Das grüne Idyll an der Bleckstraße in Bochum-Riemke

Die Idylle an der Bleckstraße.
Die Idylle an der Bleckstraße.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Dorneburger Mühlenbach und Regenrückhaltebecken verschaffen Anwohnern ein grünes Idyll. Siedlergemeinschaft nutzt und schätzt Nachbarschaft zu Herne.

Bochum.. Die Bleckstraße führt durch Riemke, streift Hofstede und endet in Herne. Von der Straße Auf dem Dahlacker zweigt sie ab und erscheint nicht ungewöhnlich. Es ist eine Wohngegend, wie es sie zuhauf gibt im Ruhrgebiet. Ein bunter Mix aus Häusern ohne Prunk und Schnörkel säumt den Asphalt.

Doch ab der Kreuzung Herzogstraße kann die Bleckstraße überraschen. Hier beginnt ein wunderbarer Ort für Anwohner und Hundehalter. Es ist grün und es ist verkehrsberuhigt. Der Kleingartenverein Hofstede 1978 markiert die Grenze zu dieser Idylle. Die Frühlingsbäume locken hinter den Zaun der Laubenpieper. Auf der anderen Straßenseite führt eine geheimnisvoll anmutende Holztreppe auf einen Fußweg, der oberhalb der Bleckstraße entlangführt. Ein Schild warnt: Krötenwanderung. Einige Meter weiter liegt ein Opfer zermatscht und vertrocknet auf der Straße. Nur das Blut am Mäulchen scheint noch frisch und rot. Ziegen grasen an einem Haus, vor dem ein bepflanzter Förderwagen an die Zechenzeit erinnert.

Grüngebiet unverbaubar

Das Grüne hier, das prägt der Dorneburger Mühlenbach. Er war zu Bergmannszeiten eine Köttelbecke. Bevor die Bleckstraße wieder zu einer Wohnstraße wird, plätschert er heute an einladenden Fußwegen entlang. 1996 begann die Emschergenossenschaft gemeinsam mit den Kommunen den Bach zu renaturieren. Als erstes wurde ein Abwasserkanal errichtet, dann der Bach nach und nach in ein Naturgewässer umgewandelt.

Auf Bochumer Stadtgebiet ist der Umbau ganz abgeschlossen und er wird in Herne fortgeführt. Während nahe der Straße noch Müll zwischen Zweigen und Blättern hängt, wirkt es einige Meter den Fußweg entlang geradezu unberührt, was logisch erscheint. Menschen, die das Grün verschmutzen, gedankenlos und plump, gehen wohl gar nicht soweit hinein.

Susanne Gerum, die mit ihrer Familie und drei Hunden seit vergangenem Jahr an der Bleckstraße wohnt, hat sich in diesen Ort verliebt und ein Haus in der alteingesessenen Siedlergemeinschaft gekauft. „Ich habe einen schönen Panoramablick ins Grüne und er ist unverbaubar“, schildert die 51-Jährige. Auch Leo Bardischewsky, dessen Vater ein Gründungsvater der Siedlergemeinschaft war, ist heilfroh über die heutige Situation. „Es gab eine Zeit, da hatte die Lackfabrik Platt aus Hamme das Grundstück anvisiert. Jetzt liegt hinter unseren Gärten ein Becken. Seit das Grundstück der Emschergenossenschaft gehört, habe ich die Gewissheit, dass es so bleibt“, sagt der 81-Jährige. Wenn das Becken richtig volläuft, mache er schon mal Fotos und schicke sie der Emschergenossenschaft, die ihm dafür danke, schildert er.

Gemeinsamkeit pflegen

Die 15 Häuser der Siedlergemeinschaft Bleckstraße, die sich in den 50er Jahren zusammentat, um gemeinsam Eigentum aufzubauen, liegen am Ende der Bleckstraße direkt vor dem Ortseingangsschild Herne. Gleich dahinter verwöhnt der Kleingartenverein Löns Mühle mit frühlingsfrischen Ausblicken.

Das letzte Haus vor der Kleingartenanlage ist das von Bertold Fernkorn. Der freie Fotojournalist ist der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft und hat hier seine ganze Kindheit verbracht. In den 80er Jahren brachte er die gelbe Riemchen-Fassade eigenhändig an, was ihn heute mit leisem Stolz erfüllt. Die Mentalität der alten Siedler, die in den 50er Jahren ihre Keller in Eigenhilfe noch selbst ausschachteten, pflegt Fernkorn bis heute gern. „Ich stelle fest, dass bestimmte Dinge aus der Gründungszeit der Siedlung noch da sind. Wir legen schon Wert auf Gemeinsamkeit. Als nächstes feiern wir im Sommer unser 60-jähriges Bestehen“, kündigt er an.

Die Nähe seines Hauses zu Herne nutzt Fernkorn und verlegte zum Beispiel seine Gemeindezugehörigkeit in die Nachbarstadt und besucht dort einen Arzt. „Es fehlt an Nahversorgung in Riemke“, sagt Susanne Spindler, die auch neu zu der Siedlergemeinschaft gehört. Die Geschäfte in Wanne sind für die Bochumer an der Bleckstraße häufiges Ziel. So verschmelzen die Nachbarstädte hier ganz alltäglich, ohne dass jemand „Ruhrmetropole“ gerufen hat.

„Fleck“ gab den Namen - Bleckstraße war örtliche Lagebezeichnung

Die Bleckstraße wird 1905 erstmals im Bochumer Straßenkataster erwähnt. Der Name geht zurück auf eine örtliche Lagebezeichnung, benannt wahrscheinlich nach dem mundartlichen „bleck“ oder „blik“, womit eine Fläche Landes, ein bestimmter Raum oder Platz, Stelle oder Fleck benannt wurde.

Die kleine Siedlung, durch die die Bleckstraße führt, wird nicht nur wie im Text oben erwähnt vom Dorneburger Mühlenbach nebst Pumpwerk berührt, sondern war in früheren Zeiten von verschiedenen Industriegebieten umgeben. Im Westen und im Norden, bereits auf Wanner Stadtgebiet, gab es die Treibstoffwerke, im Süden -- getrennt durch das grüne Freigelände und die Bebauung abseits der Herzogstraße – lag der Standort der Zeche Hannibal, Stilllegung 1973. Im Osten befindet sich ein Industriegebiet, in dem seit den 1960er Jahren die Graetz-Werke und später Nokia ihre Produktionsstandorte hatte. In der Nähe der Bleck- und der sie umgebenden Straßen liegt der heutige Haltepunkt Bochum-Riemke (früher Bochum Graetz) der „Glückauf“-Bahn an der Strecke Bochum-Wanne-Gelsenkirchen.