Chansons von Jacques Brel begleiten ins neue Jahr

Es begann mit einem gefühlvollen Solo der Klarinette, leidenschaftlich träumerischen Celloklängen und einem virtuosen Geigensolo. Melancholisch und dennoch heiter beschwingt begrüßten die Bochumer Symphoniker ihr Publikum zum Jahreswechsel. Die Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“ von Jaques Offenbach stand zu Beginn des Programms am Mittwochnachmittag und -abend im Audimax.

Als Solist des Abends war der Schauspieler und Musiker Dominique Horwitz zu Gast. Mit dem Orchester unter Steven Sloane gestaltete er ein feines Konzert mit Chansons von Jacques Brel. Es ist ungewöhnlich, Chansons von einem großen Orchester spielen zu lassen. Ungemein variantenreich in Farbe und Stimmungen malten die Symphoniker Bilder zu den Liedtexten: Wir stehen mit an der Ecke und warten auf Madeleine, meinen die Straßenbahn vorbeirattern zu hören und sehen die Straßen von Paris. Dazu singt Dominique Horwitz nicht nur, er agiert mimisch wie gestisch und gestaltet mit jedem Song ein kleines Welttheater. Man muss die Texte gar nicht verstehen, um zu begreifen, dass Madeleine nicht kommen wird, oder wie es dem Betrunkenen in L’ivrogne ergeht. Hier singt jemand, der selbst die Gefühle durchlebt.

Die Symphoniker stellten wieder einmal ihre musikalische Vielfältigkeit unter Beweis, ohne dabei beliebig zu klingen. Mit liebevoller musikalischer Detailarbeit führte Steven Sloane das Orchester. Zwei Sätze aus der L’Arlesienne-Suite Nr. 2 von George Bizet erklangen zwischen den Brel-Chansons und ließen das ländliche Frankreich erklingen.

Ein Abend, der nicht rauschend ins neue Jahr führte, sondern Platz für feine Zwischentöne und Kontemplation hatte.