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Demografie

Demografischer Wandel ist auch für die Stadtplaner eine Herausforderung

29.04.2011 | 17:29 Uhr
Demografischer Wandel ist auch für die Stadtplaner eine Herausforderung
Die Hustadt (hier der neu gestaltete Brunnenplatz) stellt die Stadtplaner vor besondere Herausforderungen. Foto: Ingo Otto

Bochum.Der demografische Wandel ist vor allem auch für Architekten und Stadtplaner eine Herausforderung. Die Bevölkerung schrumpft und wird älter. Für sie muss nicht nur die Infrastruktur vorgehalten werden, sie muss auch eine andere sein.

Baudezernent Dr. Ernst Kratzsch. Foto: Helmuth Vossgraff

Die Ansprüche der betagten Bürger – laut Prognose wird Bochum 2030 rund 40 000 Einwohner weniger haben – werden Auswirkungen auf alle Infrastrukturen haben. Baudezernent Dr. Ernst Kratzsch: „Weniger Bürger heißt weniger Gebührenzahler. Also müssen wir das Umlagesystem für den Gebührenhaushalt umbauen, damit zum Beispiel die Kanalgebühren nicht ins Unermessliche steigen.“ Effektiver, besser wirtschaften; dennoch werden die Nebenkosten für die Bürger klettern.

Die Verwaltung bemüht sich schon jetzt darum, die Infrastruktur zu erhalten, ohne sie schmerzhaft zu verteuern. „Personaleinsparungen sind ein Weg, etwa durch Automatisieren der Entwässerung.“

Jedes Quartier hat laut Kratzsch seine Alterung. Nicht alle Freiflächen sollten zugebaut werden. Vielmehr gehöre zur Biografie, wie sie genutzt werden. Jeder Stadtteil wird auch in Zukunft Kinderspielplätze brauchen. Eine deutliche Altersdurchmischung, das wollen die Bochumer Planer erreichen, um extreme Effekte kommunalpolitisch aufzuhalten. „Da werden vielleicht zehn Jahre lang Spielplätze für Alte gebraucht, für die nächste Dekade aber wäre eine Grünfläche von größerem Nutzen.“

Nahversorgung im Stadtteil wird wichtiger denn je

Der Idealfall wäre, einen gesunden Mix zu schaffen. „Dazu müssen die Kommunen steuernd eingreifen, also Bauland für junge Leute ausweisen, um die Zusammensetzung der Stadtteile beizubehalten und um etwa Kindergärten weiter betreiben zu können“, sagt Kratzsch.

Geht man vom Bestand aus, könnte sich eine schiefe Tendenz entwickeln. In Stiepel etwa gibt es große Villen, die nur noch von einer, zwei Personen bewohnt werden, und die alten Besitzer wollen dort bleiben. „Da muss man gucken, ob sie nicht zu ermuntern wären, die Häuser zu vermieten und sich selbst kleiner zu setzen.“ Für Zielgruppen Stadtplanung zu steuern, das probiert die Stadt in der Hu-stadt und in Goldhamme/Griesenbruch. Einzelne Häuser werden aus der Mietbindung entlassen, so dass sie etwa in Studenten-WGs umgewandelt werden können. Um in Goldhamme Ausländer, die dort stark vertreten sind, besser zu integrieren, werden ganze Reihenhaussiedlungen etwa an Türken verkauft. „Das ist die Mittelschicht bei Deutsch-Türken. Die haben Vermögen, die wollen bleiben. Mit Wohneigentum kann man sie stärker an die Stadt binden.“

Kommentar
Weichen gemeinsam stellen

Immer weniger, immer älter – immer drängender: Unsere heute zu Ende gehende „Bochum 11“-Serie hat zweierlei gezeigt: Kluge Akteure in Politik und Verwaltung, Wirtschaft, Sport, Kultur, Vereinen und Verbänden haben die Herausforderung des demografischen Wandels erkannt und angenommen. Sie suchen nach Lösungen, unsere Stadt l(i)ebenswert zu erhalten.

