Comödie beendet Spielzeit wegen marodem Theater
18.03.2010 | 14:34 Uhr 2010-03-18T14:34:00+0100
Bochum. „Wir brauchen Bochum nicht!“ verkündet Jochen Schroeder in der Comödie am Ostring im Foyer. Dort sieht es aus wie bei einem Um- oder Auszug, denn das Theater hat seinen Mietvertrag zum Monatsende gekündigt und die laufende Spielzeit vorzeitig beendet.
Das gewerbliche Boulevardtheater existiert seit 1994 in der Schulaula. Nach der Insolvenz vor zwei Jahren, im Sommer 2008, ist der Spielbetrieb im Oktober 2009 wieder aufgenommen worden, die Stadt hatte der Bühne jährliche Nutzungsverträge für die Spielstätte angeboten. Schroeder zahlt für die Räumlichkeiten seither nur die anfallenden Nebenkosten.
Nun ist Schroeder unzufrieden mit der Vertragssituation. Er weist auf die marode Bausubstanz hin: undichte Fenster, eine nicht zu kontrollierende bollernde Fußbodenheizung, alte Bestuhlung und ein veralteter Sanitärbereich. Zudem wäre ein zusätzlicher Eingang wünschenswert, einerseits als Fluchtweg, zum anderen würde dies den Bühnenaufbau wesentlich erleichtern und somit Gastspiele rentabler machen.
Vertrag muss bis 15. April her
Vollmundig verspricht Schroeder diese Arbeiten selbst mit Hilfe von Partnern, Spendern und Sponsoren stemmen zu können. „Eine Firma steht schon bereit, die Bestuhlung zu erneuern“, sagt der Theaterleiter. Mit dem Bauordnungsamt, der Denkmalbehörde und der Feuerwehr seien die Baumaßnahmen bereits „vorbesprochen“ worden und von dieser Seite abgesegnet worden, ja sogar erwünscht.Doch um sie umzusetzen, fehle ihm ein langfristiger Miet- beziehungsweise Nutzungsvertrag. Gespräche darüber würden seit Monaten laufen, doch bisher sei ihm kein Vertragsentwurf vorgelegt worden. „Bis zum 15. April muss ein Vertrag her“, verlangt Schroeder und setzt so der Stadt ein Ultimatum.
Kulturdezernent Michael Townsend unterstützt aus kulturpolitischer Sicht das Theater. Es passe gut in die opulente Theaterlandschaft der Stadt. Dennoch müsse im Detail geprüft werden, ob sich eine Hilfe für das Haus realisieren lasse. „Es ist auch eine wirtschaftliche Vermietangelegenheit, es wird entsprechend eine wirtschaftlich und auch rechtlich tragfähige Lösung gesucht“. Schließlich sei die Comödie eine gewerbliche Bühne, über deren direkte oder indirekte Förderung in wirtschaftlich angespannten Zeiten nachgedacht werden müsse. Er kündigte an, dass man sich schnellstens mit den Beteiligten an einen Tisch setzen wolle, um über die Realisierbarkeit der Modernisierungen zu sprechen. Diesbezüglich ist der Dezernent „nicht pessimistisch“.
Bis Ende des Monats werden derweil die Räume besenrein hinterlassen, dann in Dresden Theater gespielt. Ein Neustart nach Schaffung neuer Rahmenbedingungen sei aber möglich - wenn Bochum Jochen Schroeder braucht.

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