Bulli-Fahrer nach tödlichem Unfall zu Geldstrafe verurteilt

Der Unfallort an der Kreuzung Freigrafendamm/Immanuel-Kant-Straße
Der Unfallort an der Kreuzung Freigrafendamm/Immanuel-Kant-Straße
Was wir bereits wissen
Nach dem Tod einer Fußgängerin (77) ist ein Bulli-Fahrer (50) zu 3150 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Er hatte die Frau beim Wenden übersehen.

Bochum..  Der Bulli-Fahrer (50) wollte nur kurz wenden. Weil er aber nicht aufpasste, verlor eine 77-jährige Fußgängerin ihr Leben. Wegen fahrlässiger Tötung wurde der Mann am Mittwoch zu 3150 Euro Geldstrafe verurteilt (90 Tagessätze).

Am Vormittag des 17. November 2014 fuhr der Bochumer Kleinunternehmer über den Freigrafendamm Richtung Hauptfriedhof. Dort, an der Immanuel-Kant-Straße, drehte er am Kreisverkehr um 180 Grad, um den Freigrafendamm wieder zurückzufahren. Zur selben Zeit ging aber die 77-Jährige mit ihrem Rollator über den Zebrastreifen am östlichen Ende des Freigrafendamms. Der Bulli-Fahrer hielt nach dem Wendemanöver noch kurz an, um ein entgegenkommendes Auto auf der Immanuel-Kant-Straße vorbeizulassen. Doch als er danach losfuhr, übersah er die Fußgängerin auf dem Zebrastreifen. Sie schlug gegen die Motorhaube und die Frontscheibe und erlitt ein Schädelhirntrauma sowie Brüche mehrerer Schenkel.

Mehrfach wurde sie operiert, sogar die Schädelplatte entfernt. Doch weil ihr Allgemeinzustand schlecht war, überlebte sie die Verletzungen nicht. Am 7. Dezember verstarb sie an den Folgen des Unfalls.

„Eindeutiges Augenblicksversagen“

„Es tut mir unheimlich leid“, sagte der Angeklagte vor dem Schöffengericht. Er war damals gerade mal angefahren und deshalb nur 10 bis 15 km/h schnell gewesen. Zwar soll er etwas durch die Sonne geblendet gewesen sein, trotzdem hätte er die Frau erkennen müssen. Nach dem Aufprall brachte er das Opfer selbst in die stabile Seitenlage, bevor der Notarzt kam.

Richter Dr. Axel Deutscher sagte, dass der Angeklagte ortskundig gewesen sei und deshalb an dieser Stelle hätte „gewarnt sein müssen“. Dennoch sei es ein „eindeutiges Augenblicksversagen“gewesen. „Das darf nicht passieren, aber es kann passieren.“ Oft sei es reiner „Zufall“, ob die Folgen einer Unachtsamkeit groß oder klein seien oder es gar keine gebe.

Zum Strafmaß sagte der Richter: Egal wie groß oder klein eine Sanktion ausfalle – „derjenige, der tot ist, wird dadurch nicht wieder zurückgeholt“. Der Angeklagte ist bisher unbestraft, auch nicht als Verkehrsrowdy aufgefallen.

Der Staatsanwalt hatte 3600 Euro Geldstrafe gefordert (40 Euro Tagessatzhöhe).