Das Rathaus wird zum Kinostar
08.08.2008 | 19:25 Uhr 2008-08-08T19:25:51+0200Für den Film "Berlin 1936" wird Ende nächster Woche ein 50-köpfiges Drehteam das Rathaus stürmen.Der Innenhof und einige Räume dienen als Schauplatz für einen Nazi-Bau zur Zeit der Olympischen Spiele '36
Schon eine ganze Weile her, seit Mario Adorf als "Großer Bellheim" die Holztreppe des Kortum-Hauses hinunter hechtete, um mit seiner Rentner-Gang einen gierigen Spekulanten zur Strecke zu bringen. Von Dieter Wedels legendärem Vierteiler einmal abgesehen, ist Bochum nicht unbedingt als Drehort für aufwändige Filmproduktionen bekannt. Immerhin: Sönke Wortmann fand in Dahlhausen eine geeignete Location für sein "Wunder von Bern", und Claude-Oliver Rudolph drehte seinen Liebeskrimi "Dirty Sky" mit Nikolai Kinski am Kemnader See - doch dieser Streifen ward nach seiner feierlichen Premiere im Metropolis nie wieder gesehen.
Dabei ist Bochum als Drehort keineswegs uninteressant. Dies jedenfalls stellte der hoch dekorierte Szenenbildner Götz Weidner fest, der schon für "Schtonk" und "Die Manns" die passenden Schauplätze auftrieb und jetzt für einen neuen Film das Bochumer Rathaus ins Visier nahm. "Götz ist von der Atmosphäre in dem Haus und vor allem von dem Innenhof total begeistert", erzählt Produktionsleiterin Beatrice Hallenbarter. "Er fand, das sieht aus wie in Berlin Mitte der 30er Jahre."
Und so entschloss sich die Produktionsfirma Gemini-Film, einen wichtigen Teil eines neuen Kinofilms mit dem Arbeitstitel "Berlin 1936" in Bochum zu drehen. Ende nächster Woche wird das 50-köpfige Filmteam für vier Tage im Rathaus zu Gast sein, um unter der Regie von Kaspar Heidelbach ("Der Untergang der Pamir") das Rathaus als Kulisse für einen Nazi-Bau zu nutzen: der Hof wird dabei ebenso eine Rolle spielen wie der Kleine Sitzungssaal. Eine Bar, die es so im Rathaus gar nicht gibt, wird für den Dreh eigens installiert.
"Es wird immer schwerer, gute Kulissen für historische Spielorte zu finden", erzählt Herstellungsleiter Klaus Rettig. "Aber dieses schöne alte Rathaus mit seiner kantigen Form passt ideal." Schon toll: Welche Schauwerte mitten in der Stadt schlummern, mag normalen Bochumern, die jeden Tag dran vorbei laufen, überhaupt nicht bewusst sein. "Wir sehen das ja laufend", merkt OB Ottilie Scholz schmunzelnd an.
Der Film spielt zur Zeit der Olympischen Spiele 1936 und basiert auf der wahren Geschichte der Leichtathletin Gretel Bergmann (mehr im Info-Kasten). Die Hauptrollen werden allesamt von namhaften Schauspielern übernommen: darunter Karoline Herfurth, Axel Prahl, August Zirner, Maria Happel und die österreichische Theater-Legende Otto Tausig. Am Rathaus-Dreh sind u.a. Thomas Thieme und Johann von Bülow beteiligt - gut bekannt durch ihre Arbeiten am Schauspielhaus.
Dem Bochumer Rathaus, das als "Haus des Sports" in den Film eingebunden sein wird, kommt als "wiederkehrendes Motiv" eine zentrale Rolle zu: "Zehn bis zwölf Minuten werden später im fertigen Film hier spielen", so schätzt Beatrice Hallenbarter. Die Dreharbeiten haben in Köln begonnen, nach der Station in Bochum geht der Tross weiter auf Deutschlandreise u.a. nach Erkrath, Itzehoe, Hamburg, Berlin und Gladbeck. "All dies ist logistisch ein unglaublicher Aufwand."
Bis Juni 2009 werden die Arbeiten an dem Film andauern, der Kinostart ist für den Herbst 2009 angepeilt. Dann werden wir sehen, ob unser Rathaus auch als "Haus des Sports"
eine gute Figur abgibt.

03:38
Was tun die Schauspieler eigentlich dafür, dass ihr ganzer Zug durch Deutschland umweltfreundlich bleibt? Die tun ja gerade so, also ob alle Logistik keine CO2-Spuren hinterlassen wird. Und all das für einen Film, den am Ende niemand sehen will? Wo bleibt die Nachhaltigkeit?
03:36
Großartig! Für einen Nazi-Bau sind wir gerade gut genug. Schlimm.
03:25
Also, ich wusste immer, dass Bochums Rathaus unglückerweise was Tausendjähriges ausstrahlt. Dass man als SPD darauf stolz sein kann, will mir nicht in den Kopf. Meines Erachtens sollte Frau Scholz statt zu schmunzeln, ganz schnell den Dreh abblasen. Für ein neues Rathaus wird sie nach dem Bulevard und dem neuen Schulzentrum in Wiemelhausen (enorm wichtige Projekte!) kein Geld haben. Aber das muss man ja nicht auch noch in die Welt posaunen.