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Der angekündigte Abschied

18.07.2008 | 19:36 Uhr

Optimismus des Intendanten Elmar Goerden wandelt sich innerhalb weniger Monate zum Eingeständnis des eigenen Scheiterns. Ein "zunehmend großer Schatten" liege auf dem Schauspielhaus

Nur wenige Monate liegen zwischen diesen Äußerungen: "Die hier arbeitenden Künstler sind nun tatsächlich ein 'Bochumer Ensemble' geworden, und das Publikum hat sich neue Lieblinge, Helden und Narren erkoren. Denen und den Geschichten, die sie erzählen, gehört mein ganzes Vertrauen." Das schrieb Elmar Goerden optimistisch im September 2007.

Im Mai 2008 klang es anders: "Die Personalie Goerden wirft einen zunehmend großen Schatten auf das Bochumer Schauspielhaus. Weder der Intendant noch der Regisseur werden seinem künstlerischen Ruf gerecht." So erklärte der Intendant u.a. seine Entscheidung, sich nach Ablauf seines Vertrags 2010 von Bochum verabschieden zu wollen, keine Verlängerung anzustreben.

"Vielleicht werde ich als Regisseur den Intendanten nicht los und als Intendant den Regisseur", grübelte Elmar weiter. Daran mag einiges wahr sein.

Hat sich doch gezeigt, dass seine Münchener Inszenierungen, die in Bochum gastierten, so "Clavigo" und "Eines langen Tages Reise", den Regisseur Goerden auf einer sensiblen und qualitativen Höhe zeigten, wie man sie bei den Bochumer Einstudierungen nur selten erlebt hatte. Vielleicht hätte Goerden in Bochum - zumindest zeitweise - dem Regisseur gegenüber dem Intendanten den Vorzug geben sollen.

Nach einem frechen Auftakt mit "Wie es Euch gefällt" von Shakespeare lagen in der vergangenen Spielzeit alle Erwartungen auf Goerdens Deutung von Schillers "Maria Stuart". Doch bedauerlicherweise blieb die Regie wenig inspiriert, lieferte solides Handwerk ab, wo ein mutiger Zugriff notwendig gewesen wäre. Die Schauspielerinnen retteten, was der Inszenierung durch den Regisseur versagt geblieben war: ein Niveau, das dem Ruf des Bochumer Schauspielhauses nahe kam.

In seiner Stellungnahme übernahm Elmar Goerden beinahe selbstlos die Verantwortung für die Schwierigkeiten, in denen sich das Schauspielhaus derzeit befindet. Das wird von wohlwollender Seite als nobel angesehen. Doch hätte nicht zuvor eine Entwicklung am Schauspielhaus einsetzen können, die ein solches Eingeständnis überflüssig gemacht hätte? Die Tatsache, dass nach den Auftaktspielzeiten beinahe die gesamte Dramaturgie das Haus wieder verlassen hatte und durch neue Kräfte ersetzt werden musste, lässt nicht gerade auf ein erquickliches Arbeiten schließen. Der Umstand, dass etliche der Schauspieler schon nach kurzem die Segel an der Königsallee wieder strichen oder bald gehen werden, kann mit dem Theateralltag erklärt werden. Könnte allerdings auch auf tiefer gehende Misslichkeiten hinweisen.

Elmar Goerden wünschte sich - Beckett zitierend - für seine beiden letzten Bochumer Jahre "ein besseres Scheitern". Vom Gewinnen war da keine Rede mehr ...

Von Werner Streletz

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