Die Chronik des Niedergangs

1962: Pünktlich zum 100-jährigen Bestehen am 12. Oktober von Opel läuft im neu eröffneten Werk in Bochum der erste Kadett vom Band. Die Menschen im Ruhrgebiet hoffen auf bessere Zeiten, den Niedergang des Bergbaus spüren sie noch zu deutlich. 9.300 Arbeiter sind es am Anfang insgesamt. Die Autos aus Bochum erweisen sich als Erfolg: In den 1970er Jahren beschäftigt der Autokonzern rund 20.000 Mitarbeiter in den drei Bochumer Werken. In Spitzenzeiten fertigen sie 250.000 Fahrzeuge pro Jahr.

1980: Opel schreibt erstmals rote Zahlen, die Bänder stehen öfter still. Mit dem 1987 eingesetzten, berüchtigten Opel-Sparkommissar José Ignacio López setzt eine Qualitätskatastrophe ein. Ende der 1990er Jahre sind nur noch 11.000 Mitarbeiter bei Opel in Bochum beschäftigt.

2004: Der amerikanische Konzern General Motors (GM), der die Aktienmehrheit an der Opel AG hält, droht erstmals mit der Schließung des Bochumer Opel-Werkes. Ein harter Kampf um die schon lange weiter geschrumpften Arbeitsplätze und Standorte beginnt.

2009: Nach mehreren Rettungs- und Finanzierungsplänen steht Opel vor der Übernahme durch Magna. In letzter Sekunde stoppt GM den Verkauf und beschließt Opel in Eigenregie zu sanieren. Kurz danach kündigt GM an, 1.800 Stellen in Bochum zu streichen, das Bangen in Bochum beginnt erneut.

2012: Die Befürchtungen werden wahr: Der Zafira soll in Rüsselsheim produziert werden, der Standort Bochum hat bei Opel keine Zukunft mehr. Im Dezember verkündet Opel-Chef Thomas Sedran das endgültige Aus für die Autoproduktion in Bochum spätestens 2016.

2013: GM-Vizepräsident Stephen Girsky verkündet im Januar das Aus für die Bochumer Fahrzeugproduktion Ende 2014. Der Kampf der Belegschaft, die den Sanierungstarifvertrag ablehnt, bleibt wirkungslos – im April beschließt der Aufsichtsrat gegen die Stimmen der Arbeitnehmer und Gewerkschaftsvertreter die endgültige Schließung.

2014: Auch Klagen konnten die Schließung nicht verhindern. Am 5. Dezember läuft am frühen Freitagmorgen gegen 0.30 Uhr das letzte Auto, ein dunkelgrauer Zafira-Van, vom Band. Opel in Bochum schließt nach 52 Jahren. Die ausscheidenden 2.700 Mitarbeiter kommen in eine Transfergesellschaft, die bei der Jobsuche helfen soll. Auf dem riesigen Werksgelände bleibt nur ein Ersatzteillager des Autokonzerns.