Die Kunst aus der Fritteuse
05.09.2007 | 07:35 Uhr 2007-09-05T07:35:32+0200Aktion zum Austauschprojekt "Transfer Türkei": Performancekünstler Bochumer Matthias Schamp macht das Museum zur Pommesbude. 14 Beteiligte stellen sieben Wochen aus
Das Museum Bochum wird zur Pommesbude. Der Performance-Künstler Matthias Schamp, der bereits verschiedene witzige und subversive Aktionen inszeniert hat, wird dort im Rahmen einer Ausstellung die Fritteuse anfeuern.
"Dass der typische Fettgeruch das Museum durchziehen wird, ist durchaus gewollt. Wenn es allerdings zu arg wird, werde ich mich vielleicht nach draußen verlagern." Wegen des Gestanks mache sich Museumschef Golinsky durchaus Sorgen: Mit dieser Sinneswahrnehmung sollten natürlich die Ausstellungsstücke nicht umnebelt werden.
Jeweils donnerstags will Schamp die Fritten ins Fett schmeißen, sieben Wochen lang. Dies als Beitrag zur Präsentation des Austauschprojekts "Transfer Türkei": Im letzten Jahr waren sieben türkische Künstler auf Einladung des Kulturreferats Wuppertal in Nordrhein-Westfalen, bevor sieben deutsche in die Türkei reisten.
Beteiligt sind Museen in Aachen (Ludwig Forum für internationale Kunst), in Münster (Halle für zeitgenössische Kunst) und eben in Bochum. Schamp, der zu den sieben NRW-Künstlern gehörte, verlebte zwei Monate in Istanbul: "Die Stadt hat mich erschlagen. Die Eindrücke kann ich zum Teil erst zuhause künstlerisch verarbeiten."
Vom 14. bis zum 4. November September werden in den drei NRW-Museen die Arbeiten aller 14 beteiligten Künstler ausgestellt. Start an der Kortumstraße ist am 15. September. In Münster wird Schamp den Film seiner Verkehrszeichen-Aktion zeigen, in Aachen seine "schlechten Verstecke" (eins will er als Mauseloch in die Wand sägen), und in Bochum wird der "Mythos-Grill" zur künstlerisch-kulinarischen Herausforderung.
Jenen "Mythos-Grill" gab's schon mal: Am Rathaus hatte sich Schamp vor zwei Jahren ein Ladenlokal gemietet, daraus eine Pommesbude gemacht mit Atelier-Anleihen. Die war stets beleuchtet, heraus drang leise Sirtaki-Musik; sie war nur sporadisch geöffnet, aber wenn, dann gab's auch Pommes. "Die Leute wussten es nicht zuzuordnen. Es war immer sonderbar." An den Wänden klebten Pommesgäbelchen wie Pinselstriche und referierten auf Kunst. Der Name, so erzählt er, fußt ursprünglich aufs Verlesen: "Ich lief mal auf einen ,Mykonos-Grill' zu und las ,Mythos'. Damals dachte ich: schöner Name. Wenn ich einst eine Pommesbude haben sollte, dann wird sie Mythos heißen." An eine künstlerische Laufbahn hatte er damals noch gar nicht gedacht.
Diese Deko, angelehnt an den Grill, soll's auch im Museum geben. Zusätzlich sucht Schamp seit Wochen jede Menge Fritteusen; einige konnte er auf Flohmärkten aufstöbern, doch die Hilfe Bochumer Pommesesser ist weiterhin vonnöten: "20, besser noch 50 brauche ich für die Aktion; geschenkt oder geliehen, defekt oder intakt." Die will er auf einem Schwerlastregal aufreihen. Dazu wird der Bereich rund ums Museumscafé griechisch verbrämt und "einen DDR-Charme bekommen, etwa durch verschiedene Tische". 14 hat er bislang zusammen nach einem ersten Aufruf in der WAZ, "doch ich brauche mehr". Zusätzlich hofft Schamp auf die Unterstützung griechischer Grills und Restaurants: Er will sich Gipsfiguren, Säulen, Nippes und typische Dekorationsstücke ausleihen.
"Reflektieren und frittieren" heißt es dann jeweils donnerstags ab 19.30 Uhr. Die Symbiose aus Hochkultur und Alltag wird begleitet, etwa durch Musik jeweils für die Gäste.
Die Pommes gibt's übrigens umsonst.

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