat und die Bochumer Prostituierten-Beratungsstelle Madonna hatten den Gottesdienst vorbereitet, zu dem mehrere Dutzend Besucher kamen. In einer Lesung stellten sie deshalb Schilderungen aus Lyon von damals und aus Dortmund von heute gegeneinander. Die Französinnen hatten sich in ihrer Not irgendwann in eine Kirche geflüchtet, bis sie auch von dort vertrieben wurden. Begleitet wurde der Gottesdienst von Fotos, die Maren Wandersleben vom Dortmunder Straßenstrich gemacht hatte.
Heimliche Arbeit in Wohngebieten
Elke Rehpöhler von der Dortmunder Beratungsstelle Koba: „Wie in Frankreich ist es auch bei uns passiert, dass Frauen mit Einkaufstaschen von den Ordnungskräften angehalten wurden.“ In Dortmund hatten die Frauen – überwiegend aus Bulgarien – in Holzverschlägen ihre Dienste anbieten können.
„Unsere Beobachtung ist: Die meisten Frauen sind in Dortmund geblieben; viele arbeiten jetzt heimlich in Wohngebieten in der Hoffnung, nicht erwischt zu werden.“ Und gerade das stößt den Nordstädter inzwischen sauer auf.
Konkurrenz
Viele Nachbarstädte hatten im Vorfeld der „Säuberungsaktion“ befürchtet, der Straßenstrich würde sich über die Stadtgrenzen verlagern , so auch Bochum. Von einer „Schwemme“ könne indes nicht die Rede sein. Mechthild Eickel von Madonna: „Wir wissen von 70 bis 100 Prostituierten pro Tag. Die kann eine Stadt verkraften.“
Mit der Solidarität Bochumer Huren mit den Frauen in Dortmund sei es übrigens nicht weit her. Straßenstrich werde anders angesehen als Bordelle , überdies würden diese Frauen als Konkurrentinnen angesehen. „In Bochum haben wir keinen Straßenstrich. Ein paar Dortmunderinnen haben sich bei uns im Bordell eingemietet. Doch die meisten können sich das gar nicht leisten; ein Zimmer kostet rund 140 Euro pro Tag.“

11:09
Was ist bloß los im ehemals so liberalen Dortmund ?! Die Vertreibung der angeblich ach so kriminellen Prostituierten (Huren empfinde ich als abwertend) aus dem Straßenstrich in der Dortmunder Nordstadt ging durch das Dortmunder Ordnungsamt mit Hilfe der sogenannten neu gegründeten Task Force und übrigends besonders von der WAZ-MEDIENGRUPPE gehypt und vorangetrieben einher mit der Kriminalisierung der Besitzer von Callcentern , Internetcafes und Wettbüros . Nachdem meine Gattin und ich als Inhaber eines staatlich konzessionierten Wettbüros in der Nordstadt (seit 2005) bereits in einem Leserkommentar in derwesten.de diese unzumutbaren und völlig willkürlich und rechtswidrige Zustände der Verallgemeinerung und Pauschalisierung angeprangert hatten , trug sich am gestrigen Sonntagabend folgendes in unserem Wettbüro in der Nordstadt vor . In Begleitung von 3 Polizeibeamten erschienen 2 Ordnungsamtsmitarbeiter und wollten mit Hilfe des SONNTAGSARBEITSVERBOTES das Geschäft schließen . ( denn sie wissen nicht einmal was sie tun ). Frage : Wer kontrolliert die Macht der Kontrolleure ? Was soll diese Aktion ? Wer trägt Verantwortung für ev Schadensersatz , wenn durch eine dermaßen hirnlose wie rechtswidrige Aktion ohne Kenntnis der eigenen Gesetzte Schaden entsteht? Hat sich die Task Force verselbstständigt und bildet nunmehr die Regentschaft nach Gusto in der Nordstadt ? Was sagt der Oberbürgermeister dazu ?