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Der Marathon-Mann der freien Szene

10.02.2012 | 15:34 Uhr
Der Marathon-Mann der freien Szene
Felix Lampert in einem Szenenbild aus „Fight Club“ im Theater Rottstraße 5 . Foto : Hupfeld

Bochum. In der vergangenen Woche hat er an sieben Tagen fünf Vorstellungen gespielt, fünf verschiedene Stücke, in zwei Theatern: Felix Lampert ist der Marathon-Mann des freien Bochumer Theaters.

Er war Wodkatrinker in Dublin, Gerichtsmediziner vor einer Wasserleiche aus seiner Vergangenheit, war Jurymitglied einer Casting-Show, schizophrener Schläger und Brunhilds schräger Diener. Allesamt keine Nebenrollen, beachtliche Textmengen. Fällt es ihm leicht, die zu lernen? Ja, freut sich Lampert zu sagen, das sei eine Gabe über die er verfüge. Deshalb ist er prädestiniert für die Arbeitsweise, die vor allem das Theater an der Rottstraße auszeichnet. Schnelle und rau inszenierte Stücke, hautnah am Publikum gespielt.

Lampert wurde in Dresden geboren, seine Eltern türmten schon vor der Wende nach Rheinland-Pfalz, er machte Abi, dann zog es ihn schon zum Theater. In Rostock hospitierte und assistierte er, Johanna Schall, Brecht-Enkelin, förderte ihn dort. Anschließend versuchte er sich studierend in Bremen, nahm dann aber ein Schauspielstudium in Leipzig auf und spielte kurz darauf in Chemnitz am Theater. Nach dem Abschluss war er ein Jahr in Neuss Ensemblemitglied, danach freischaffend. Nachdem er mehr oder weniger zufällig in der Rottstraße Dagny Dewaths Silvia-Plath-Abend und „Troja 3“ gesehen hatte, war es geschehen - seither gehört Lampert zum Stammpersonal des Theaters. Als kurzfristig eine Besetzungsänderung am Prinz Regent Theater nötig wurde, sprang Lampert ein. Seitdem spielt er auch dort in „Die Durstigen“.

Finanziell ist Lamperts Engagement nahezu reine Selbstausbeutung. Nebenher ist er deshalb auch noch Filmvorführer in einem Düsseldorfer Programmkino, verdingt sich gelegentlich auf dem Bau und war während des Stadtfestivals Bochum Total für vier Nächte Türsteher in der Bermudadreieck-Institution Intershop. Dort verdiente er sich gemeinsam mit dem Ex-Rottstraßen-Intendanten Arne Nobel nicht nur ein Taschengeld, sondern vom Wirt auch neue Stühle für das Theater unter den Bahngleisen.

Doch all diese Tätigkeiten sieht Lampert nicht nur als Fron. „Ich mag es, mit Leuten abseits des Theaters zu tun zu haben“, sagt er. Und es kommt noch ein lebenskünstlerischer Aspekt hinzu: „Ich weiß nicht, wie oft einem im Leben so etwas begegnet, dass man diese Freiheit hat“, sagt der 29-jährige. Und meint damit vor allem die Arbeit an der Rottstraße: „Jeder Schauspieler liebt es zu spielen, ich bin dankbar, dass mir jemand die Chance gibt.“ Und fügt hinzu, dass er künstlerisch durch die direkte Art der Konfrontation mit dem Publikum auch schnell weiter gekommen wäre.

Die nächste Produktion, in der er spielt, wird eine der größten, die das Rottstr5-Theater jemals auf die Beine gestellt hat. In Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ spielt er unter der Regie von Michael Lippold den Nick. Er freut sich auf eine tolle Besetzung mit unter anderen Karin Kettling, die zuletzt mit Regie-Star Herbert Fritsch am Schauspiel Köln Brecht machte, und Pia Kühr, frischgebackene Folkwang-Absolventin. Dafür stehen an der Rottstraße ausnahmsweise sechs Wochen Probenzeit zur Verfügung. Ein ungewohnter Luxus für Felix Lampert.

Tom Thelen

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