Die Quadratur des Strom-Kreises
15.12.2009 | 17:44 Uhr 2009-12-15T17:44:00+0100Bochum. Energie soll billiger und sauberer werden. Die Ruhr-Universität leistet dazu ihren Forschungsbeitrag.
Stromzähler sind dumm. Rund um die Uhr rattern sie dieselbe Zahl herunter, mal schneller, mal langsamer: 43 Cent pro Kilowattstunde. Soviel kostet Strom in Deutschland, tags wie nachts. Das soll sich ändern, und zwar beides. In Zukunft sollen intelligente Stromzähler auch in ihrem dunklen Kellerlein genau unterscheiden können, ob oben gerade die Sonne scheint oder nicht. Diese simple Maßnahme soll Strom einsparen, regenerative Energien fördern und Geld sparen.
„Es wird zuviel Energie angeboten”, bemängelt Constantinos Sourkounis, Professor für für Elektrotechnik und Informationstechnik an der Ruhr-Universität. „Der Wind bläst nicht dann, wenn wir ihn brauchen.” Herrscht Sturm in den Windparks, aber Flaute an den deutschen Steckdosen, verpufft die überschüssige Energie einfach – speichern lässt sie sich nicht. „Wenn wir heute in so eine Situation kommen, schalten wir die Windparks ab. Das ist nicht Sinn der Sache.” Mitdenkende Stromzähler und eine intelligente Schnittstelle in jedem Haushalt sollen dafür sorgen, „dass wir dann Energie verbrauchen, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint”.
Dieses Ziel will Sourkounis über den „E-Energy-Marktplatz der Zukunft” erreichen. Dahinter steckt die Idee, dass es für Strom genauso einen Markt gibt wie für Tomaten, Eier oder Käse. Oder vielmehr einen Basar: Der „elektronische Markt für Energie” sei ein „Markt, wo man handelt”, verdeutlicht er. Und zwar die großen Stromanbieter genauso wie der Privatmensch, der deren Strom für seinen morgendlichen Kaffee braucht. Sourkounis drück das so aus: „Der bis jetzt passive Verbraucher gestaltet diesen Markt aktiv mit.”
Einerseits kann der Kunde selbst zum Anbieter werden. Wer zum Beispiel einige Solarzellen auf dem eigenen Dach hat, kann den so gewonnenen Strom selbst auf dem E-Energy-Marktplatz anbieten. Doch nicht nur das Angebot, auch die Nachfrage kann der Kunde der Zukunft mitgestalten – und damit auch den Preis bestimmen, den er für Strom bezahlt.
Sourkounis kann sich vorstellen, dass Energie auf dem E-Energy-Markt nachts deutlich billiger wäre als zu den „Kochspitzen” um sechs, zwölf und 18 Uhr, wenn ganz Deutschland gleichzeitig den Herd anwirft. Die Bürger würden davon profitieren. Die intelligente Schnittstelle könnte zum Beispiel dafür sorgen, dass die Waschmaschine nicht auf Knopfdruck anspringt, sondern erst dann, wenn der Strompreis unter 18 Cent pro Kilowattstunde gefallen ist.
„Man gestaltet die Preise so, dass der Kunde einen Vorteil sieht”, beschreibt Sourkounis die mögliche Preispolitik der Betreiber. Selbst eine Senkung unter die Erzeugerkosten wäre für sie billiger, als die Kraftwerke abzuschalten, nur weil gerade kein Strom durch die Leitungen in die Haushalte fließt. Wer tagsüber teuer oder nachts billig waschen kann, wird sich oft fürs Sparen entscheiden – von Geld und Strom. Durch diese Verlagerung könnten bis zu zehn Prozent der Regelreserve der Kraftwerke eingespart werden. 2020 könnte es soweit sein. Den Beitrag der Ruhr-Uni beschreibt Sourkounis so: „Wir wollen die Intelligenz für dieses Netzmanagement liefern.”
Das Projekt
Das Forschungsvorhaben zum E-Energy-Marktplatz der Zukunft wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie finanziell gefördert. Seit knapp einem Jahr forscht ein ganzes Konsortium daran. Beteiligt sind auch RWE, Siemens, Miele, ProSyst, die Stadtwerke Krefeld-Gruppe sowie die Universitäten Bochum, Duisburg/Essen, Dortmund und die Fachhochschule Dortmund.

15:45
Intelligente Stromzähler? Seit wann sind Sachen intelligent? Das sollte der Professor mal erläutern.
