Dachdecker kämpfen sich durch die Hitze

Harte Arbeit für echte Kerle: Hier ist Dachdecker-Vorarbeiter André Jungmann mit Verschönerungsarbeiten auf einem Spitzdach beschäftigt, das er zuvor selbst eingedeckt hatte – bei bis zu 42 Grad.Foto:Klaus Pollkläsener
Harte Arbeit für echte Kerle: Hier ist Dachdecker-Vorarbeiter André Jungmann mit Verschönerungsarbeiten auf einem Spitzdach beschäftigt, das er zuvor selbst eingedeckt hatte – bei bis zu 42 Grad.Foto:Klaus Pollkläsener
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Was wir bereits wissen
Die Dachdecker werden durch die aktuelle Hitze besonders strapaziert. Auf dem Dach herrschen mehr als 40 Grad. Aber: „Dachdecker sind keine Warmduscher.“

Bochum.. „Dachdecker sind keine Warmduscher.“ Diese markante Feststellung machte gestern Dachdeckermeister Raimund Weinand, als die WAZ ihn zur aktuellen Hitzewelle interviewte. Dachdecker sind zurzeit diejenigen, die mithin am meisten auf die Zähne beißen müssen. André Jungmann (37) ist einer von ihnen. Der Geselle und Vorarbeiter der Firma Weinand hatte am Donnerstag, dem bisher heißesten Tag dieser Hitzewelle, sieben Liter Wasser auf der Baustelle getrunken, ein Vielfaches des Normalen. „Es ist anstrengend. Wenn man abends rein kommt, ist man fertig.“

Jungmann und sein 32-jähriger Kollege Michael Sehl („Die Hitze geht ein bisschen an die Substanz“) haben in den vergangenen Tagen rund 3500 Tonziegel auf ein Spitzdach in Wiemelhausen geschleppt und auch verlegt. Das Thermometer zeigte auf dem Dach bis zu 42 Grad Celsius. Auf den Ziegeln selbst herrschte aber „80 Grad plus“, wie Firmenchef Weinand sagt. „Ziegel sind so heiß wie Teflonpfannen. Da hätten wir am Donnerstag ein Spiegelei so richtig schön durchgekriegt.“ Weil die Dachpfannen fast glühten, konnten die Kollegen nur mit Handschuhen arbeiten, sonst hätten sie sich die Hände verbrannt.

„Wir bitten die Kunden, dass sie auch Verständnis bei den Temperaturen haben“

„Ein Dachdecker“, sagt Weinand, „muss sich anpassen. Der Körper laugt bei diesen Temperaturen schnell aus. Deshalb braucht ein Dachdecker Regenerationsphasen und Pausen, in denen er seinen Akku aufladen kann.“ Sein Angestellter Jungmann hat am Donnerstag denn auch drei bis vier Pausen gemacht anstatt wie sonst nur eine einzige am Mittag.

Vor allem beim Arbeiten mit glasierten Ziegeln, die die Hitze auf dem Dach ganz besonders reflektieren, sind Dachdecker großen Strapazen ausgesetzt. Weinand: „Das hat den Effekt, dass man nicht nur am Rücken gebräunt wird, sondern auch am Bauch – beidseitig gebacken.“ Und auch das Verlegen von Schweißbahnen auf Flachdächern ist bei großer Hitze nur etwas für echte Kerle. Aber auch für diese gibt es Grenzen: Es kam schon mal vor, dass man um 12 Uhr Feierabend machen musste. Ein Kollege hatte einen Hitzschlag erlitten.

„Wir sind alle Menschen, keine Tiere“, betont Weinand, der zugleich Innungsobermeister für 43 Dachdeckerbetriebe in Bochum ist. Neulich gab es eine Kundenbeschwerde wegen angeblich zu langsamer Arbeit in einem Betrieb. Weinand aber meint: „Wir bitten die Kunden, dass sie auch Verständnis bei den Temperaturen haben, dass jetzt nicht alles so schnell geht wie bei normalem Wetter.“

Ganz anders temperiert ist der Arbeitsplatz im Kühlraum des Bochumer Lebensmittelgroßhandels Dewender. Dort herrschen auch im Sommer Temperaturen unter 20 Grad minus.