DGB-Kundgebung - Demonstranten in Bochum tanzen Sirtaki

„Wir lassen die Verhältnisse Sirtaki tanzen“: Mit griechischen Folkloregruppen reihten sich die Demonstranten am Schauspielhaus in den Reigen ein.s
„Wir lassen die Verhältnisse Sirtaki tanzen“: Mit griechischen Folkloregruppen reihten sich die Demonstranten am Schauspielhaus in den Reigen ein.s
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
750 Demonstranten haben sich in Bochum an einer Kundgebung der Gewerkschaften beteiligt. Eine ihrer Forderungen: Solidarität mit Griechenland.

Bochum.. Der Rekord wurde verfehlt. 1300 Menschen sollten am Samstag vor dem Schauspielhaus gemeinsam Sirtaki tanzen: so viele wie nie zuvor in Deutschland. Letztlich ließen sich nur einige hundert Demonstranten für den griechischen Volkstanz begeistern. Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gleichwohl ein Zeichen, dass die Reihen der Hellas-Unterstützer im Ruhrgebiet fest geschlossen sind.

„GewerkschafterInnen für Frieden und Solidarität“: So hat der DGB seine Kundgebung zum 70. Jahrestag der Befreiung Nazi-Deutschlands genannt. Die Erinnerung wachhalten, den Widerstand gegen jedweden rechten Sumpf hochhalten: DGB-Geschäftsführer Jochen Marquardt und der ehemalige IG-Metall-Vorstand Horst Schmitthenner mahnten in ihren flammenden Reden zum verantwortlichen Umgang mit der Geschichte, der allein ein verantwortliches Handeln in der Gegenwart möglich macht.

Griechenland ein Teil dieser europäischen Familie

Eine Lehre der Vergangenheit muss der weitere Aufbau eines friedlichen, sozialen und demokratischen Europas sein: In diesem Ziel waren sich die 750 Teilnehmer (meist Mitglieder der DGB-Einzelgewerkschaften) einig. Ebenso, dass Griechenland ein Teil dieser europäischen Familie bleiben müsse.

Ausschließlich positive Stimmen erntete der Sieg der linken Partei Syriza mit Ministerpräsident Alexis Tsipras bei der Wahl im Januar. Entsprechend groß war der Beifall, als Giorgos Chondros ans Mikro trat. Der 56-Jährige ist Gründungs- und Vorstandsmitglied von Syriza. Dank bester Deutsch-Kenntnisse (er lebte und arbeitete lange in Österreich) gilt Chondros hierzulande als wichtigster und einflussreichster Botschafter der Tsipras-Regierung.

Dieser Rolle wurde er vor dem Schauspielhaus mehr als gerecht. „Wir erleben in Griechenland einen Krieg – nur ohne Blutvergießen!“, donnerte er den Gewerkschaftern, Friedens- und Umweltaktivisten entgegen. Die durch das „Spardiktat“ der EU heraufbeschworene „humanitäre Katastrophe“ fordere täglich Todesopfer: Rentner, die sich keine Medikamente mehr kaufen könnten ebenso wie Verzweifelte, die zu Tausenden Selbstmord verübt hätten. Syriza, so Chondros, habe nach 100 Tagen zwar kaum materielle Besserungen bewirkt, „der Bevölkerung aber Würde und Hoffnung wiedergegeben“. Keine Lohn- und Rentenkürzungen, keine Steuererhöhungen, keine Privatisierungen: Von „roten Linien“ spricht der Syriza-Vorkämpfer. „Das muss Europa akzeptieren, ebenso wie eine linke Regierung.“

Beim Sirtaki-Tanz mit Folkloregruppen fand die Kundgebung ein fröhliches Ende. Giorgos Chondros gab den politischen Takt vor: „Wir werden es schaffen!“