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Der globale Markt im Blick

29.07.2008 | 22:44 Uhr

Die Bochumer Firma isoft entwickelt Software für das Gesundheitswesen.Start als Bürotechnik-Unternehmen, dann gab's mehrere Übernahmen

Ohne elektronische Verwaltung geht in Krankenhäusern, aber auch bei Fachärzten heute gar nichts mehr. Längst ist das deutsche Gesundheitswesen auf dem Weg ins digitale Zeitalter. Diese Entwicklung hat das Bochumer Unternehmen isoft mit losgetreten.

Die Hauptniederlassung des weltweit agierenden Unternehmens IBA Health Group entwickelt und produziert IT-Systeme für Kliniken und Praxen am Standort Burgstraße. Dabei waren die Anfänge bescheiden: 1968 wurde das Unternehmen gegründet als Büro- und Datentechnik Laufenberg in Wattenscheid.

"Zu Beginn stießen wir mit unserer Software in eine Nische. Heute ist es ein Trend, und wir versuchen, uns über Qualität abzuheben", sagt Maria Nadj-Kittler, Director Marceting und Business Development. Die Funktionen bei isoft werden auf englisch geführt, denn das Mutterunternehmen ist eine australische Gruppe. Doch schon zuvor gab es mehrfach Übernahmen: Vor acht Jahren kaufte eine englische Gruppe das Bochumer Unternehmen, verkaufte es dann weiter. Im letzten Jahr folgte die Übernahme der Australier. Seither ist die Gruppe auf allen Kontinenten vertreten - mit Ausnahme der USA. "Dort einfach den Fuß hineinzubekommen ist nicht möglich. Das geht nur über den Kauf etablierter Unternehmen und ist ein längerer Prozess."

Mit dem Labor-Informationssystem (LabCentre) ist isoft deutscher Marktführer. Es wird eingesetzt in klinischen Labors, bei der Blutspende und in der Mikrobiologie, steuert dort die Prozesse, führt Analysen durch und stellt für den Befund fest, wie die Werte liegen. Marktführer sind die Bochumer auch mit RadCentre, ein Informationssystem für die Radiologie. Untersuchungen werden damit dokumentiert, zudem kontrolliert das System die Geräte; "es ist das Herzstück der radiologischen Abteilung", sagt Maria Nadj-Kittler.

All das musste früher manuell erledigt werden. Heute gibt's kein Krankenhaus mehr, das diesen Aufwand betreibt. Auch das hiesige Bergmannsheil etwa bedient sich der isoft-Systeme. Arbeits- und Untersuchungsabläufe werden optimiert, es geht um Wirtschaftlichkeit, Einarbeitung und Zeit.

"Alle Leistungen werden als berechenbare Größe ausgespuckt." Ausnahme ist bislang noch die Mikrobiologie, in der es nicht so viele Geräte gibt, die ein elektronisches Befundsystem ermöglichen.

"Wir wollen die Welt fluten", so formuliert es Maria Nadj-Kittler. Denn der deutsche Markt ist weitgehend gesättigt. Zudem nimmt die Zahl der Krankenhäuser in Deutschland ab, so dass sich der Blick ins Ausland richtet. Russland etwa sei ein begehrtes Feld. Bochum und die holländische Zentrale sind gemeinsam für Kontinentaleuropa zuständig.

Seit zehn Jahren sitzt isoft an der Wattenscheider Burgstraße. Heute arbeiten dort rund 250 Mitarbeiter, und es werden neue gesucht. 15 Fachkräfte werden gebraucht. "Das ist gar nicht so einfach. Bochum, das Ruhrgebiet, gilt nicht gerade als prickelnder Standort", weiß Eckhard Lenders, Marketing & Communications. Sehr begehrt in der IT-Branche ist dagegen München. Und Maria Nadj-Kittler ergänzt: "Oft haben Firmenübernahmen Personalabbau zur Folge. Bei uns aber steht das Signal auf Vergrößerung."

Es gibt inzwischen Standards in der Software, Spezialisierungen werden modular zugefügt, etwa für Reha, Orthopädie oder Maximalversorgung, die für jedes Krankenhaus aufgeschraubt werden können. Gleiches gilt für Facharztpraxen.

In dem dreistöckigen Bau an der Burgstraße geht es locker zu. Dienstags bekommen alle Mitarbeiter Obst von der Unternehmensleitung wegen der gesunden Ernährung. Der Frauenanteil ist hoch und liegt bei etwa 40 Prozent. Im Management sind von fünf Leuten zwei Frauen. Und: Die Mitarbeiter bleiben dem Laden treu. Wie Holger Schröder, der seit 30 Jahren hier arbeitet und sich im Bereich Produktmanagement nach eigenem Bekunden wohl fühlt.

www.isoft.de

Von Sabine Vogt

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