Bürgerrechtler wurde von der Stasi beschattet

Einer, der gerne in der DDR geblieben wäre, aber am 5. Februar 1988 ausgewiesen worden war, lebte zum Zeitpunkt der Maueröffnung in Bochum: Wolfgang Templin, Philosoph und Bürgerrechtler.

Er, der dem anderen deutschen Staat zu unbequem geworden war, hatte an der Ruhr-Uni ein zweites Studium begonnen. Selbst jenseits der Mauer waren er und seine Frau Regina offenbar nicht sicher vor der Stasi, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ 1993 schrieb. Demnach wurde der damals 40-Jährige vor seiner Wohnung in der Höfestraße in Laer von der Stasi beschattet.

Protestpotenzial unterschätzt

Kaum war die Mauer gefallen, stattete der missliebige Kritiker trotz Einreiseverbots der DDR einen Besuch ab. Westliche Beobachter, so sagte er, hätten das schlummernde Protestpotenzial in der DDR jahrelang unterschätzt. Jahre später sollte er bei einer weiteren RUB-Veranstaltung zum Thema „Opfer der SED-Diktatur“ einen kleinen Einblick in sein Seelenleben geben: „Wer die Grenze überschritt, musste das normale DDR-Leben hinter sich lassen.“ Ende November kehrte er mit seiner Familie nach zweijähriger Abwesenheit zurück in die DDR.

Erste Einreise ohne Ausweis

Ein kleines Kapitel in der deutsch-deutschen Geschichte schrieb Ende November 1989 die Bochumerin Marion Möller. Die damals 25-Jährige stattete der DDR, ohne einen Ausweis vorzeigen zu müssen, einen Wochenend-Besuch ab. „Ich war wohl die erste, der das gelungen ist“, sagt sie nach ihrer Rückkehr. Die Grenzer hätten sie nach zähen Verhandlungen – beide Augen zudrückend – einreisen lassen.

In die Geschichtsbücher Bochums gingen Petra Parusel und Michael Hasert aus dem thüringischen Mühlhausen ein. Sie schlossen als erste Übersiedler in Bochum den Bund fürs Leben. Fünf Wochen nach in ihrer Ankunft ließen sie sich im Rathaus trauen – zwei Wochen nachdem sie das Aufgebot bestellt hatten. Kein Vergleich mit früheren Zeiten. „In der DDR dauerte das etwa ein Jahr“, ließ Petra Parusel den WAZ-Reporter vor 25 Jahren wissen.