Die Ruhr-Uni Bochum versorgt sich selbst mit Energie

Freuen sich auf das Projekt: RUB-Kanzlerin Christina Reinhardt und Stadtwerke-Vorstand Dietmar Spohn.
Freuen sich auf das Projekt: RUB-Kanzlerin Christina Reinhardt und Stadtwerke-Vorstand Dietmar Spohn.
Foto: Stadtwerke
Was wir bereits wissen
Weil der Bezugsvertrag mit RWE Ende 2017 ausläuft, gründet die RUB eine gemeinsame Gesellschaft mit den Stadtwerken. Zwei Blockheizkraftwerke auf dem Uni-Gelände produzieren Wärme und Strom.

Bochum.. Noch werden Ruhr-Universität, Hochschule und der Stadtteil Querenburg von RWE mit Fernwärme beliefert. Von 2018 an aber übernehmen die Stadtwerke Bochum in Kooperation mit der Ruhr-Uni diese Aufgabe.

Auf dem Uni-Gelände wird dann umweltfreundliche Wärme mittels Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt, aus dem Stromabnehmer Ruhr-Uni zugleich ein Stromproduzent. An der dafür zu gründenden gemeinsamen Gesellschaft unique (für Universität und Querenburg) Wärme GmbH werden Stadtwerke und Ruhr-Uni jeweils zu 50 Prozent beteiligt sein. Gemeinsam investieren sie 25 Millionen Euro in den Bau der neuen Anlage.

Einzigartig in NRW

„Das ist ein tolles Projekt, eine neue innovative, ökologische Lösung“, so Stadtwerke-Vorstandssprecher Dietmar Spohn bei der Vorstellung. RUB-Kanzlerin Christina Reinhardt freute sich, dass mit dem landesweit bislang einzigartigen Modell „langfristig eine zuverlässige und umweltfreundliche Versorgung zu wirtschaftlichen Konditionen“ gewährleistet ist. Und: „Ich gehe mal davon aus dass das eine Erfolgsgeschichte wird und dass das Nachahmungen nach sich ziehen wird.“ So denke etwa die Uni Duisburg/Essen über künftige Lösungen für seine Energieversorgung nach.

Nachdem der Bezugsvertrag mit RWE Ende 2017 ausläuft, wegen möglicher Verzögerungen beim Bau der neuen Anlage hat RWE im Bedarfsfall einer Verlängerung der Fernwärmelieferung bis Mitte 2018 zugestimmt, wird die „unique“ den gesamten Campus der RUB mit 5600 Beschäftigten, 43.000 Studierenden sowie die Fernwärmeversorgung der Universitäts-Wohnstadt Bochum mit 4800 Mietwohnungen, 760 Eigenheimen und 115 weiteren Kunden übernehmen. Einer der Vorteile, so Ina Schwarz, Dezernentin für Bau und Liegenschaften der Ruhr-Uni, liegt im unterschiedlichen Bedarf der Kunden: Private Abnehmer benötigen Wärme sehr früh sowie am Abend und am Wochenende, die Uni eher tagsüber in der Woche. Und: Mit der neuen Lösung werden 50 Prozent des Strombedarfs der Universität gesichert.

RWE will Kraftwerk schließen

Möglich wird dies durch den Bau zweier Blockheizkraftwerke (BKHW) im Technischen Zentrum der Uni, aus dem noch alte Ölanlagen entfernt werden müssen und für die unter anderem vier Erdgaskessel aufgestellt werden. Die BKHW erzeugen umweltfreundliche Wärme in Kraft-Wärme-Kopplung und eben auch Strom. Jährlich, so Stadtwerke-Vorstand Spohn, werden 26.000 Tonnen CO2 eingespart. Bestechend sei die Effizienz, der Wirkungsgrad werde 94 Prozent betragen. „Die Energie, die wir vorne reinstecken, kommt zu 94 Prozent wieder heraus – in Wärme und in Strom“, so Spohn. Zum Vergleich: „Neue Kraftwerke ohne Kraft-Wärme-Kopplung haben einen Wirkungsgrad von 44 Prozent“.

Nötig geworden ist die Umstellung, so heißt es, weil RWE nach dem Ende der Dampflieferung für das Opel-Werk sein Kraftwerk schließen wolle. Beim Energiekonzern löste das gestern indes Verwunderung aus: „Wir müssen die Wirtschaftlichkeit der Anlage nach 2017 neu bewerten“, so RWE-Sprecher Jan Peter Circel. „Aber es gibt noch keinen Stilllegungsbeschluss.“