Das aktuelle Wetter Bochum 19°C
Bochum

Die Tücke des Objektes

15.07.2008 | 20:55 Uhr

Abbruchfirma bricht mit schwerem Gerät Öffnung in die Wand des alten Hochbunkers Exzenter-Hochhaus: Großteil der Büros sind bereits vermietet

Immer noch gewaltig: Einer der herausgetrennten Betonklötze.Jonglage mit tonnenschweren Betonbrocken. Am Dienstag wurde damit begonnen, die Öffnung im alten Hochbunker zu erweitern. Fotos: WAZ, Michael Korte

Der Versuch, in den Bunker an der Universitätsstraße eine Öffnung zu sägen, scheiterte bislang an den tonnenschweren Brocken. Das Loch, das stadtauswärts dann sichtbar wäre, muss so groß sein, dass ein Bagger hindurch passt, also etwa drei mal zwei Meter. Der Bagger soll dann im Inneren Treppen und Decken abbrechen.

Am vergangenen Freitag versuchte die Spezialbetonsägefirma Mann, einen neuen Haupteingang zu schaffen. Doch die 30 Tonnen herauszudrücken schaffte der Hydraulikzylinder nicht. Geschäftsführer Günter Mann: "Also beschlossen wir, den Brocken zu zerteilen."

Das geschah dann am Montag. Der Betonbrocken wurde in zwei Teile gesägt, doch auch diese Gewichte waren nicht zu verschieben. Ein Klotz verkeilte sich und ließ sich nicht mehr bewegen. Also mussten auch diese Brocken in kleinere Stücke zerteilt werden. Heute nun war es soweit, die - immer noch tonnenschweren - Klötze konnten herausgestemmt werden.

Die Abbruchfirma kämpft nicht nur gegen die Tücke des Objektes, sondern auch mit strengen Bauauflagen durch die Stadt. So ist übermäßiger Lärm an der Baustelle streng verboten. Links und rechts des Bunkers müssen für das Hochhaus-Projekt Anbauten abgerissen werden. Mit einem Baggermeißel wurde dies in Angriff genommen, was enormen Krach verursachte.

Anwohner beschwerten sich, die Baustelle wurde daraufhin vom Ordnungsamt erst einmal stillgelegt. "Jetzt überlegen wir, wie diese Betonteile geräuschlos entfernt werden können." Günter Mann neigt dazu, sie zu zersägen und mit Tiefladern abtransportieren zu lassen.

"Es gibt genug Firmen, die diesen zerbröselten Beton für den Straßenunterbau verwenden können." Eine zweite Möglichkeit wäre die so genannte chemische Sprengung. Dabei werden mehrere Kernbohrungen in kleinen Abständen in den Beton vorgenommen. Dann kommt dort Quellzement hinein, der sich binnen 24 Stunden derart ausdehnt, dass er den Brocken auseinanderreißt. Derzeit laufen Versuche mit diesem Verfahren, das laut Mann sehr aufwändig ist und zudem "auch ein Rechenexempel".

Für das Exzenterhaus liegt noch immer lediglich eine Teilabbruch-, nicht aber eine Baugenehmigung vor. Die aber, so hieß es von seiten der Stadt, sei eigentlich nur noch eine Formsache, weil Statikfragen geklärt werden müssten. Und so konnten vor rund drei Wochen die umfangreichen Abrissarbeiten beginnen, wobei teils ein Bagger auf dem Rundbunker stand (die WAZ berichtete).

Der eigentliche Baubeginn war für Herbst vorgesehen. Bislang halten sich die Verzögerungen noch im Rahmen. Das 15-stöckige Gebäude, das auf dem Rundbunker entstehen wird, soll zum Jahreswechsel 2009/2010 fertig sein und wird dann gut 5000 Quadratmeter Wohn- und Bürofläche bieten.

