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Die Quote stimmt

24.06.2007 | 05:25 Uhr

Die Besucherzahlen im Schauspielhaus erhöhen sich in der letzten Saison um 18 500 auf 191 000 Zuschauer.Drei junge Regisseurinnen zeigen Beachtliches. Publikumsrenner war "Das Gespenst von Canterville"

Vergnügen und hohe Tragik: Mit Feydeaus Farce "Floh im Ohr" und Kleistens schicksalsträchtiger "Penthesilea" endete gestern die Saison 2006/07 am Schauspielhaus. In seinem zweiten Jahr an der Königsallee konnte Intendant Elmar Goerden die Besucherzahlen um 18 500 Gäste gegenüber der Vorsaison erhöhen. Rund 191 000 Zuschauer sahen insgesamt 696 Vorstellungen in den drei Spielstätten. Ein gutes Viertel der Zuschauer waren Schüler und Studenten. Ebenso bemerkenswert ist die Bilanz des Abonnements: Seit Herbst 2006 wurden knapp 8000 Abonnements abgeschlossen.

Intendant Elmar Goerden hat sich gegen den Trend entschieden und läuft keinen Uraufführungen hinterher. An vielen deutschen Theatern sind die gänzlich neuen Stücke deshalb besonders beliebt, weil dadurch die überregionale Kritik angelockt wird. Doch Goerden hat stets betont, dass ihn das Geburtsdatum des Autors nicht interessiere, wenn ihn ein Stück begeistere.

Der Intendant, der also eher für eine vor den zeitgenössischen Spiegel gehaltene Klassik steht, ging trotzdem in der vergangenen Spielzeit den Uraufführungen nicht gänzlich aus dem Weg: Unter den 20 Premieren fanden sich immerhin drei Uraufführungen: "Afterdark" von Haruki Murakami in der Regie von Holger Weimar, "Besuch bei dem Vater" von Roland Schimmelpfennig in der Regie von Elmar Goerden und "Der Alptraum vom Glück" von Justine del Corte als Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen in der Regie des Bochumer Intendanten.

Bundesweite Beachtung fanden insbesondere Elmar Goerdens (ein wenig biedere) Inszenierung "Rosmersholm" von Henrik Ibsen mit Imogen Kogge und Markus Boysen in den Hauptrollen sowie Dieter Giesings Regiearbeit "Floh im Ohr" von Georges Feydeau. Gegen Ende der Saison gab Burghart Klaußners Deutung von "Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza dem Schauspielhaus noch einmal mächtig Auftrieb - ein quirlig-hintersinniges Erlebnis des gehobenen Boulevard.

Was wäre ein Rückblick auf die vergangene Saison ohne die drei jungen Regisseurinnen Lisa Nielebock ("Penthesilea" mit einer überragenden Lena Schwarz), Jorinde Dröse ("Endstation Sehnsucht" und "Platonow") und Tina Lanik ("Emilia Galotti")? Das "Drei-Mädel-Haus", wie das Trio schon bald genannt wurde, verbuchte große Publikumserfolge.

Zum Publikumsrenner entwickelte sich zudem das Familienstück "Das Gespenst von Canterville", das mit knapp 50 Vorstellungen die kleinen und großen Zuschauer begeisterte. Alle Register der schrillen Bühnenmittel und -technik wurden da gezogen.

Und dann "Ohne alles": Als "Quantensprung für das Theater" bezeichnete Elmar Goerden dieses Autorenfestival an zwei Tagen im Mai. Insgesamt 23 neue Szenen und Sketche wurden in 36 Stunden im Schauspielhaus, in den Kammerspielen und im Theater unter Tage gezeigt - Stückchen von unterschiedlicher Qualität.

Obwohl mancher Gedankenblitz den Uraufführungstag wohl nicht überstehen wird, boten die vielfältigen Stil- und Spielformen dem Ensemble die Gelegenheit, sich mit prächtiger Spiellaune und hoher Qualität auszutoben. Gezeigt wurden in 65 Veranstaltungen Stücke von Autoren wie z. B. Lukas Bärfuss, Sibylle Berg und Moritz Rinke.

Erfreuliches auch im "Jungen Schauspielhaus" (die WAZ berichtete): Das Angebot konnte ausgebaut und eine eigene Spielstätte in den Räumen der Melanchthongemeinde an der Königsallee 40 eingerichtet werden. Auf große Resonanz stießen neben den zahlreichen Jugendclubs die Projekte "JobAct" in Zusammenarbeit mit der Projektfa-brik Witten, das Projekt "Hauptschule in Bewegung" und das "Schülertheatertreffen Ruhrpott 07".

Knapp 400 Jugendliche wirkten mit im Jungen Schauspielhaus. Martina van Boxens Inszenierung "Der Luftballonverkäufer" von Roberto Frabetti für Kinder ab 3 Jahren erhielt den Publikumspreis beim Kinder- und Jugendtheatertreffen 2007 in Oberhausen.

Zwei Seitenwege erwiesen sich als profund und gangbar: Jens Thomas begeisterte mit gewohnt raffinierter Präsenz auch während der zweiten Saison in den Kammerspielen sein Publikum mit der Konzertreihe "Piano Voices". Der zeitgenössische Tanz hat mit dem Folkwang Tanzstudio Essen unter der Leitung von Henrietta Horn am Schauspielhaus eine neue Heimat gefunden: die in der vergangenen Spielzeit ins Leben gerufene Reihe heißt "tanz.BO"

Nun beginnt im Schauspielhaus die schreckliche, die theaterlose Zeit. Doch bleibt es dort nicht still und verwaist, bis Elmar Goerden mit seiner Inszenierung von Shakespeares "Wie es euch gefällt" am 19. Oktober die neue Spielzeit eröffnet. Im Rahmen der Ruhr-Triennale wird zuvor in der Theaterburg die Hommage an Claus Peymann zu erleben sein. Die Erinnerung an den Ex-Intendanten wird geweckt unter anderem mit den drei Dramoletten, die Thomas Bernhard seinem Lieblingsregisseur Peymann gewidmet hat.

Von Werner Streletz

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