Chorkonzert hinterlässt faden Beigeschmack

Man könnte meinen, bei der Auswahl einer Kantate handele es sich um einen künstlerischen, nicht um einen politischen Vorgang. Doch für das schon als „Rarität“ angekündigte Chorkonzert unter der Leitung Hans Jaskulskys im Audi-Max der Ruhr-Uni fiel die Wahl auf Hans Pfitzners Eichendorff-Kantate „Von deutscher Seele“.

Auch Teile des Publikums diskutierten die Frage: Wie kam es bloß zu dieser Stückauswahl? Dass der 1949 verstorbene Komponist Pfitzner nicht bloß nationalistischer Chauvinist, sondern offen antisemitisch eingestellt war und sich Nazi-Größen anbiederte, ist wissenschaftlich unstrittig und empirisch gut belegt. Dies wird im Programmheft zwar erwähnt, aber bloß in wenigen Sätzen abgehandelt.

Unstrittig präsentierte sich an diesem Abend hingegen die virtuose Leistung des Ensembles. Die Solisten Rebecca Broberg, Maria Hilmes, Corby Welch und Manfred Hemm ernteten für ihre meisterliche Interpretation der Gedichte von Joseph von Eichendorff ebenso wie die Bochumer Symphoniker und der Chor der Ruhr-Uni lang anhaltenden Applaus und „Bravos“. Annähernd 200 Sänger und Musiker wirkten mit.

Was bleibt, ist ein fader Beigeschmack und die Frage, aus welchen Gründen gerade diese Kantate und dieser Komponist gewählt wurden.