Es ist lediglich eine weitere Methode, den Strom möglichst teuer zu machen. Der schlichte, herkömmliche Stromzähler hat beim Zählen den Strom einfach durchgelassen - der intelligente Stromzähler benötigt nun einen Dienstleister für sein Tun. Dienstleister wollen auch was an der Kilowattstunde verdienen. Und so werden es immer mehr Dienstleister bis der Strom endlich beim Endverbraucher ankommt. Der Aufwand pro Kilowattstunde wird per Dienstleistungen künstlich erhöht und kein Endverbraucher spart oder hat einen besseren Strom. Die angebliche Stromeinsparung wandelt sich in eine stetig steigende Kostenbelastung. Bei Dienstleistern sollte man den Unterschied zwischen solchen machen, welche der Produktion von Sachen dienen, von denen der Endverbraucher einen konkreten Nutzen hat - und solchen, welche ihm lediglich höhere Kosten verursachen.
14:51
#5:
Ich heize über eine sog. Abluftwärmepumpe.Mein Verbrauch (freistehendes EFH) für Hz und WW liegt bei etwa 6000 kWh pro Jahr. Und genau hierfür kann ich den Anbieter nicht wechseln, das geht angeblich aus rechtlichen Gründen nicht. 3 Anbieter (andere versorger!) haben mir das bestätigt. Wettbewerb bei Wärmepumpen findet NICHT statt. Und wenn ich den Anbieter für die übrige Versorgung (ca 3000 kWh/a) wechseln will, wird mir die Vergünstigung für den Nachtstrom-Tarif gestrichen.
13:48
Der Herr Professor mag recht haben, wenn er meint, daß in Deutschland zuviel Strom angeboten wird; aber leider reicht das nicht aus, den Strompreis zu senken, weil sich die Oligipolisten
- gesetzlich die Abzocke haben genehmigen lassen und
- weil sie glasklar erkannt haben, daß diese Abzocke blitzschnell zu Ende wäre, wenn sie versuchen würden, sich gegenseitig zu unterbieten.
Da kassiert man lieber die Verbraucher weiter ab, um die Vorgaben der Aktionäre zu erfüllen und Gewinnbeteiligungen zu kassieren.
Die richtige Lobbyarbeit trägt eben ihre Früchte.
11:46
Zitat aus Bericht...
43 Cent pro Kilowattstunde. Soviel kostet Strom in Deutschland...
Wo kauft der Professor seinen Strom?..
Oder hat der Redakteur sich verhört? Der Preis könnte für die nahe Zukunft gelten, wenn noch mehr Energie aus den erneuerbaren Quellen (Wind,Solarstrom) fließt.
10:44
@4
Leider ist gerade im Strom- Markt das Gegenteil der Fall. Der Preis wird über die sog. Strombörse künstlich hochgehalten. Das Kartell der Stromanbieter funktioniert bestens.
Erst wenn die Kunden wirklich ständig zu den billigeren Anbietern wechseln würden, statt treudoof überhöhte Preise zu zahlen, käme dort so etwas wie Markt zu Stande.
10:09
@ comptur
Der Markt diktiert den Preis.
Wenn dieser Satz in Zukunft auch auf dem Energiemarkt stimmt, dann werden sicher viele wirtschaftlich denkende Menschen ihre Gewohnheiten so anpassen, dass Kosten eingespart werden. Es wird sicher auch weiterhin Leute geben, denen andere Dinge wichtiger sind.
Wenn ich heute einen SUV mit deutlich über 200 PS in den Straßen sehe, kann ich auch nur über die ökologische Unvernunft den Kopf schütteln. Das Verhalten ist aber legitim, aber es müssen halt die hohen Energiekosten getragen werden.
22:11
Die vermeidet man nicht durch Nachtschichten im Waschkeller. Lastspitzen sind immer unabhängig von Waschmaschinen im Winter um 19 Uhr. Es wäre ja noch schöner wenn der Mensch seinen Lebensrythmus den Wünschen von irgendwelchen Ökospinnern anpassen soll.
20:54
Lesen und verstehen! E-energy manget den verbrauch von Strom. Und nicht jeder lebt in einem Mehrfamilienhuas. Und es gibt auch noch Waschkeller. Ich denke das diese Ansätze schon richtig sind. Es geht schlichtweg darum um Lastspitzen zu vermeiden.
19:52
Das ist gut gedacht. Ich möchte auch daß nachts die Waschmaschiene des Nachbarn läuft. Außerdem, wenn der Strom billiger wird springen alle Verbraucher an und der Strom wird wieder teurer weil er durch den erhöhten Verbrauch wieder knapp wird.