Das Ende von Eden

Foto: Ingo Otto
Der Abriss des Hotels an der Rottstraße ist in vollem Gange. Mit viel Lärm werden die letzten Tage des baufälligen Gebäudes eingeleitet. Viele Bochumer begrüßen das Aus für den Schandfleck.

Bochum.. 1959 wurde mit dem Hotel Eden das erste Innenstadthotel Bochums erbaut. Doch stehen wird es nicht mehr lange. Besitzer Petros Vasilou will dort Wettbüros bauen. Mehrere Jahre verzögerte sich indes der Abriss, nachdem der Bayer den Leerstand 2008 erworben hatte und zunächst Spielhallen bauen wollte.

Die Abrissarbeiten des völlig heruntergekommen Gebäudes an der Rottstraße ist in vollem Gange. Ein Spezialbagger mit hydraulischer Riesenschere ist im Einsatz. Diese Abrissmethode wurde auserkoren, um möglichst nicht die benachbarten Häuser zu gefährden.

Anwohner beobachten die Arbeiten

Der Bagger ist lautstark im Einsatz; ein Wasserstrahl soll die Staubentwicklung minimieren. Splitterndes Glas und das Krachen herunterfallenden Mauerwerks sind zu hören. Anwohner schauen dabei dem endgültigen Ende des Bauwerk zu – darunter auch ein Bauingenieur, der sich aus persönlichem Interesse auf eine Baustellentour durch Bochum befindet: „Bevor hier ein Wettbüro entstehen soll, wäre ein Parkplatz besser. Ich muss aber als Bauingenieur sagen, dass die Abrissarbeiten nicht gerade vertrauenserweckend aussehen. Bereits gestern ist ein Schlauch am Bagger zerrissen. Auch dass die junge Birke vorne an der Rottstraße als schnellwachsender Baum nicht entfernt werden kann, verstehe ich nicht. Diese behindert den Bagger ja bei den Abrissarbeiten“, sagt der Bochumer.

Im Gespräch mit Anwohnern stellt sich heraus, dass die Trauer über das Ende des historischen Gebäudes, genau wie die Begeisterung für die geplanten Wettbüro-Ansiedlung, nicht groß ist. „Das wurde schon lange Zeit, dass dieser Schandfleck verschwindet. Ein Jugendzentrum hier wäre ganz toll, ganz im Gegensatz zu einem Wettbüro. Von denen haben wir bereits zu viele“, finden zwei Bochumerinnen. Angesichts des benachbarten Theaters Rottstraße 5 und kleiner Impulse für die Kreativwirtschaft, wünscht sich ein Beobachter: „Eine kulturelle Nutzung wäre super. Das, was in der Rottstraße 5 passiert, finde ich wirklich schön. Angesichts leerer Kassen ist mit Kulturinvestitionen aber nicht zur rechnen.“

Spezifische Nachkriegsarchitektur

Die Beobachter der Arbeiten begrüßen den Abriss. Eine Passantin findet: „Lieber Leerstand, Grünfläche oder ein Parkplatz, als ein Ort zum Wetten.“ Der ehemalige Nachbar Alexander Kuczminski lehnt Wettbüros ebenso ab.

Doch er gibt zu bedenken, dass das Gebäude ursprünglich sogar erhaltenswert gewesen sei, da es die spezifische Nachkriegsarchitektur dieser Zeit repräsentierte. „Vielleicht wäre das Haus ja sogar in 100 Jahren aus architektonischer Sicht interessant. Bedenkt man aber den Zustand, war da nichts mehr zu machen.“ Mit Eden, paradiesischer Bauästhetik, habe das marode Gebäude in der Tat nichts zu tun, schmunzelt hier der Bochumer Beobachter Stephan Becker.