Beim Bemühen, heute die Weichen für morgen zu stellen, gibt es jedoch viele Alleingänge. Jeder beackert sein eigenes Feld. Dabei sind gemeinsame Anstrengungen erforderlich. Ein Demografie-Beauftragter im Rathaus könnte als Schaltstelle dienen und ein Signal geben, die schrumpfende Stadt nicht als Risiko, sondern als Chance zu begreifen. Die Zeit dafür ist reif.

Jürgen Stahl

Wichtiger denn je wird auch die Nahversorgung im Stadtteil sein. Der Supermarkt muss für die älteren Bewohner zu Fuß erreichbar sein. Auf der anderen Seite werden Bus und Bahn mit weniger Fahrgästen auskommen müssen. „Auch dort sollte die Steuerung eingreifen, indem etwa der Klimaschutzaspekt größeren Stellenwert bekommt.“ Kritisch wird’s da, wo die Fahrpreise immer weiter steigen wegen wegbrechender Fahrgäste.

Kulturelle Aspekte spielen eine zunehmende Rolle

Die Stadtentwicklung früher zielte allein auf Expansion. Heute geht es teils um Schrumpfung, teils um Kompensation, und das nicht auf neuen, sondern vorhandenen Flächen. Die Bausubstanz gilt insgesamt im Ruhrgebiet als stark renovierungsbedürftig. Das liegt daran, dass die Mieten hier klassisch niedriger sind. „Wenig Mieteinnahmen, wenig Instandsetzung. Wir brauchen höhere Investitionsraten, was wieder soziale Folgen hätte wegen der Mieterhöhungen“, so Kratzsch.

Infrastruktur heißt aber nicht allein die Sicherstellung vorhandener Versorgungsstrukturen. Auch kulturelle Aspekte spielen beim demografischen Wandel eine zunehmende Rolle. So beklagte unlängst der Landschaftsarchitekt Ernst Herbstreit, dass der Stadtpark verkommt. „Selbst in Kriegszeiten wurde mehr gemacht.“ Wege wachsen zu, der Rosengarten sei unansehnlich, genauso wie der Eingangsbereich. „Klar hat die Stadt derzeit kein Geld, doch es wäre leistbar, den Park zu verbessern.“ Diese Meinung teilt Stadtplaner Kratzsch. „Der Park gehört unbedingt dazu, wenn es um die Zukunft Bochums geht. Die Instandsetzung dürfen wir nicht vernachlässigen. Schon deshalb müssen wir in eigenen Reihen umstrukturieren, denn es wird dramatischer, je mehr die Bevölkerung abnimmt.“

Sabine Vogt

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Kommentare
01.08.2011
13:12
Demografischer Wandel ist auch für die Stadtplaner eine Herausforderung
von Anna_Bolika2 | #3

Die Fahrpreise werden jährlich erhöht unabhängig von der Anzahl der Fahrgäste, oder hat die
Bogestra nicht dieses Zahl erheblichen
Fahrgastzuwachs gemeldet ?
Und solange Geld für sinnlose Projekte wie den
Platz des Versprechens rausgeworfen wird ...

01.05.2011
17:31
Blockierter Kommentar.
von citin | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

30.04.2011
11:42
Demografischer Wandel ist auch für die Stadtplaner eine Herausforderung
von klaus-der-unioner | #1

In Stiepel etwa gibt es große Villen, die nur noch von einer, zwei Personen bewohnt werden, und die alten Besitzer wollen dort bleiben. „Da muss man gucken, ob sie nicht zu ermuntern wären, die Häuser zu vermieten und sich selbst kleiner zu setzen.“

Eine Frechheit diese Aussage von Herrn Kratzsch. Schlage vor die Eigentümer zu enteignen.

Warum lassen Sie Unternehmen denn ziehen, die hohe Gewerbesteuern bezahlen. Warum tut man sich so schwer Baugenehmigungen für Neuansiedlungen von Unternehmen zu geben. Da geht man in eine Nachbarstadt und schon hat Bochum wieder das Nachsehen.
Super, nur weiter so !

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