Der Bauer im Kölner Dreigestirn ist ein Bochumer Junge

Was wir bereits wissen
Der Bauer im traditionsreichen Kölner Dreigestirn ist ein Bochumer Junge: Michael Müller füllt die Rolle im Karneval am Rhein prächtig aus.

Bochum/Köln.. Ausgerechnet der Bauer: Weil zwar ein Prinz und eine Jungfrau, jedoch weit und breit kein jecker Landmann zu finden war, muss der Bochumer Karneval in dieser Session auf ein Dreigestirn verzichten. Dabei wäre Michael Müller die Traumbesetzung. Er ist Bochumer. Er ist Bauer. Dummerweise in Köln.

Seit der Proklamation im Januar im Gürzenich hat der rot-weiße Kölner Fastelovend eine blau-weiße Note. „Bochum ist und bleibt meine Heimat“, sagt Michael Müller, der als seine Deftigkeit Bauer Michael (mit 1,98 Metern der größte aller Zeiten) gewichtiger Teil des traditionsreichen Kölner Dreigestirns ist und in diesen Tagen regelmäßig über die Bildschirme flimmert.

Ein Mann mit Format und rheinischem Frohsinn

Dabei hatte der 45-Jährige mit Karneval lange Zeit nichts an der Kappe. Im Weitmar-Mark aufgewachsen, machte er 1989 sein Abitur am Graf-Engelbert-Gymnasium und studierte Bauingenieurwesen an der Ruhr-Universität. Im Karneval war er in seinen Bochumer Jahren nicht aktiv. Das änderte sich erst, als es ihn 1999 beruflich an den Rhein verschlug. Als Geschäftsführer einer Kölner Baufirma kam er schnell in Kontakt mit den kölschen Jecken und „lernte, den Fastelovend zu lieben“. Müller wurde Mitglied bei den Blauen Funken und in der Flittarder Karnevalsgesellschaft.

Seit 2014 Inhaber eines eigenen Ingenieurbüros, entschloss sich der Ehemann und zweifache Vater (Clara ist neun, Benno sieben), sich für die Rolle des Bauern im Kölner Dreigestirn zu bewerben. Als Mann mit Statur und Format, längst auch ausgestattet mit dem typisch rheinischen Frohsinn, erfüllte er das Anforderungsprofil des Festausschusses Kölner Karneval ideal. Zwar wird gemutmaßt, dass ein Mitglied des Dreigestirns Kosten in Höhe eines Mittelklassewagen stemmen muss. Michael Müller schweigt und genießt: „Ich darf derzeit sechs Wochen lang wunderbare und unvergessliche Momente erleben.“

"Bochum sollte authentisch bleiben"

Probleme mit seiner westfälischen Herkunft plagen den Bochumer Jungen nicht. „Ich wurde im Dreigestirn ohne Vorbehalte aufgenommen. Da gibt es keinerlei Differenzen.“ Aus seiner ewig währenden Liebe zum VfL macht der Fußballfan kein Geheimnis: „Die Kölner haben dafür Verständnis. Hier ist man offen und tolerant.“

Seine Besuche in Bochum fallen derzeit naturgemäß spärlich aus. So gibt Michael Müller aus der Distanz der närrischen Hochburg einen wohlmeinenden Ratschlag, der in der jecken Provinz womöglich wenig Heiterkeit entlockt. „Bochum“, meint der Bauer, „sollte authentisch bleiben und sich auf seine Stärken konzentrieren. Das Oktoberfest gehört zu München, der Fastelovend zu Köln, Bochum hat mit dem Mai-abendfest eine herrliche Tradition, auf die die Stadt stolz sein kann und pflegen sollte.“ Vom Karneval ist keine Rede.

Den Bochumer Ober-Narr Bernd Lohof wird’s nicht scheren. Nach der Zwangspause kündigt er für 2016 neue Regenten an. Wie es heißt, soll es wieder ein flotter Dreier werden.