"Das ist einmalig"
24.07.2007 | 05:13 Uhr 2007-07-24T05:13:26+0200Zwei Hörbücher mit Hape Kerkeling bescheren Roof Music einen atemberaubenden Höhenflug "Ich bin dann mal weg": 200 000 Exemplare verkauft. "Ein Mann, ein Fjord" geht 100 000 Mal über die Ladentheke
"Hape Kerkeling hat sich in der Nähe von Jürgen von Manger sofort wohlgefühlt", erzählt Bernd Kowalzik. Der Chef des Bochumer Labels "Roof Music" kümmert sich seit langem um den Nachlass des Tegtmeier-Erfinders. Doch nicht die humorigen Einlassungen des legendären Revier-Originals haben "Roof Music" den größten kommerziellen Erfolg der nun bald 30-jährigen Geschichte beschert. Auch nicht bestens klingende Namen wie Herbert Grönemeyer, Helge Schneider oder Götz Alsmann, die "Roof" in ihren Anfängen beharrlich gefördert hat und oft heute noch betreut.
Hape Kerkeling trieb mit einem Doppelpack die Verkaufszahlen in bis dahin nicht gekannte Höhen, die in Kürze mit Gold- und Platin-Plaketten veredelt - und natürlich gebührend gefeiert werden. Das Hörbuch zu Kerkelings Megaseller "Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg" hat sich bislang 200 000 Mal verkauft, von der Einspielung "Ein Mann, ein Fjord" gingen rund 100 000 Hörbücher über die Ladentheke.
"Ich bin dann mal weg", bisherige Buchauflage rund zwei Mio. Exemplare. "Kerkeling hatte zunächst an gar kein Hörbuch gedacht", erinnert sich Bernd Kowalzik. Da zwischen "Roof Music" und dem Piper-Verlag bereits seit langer Zeit Kontakte bestanden, "wurden wir für das Hörbuch empfohlen". Auch Kerkeling war das Bochumer Label bereits durch frühere gemeinsame musikalische Projekte bekannt. Stichwort: Das ganze Leben ist ein Quiz.
Das Buch um den Jakobsweg sprach Hape Kerkeling im Studio an der Prinz-Regent-Straße ein: "An vier oder fünf Tagen. Wir haben ihn dafür immer aus Düsseldorf abgeholt", erzählt Bernd Kowalzik. Eigentlich sollte das Hörbuch im September 2006 erscheinen, doch dann gingen die Verkaufszahlen für die Buchausgabe hoch wie eine Rakete, und so warf "Roof Music" das Hörbuch schon Mitte des Jahres auf den Markt. Eine richtige Entscheidung. "Ich bin dann mal weg" stand das ganze Jahr 2006 über auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste, eine Position, die Hape auch im laufenden Jahr weitgehend verteidigen konnte. Mit dem Ergebnis, dass Roof im Windschatten des Bucherfolgs kaum mit dem Pressen des Hörbuchs nachkommen konnte.
Als die Marke 100 000 in Sichtweite kam, "haben wir beim Phono-Verband die Goldene Schallplatte beantragt", so Kowalzik. Die Auszeichnung ist mit einigen bürokratischen Hürden verbunden. Die "Goldene" schien sicher, "und dann merkten wir, dass der Verkauf unverändert weiter läuft", erzählt der Roof-Chef, noch immer ein wenig fassungslos. Dann war Platin-Status erreicht: mit 200 000 verkauften Hörbüchern.
Den ungeheuren Run auf die tagebuchähnlichen Aufzeichnungen Hapes erklärt sich Bernd Kowalzik natürlich mit der Popularität und Medienpräsenz des Komikers. Ein Grund könne auch Neugier gewesen sein, "weil man von Kerkeling so ein Buch, das auch existenzielle und religiöse Fragen streift, am wenigsten erwartet hat". Kowalzik: "Wer hätte gedacht, dass er den Jakobsweg schafft, rein physisch." Auch die knallige Berichterstattung in der Boulevardpresse sei der immensen Nachfrage sicherlich förderlich gewesen.
"Ein Mann, ein Fjord": Von diesem Kerkeling-Opus gibt es kein Buch. Bei der Vorlage für dieses Hörbuch handelt es sich um ein fertiges Drehbuch, das Hape gemeinsam mit Angelo Colagrossi und Angelina Maccarone geschrieben hat. "Hape Kerkeling hat das Drehbuch seinen Neffen vorgelesen und die wollten es immer und immer wieder hören", erzählt Kowalzik.
So entstand die Idee, vor der Verfilmung zunächst ein Hörbuch zu produzieren, bei dem der Komiker alle Rollen spricht. Unter anderem taucht dort der skurrile Journalist Horst Schlämmer auf, den das Publikum bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte. Das Hörbuch wurde im Frühjahr bei der "lit. Cologne" in Köln vorgestellt.
Das Interesse war sofort immens, da es keine gedruckte Alternative gab: "Als Buch macht das Ganze keinen Sinn", meint Bernd Kowalzik. Der Roof-Chef kann sich bestenfalls vorstellen, dass es nach der Verfilmung eine gedruckte Version geben könnte, "illustriert mit Szenenfotos". Derzeit liegt die Verkaufszahl bei 100 000 Exemplaren - die Gold-Plakette kann also beantragt werden - wenn, ja wenn sich nicht auch "Ein Mann, ein Fjord" wie der "Jaboksweg" der Platin-Marke nähert.
Roof Music (und damit auch die Wortsparte "tacheles") legt bei allen kommerziellen Notwendigkeiten stets Wert auf ein anspruchsvolles Programm. Und so freut es Kowalzik, dass auch die CDs des blinden Ausnahmemusikers Moondog sicherlich schon die 100 000-Marke erreicht haben: allerdings im Gegensatz zu Hape als Gesamtpaket und über einen jahrzehntelangen Zeitraum. Das Kerkeling-Phänomen indessen sei für Roof Music "bislang zumindest im Bereich Hörbuch einmalig", so Bernd Kowalzik, vergleichbar mit dem Ausnahme-Erfolg eines Katzenklo von Helge Schneider im Bereich Musik.

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