Die Bauherren, die Exzenterhaus Bochum GmbH & Co. KG, sind bezüglich der Vermarktung sehr zuversichtlich. Ein Großteil ist bereits vermietet, zudem lägen zahlreiche Anfragen vor. Dazu Thomas Durchlaub von der Exzenterhaus GmbH: "Wir liegen voll im Zeitplan, haben für den Abriss gute zwölf Wochen eingeplant, so dass der Bau wie vorgesehen starten kann. Die jetzigen technischen Tücken werfen uns nicht zurück."

In der Nachbarschaft des Bunkers aber ist das Projekt sehr umstritten. Anwohner wehren sich seit Monaten dagegen, befürchten Beeinträchtigungen ihrer Wohnqualität und haben juristische Schritte erwogen.

Über den Stand der Vermietung und weitere Hintergründen finden sich im Internet Informationen:

www.exzenterhaus.com

Von Sabine Vogt

Facebook
 
Kommentare
17.07.2008
15:03
Die Tücke des Objektes
von Stephan | #3

Deshalb ist das auch ein Denkmal. Das muß Stehen bleiben. Vielleicht wäre ein Mahnmal besser gewählt.
Ein Mahnmal gegen den Krieg, wofür ja ein Bunker auch sein kann, schließlich haben viele Menschen dort drin um ihr leben gezittert.
Aber das scheinen Sie ja nicht zu kapieren und es gibt hässlichere Bunkers in Bochum.
ein Denkmal ist dazu da und muß dann auch stehen bleiben, am besten so wie er ist.
Und nicht so ein Komischen Glassrundbau dadrüber bauen.

16.07.2008
19:00
Die Tücke des Objektes
von TheTheo | #2

Schade für das Haus, dass da so ein hässlicher Bunker drunter stehen bleiben muss.

Ich als Anwohner verfolge die Baustelle ganz gespannt und da bin ich nicht alleine:
http://exzenterbau.wordpress.com

16.07.2008
10:39
Die Tücke des Objektes
von Denkmal | #1

Es ist schon merkwürdig, wie ein Denkmalgeschützetes Gebäude doch so verändert werden kann /darf. Wenn man als Privatmann ein Denkmalgeschützets Haus kauft bekommt man solche starken auflagen das es ja so renoviert wird wie es war von Außen. Und Die Stadt? Die darf ja alles wenn nur das Geld kommt. Mir Tun die armen Anwohner jetzt schon leid mit so einem Ungetum und Größtenwahnsinnigen Gebäude leben zu müssen. Den der Schatten Wurf ist doch vorgegeben, da brauch man kein Experte sein. Aber Die Satdt hat ja immer die bestmöglichen Argumente.
Merke: Die Stadt die Stadt , die hat immer Recht. ;-)

Schade um den Bunker das nun son Teil dadrüber Gestülpt wird. Es wird sicher Hässlich werden Hoch drei, Wie die Stadtbadgalerie und sicher auch die zukünftige Justiz....

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1144673/create

Umfrage
Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum steht auf der Kippe. Glauben Sie daran, dass der Standort nach 2015 erhalten bleibt?

Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum steht auf der Kippe. Glauben Sie daran, dass der Standort nach 2015 erhalten bleibt?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Fliegerbombe entschärft
Bildgalerie
Um 16:00 Uhr war es...
Kemnade in Flammen
Bildgalerie
Volksfest
Festival der Kulturen
Bildgalerie
Ruhr International
Festumzug in Linden
Bildgalerie
Schützen
Aus dem Ressort
Fliegerbombe in Bochum erfolgreich entschärft
Evakuierung
Die riesige Evakuierung in Bochum-Ehrenfeld wegen der Entschärfung einer Fliegerbombe ist zu großen Teilen abgeschlossen. Nachdem der Bombenentschärfer vor einer Stunde seine Arbeit aufgenommen hat, ist die Bombe jetzt entschärft.
Sechster Brand im selben Haus in Bochum
Feuerwehr
Zum sechsten Mal innerhalb kürzester Zeit hat es in einem Mehrfamilienhaus in Bochum-Hamme gebrannt. Diesmal stand ein Mülleimer in Flammen. Dank der Rauchmelder konnten sich alle Bewohner rechtzeitig in Sicherheit bringen.