Der Trend geht zu Anzug und Fliege

Nur noch wenige angehende Abiturienten hat Klaudia Hübner in den vergangenen Tagen beraten. „Die meisten waren schon wesentlich früher da. In den vergangenen zwei Monaten hatten wir gut zu tun“, sagt die Modeberaterin im Modehaus Baltz. „Aber einige wollten halt erst abwarten, ob sie den Abschluss schaffen.“

Ein Outfit für den Abiball und eins für die Zeugnisübergabe an der Schule bezahlt man nicht mal eben aus der Portokasse. Nur mit einem Sakko ist bei den jungen Männern längst nicht mehr getan. „Auch bei ihnen geht der Trend dahin, dass sie, so wie die Mädels, eben wirklich zwei Outfits haben wollen. Eins für Morgens, eins für Abends. Immer häufiger stimmen sich zudem Junge und Mädchen, die zusammen zum Ball gehen, ab, was sie anziehen.“

Anzug, zwei Hemden, Krawatte, Lederschuhe, Gürtel. „An die 500 Euro kann das leicht gehen“, sagt Hübner, die schon manche Mutter hat darüber grübeln sehen, ob diese Investition jetzt wirklich angebracht und nötig wäre. „Ich kann das vollkommen verstehen“, sagt Hübner. „Im besten Fall können die Jungs den Anzug mehrmals tragen, vielleicht bei einem Bewerbungsgespräch oder einer anderen Festivität. Aber sie wachsen ja auch noch. Da geht es schnell, dass der teure Anzug nicht mehr passt.“

Der Anzug aber sei nahezu Pflicht. „Der Trend geht schon viele Jahre zum Anzug. Also nicht nur Sakko und legere Hose, sondern komplett abgestimmt. Gerne wird jetzt dazu Fliege getragen.“ Bei den jungen Frauen ist schon längere Zeit für den Abend das bodenlange Kleid angesagt. „Das Kleid, das sie bei der Zeugnisübergabe tragen“, sagt Hübner, „ist meist deutlich kürzer und oft eins, das man häufiger mal anziehen könnte.“