Das aktuelle Wetter Bochum 18°C
Bühne

BoSy analysieren Wagners Verhältnis zu Israel

08.12.2010 | 10:34 Uhr

Bochum.„Die Wunde Wagner“ heißt das zentrale Projekt im letzten Teil der gedrittelten Spielzeit der Bochumer Symphoniker. Mit Konzerten, Filmen, Musiktheater und Kabarettthematisieren Steven Sloane und die BoSy ein Tabu.

„Es ist viel Hitler in Wagner“, so ein Wort von Thomas Mann. Eines das an die grundsätzlichen Fragen gemahnt, die sich im Umgang mit dem Lieblingskomponisten der Nazis stellen. Fragen, die sich aber nicht nur in tiefschürfender wissenschaftlicher Mentalitätsforschung oder Textarbeit stellt, sondern konkret im musikalischen Leben: „Sollen Richard Wagners Werke in Israel gespielt werden?“.

Wagner in Bochum
Auch im Programm

- Musiktheater: „Mein lieber Schwan“ von Jan Demuth im Prinz Regent Theater (ab 18.Februar)
- Filme (im Casablanca Kino): „Der Herr der sieben Meere“, Syberbergs Winifred- Wagner-Film, „Die letzte Versuchung Christi“ und „Der große Diktator“
- „Psalm“, Uraufführung einer Auftragskomposition mit den Bermuda 4 (13.März)

In einer Podiumsdiskussion zu dieser Frage gipfelt die Auseinandersetzung der Bochumer Symphoniker mit dem Themenkomplex Wagner und Israel. „Wunde Wagner“ heißt das zentrale Projekt im letzten Teil der gedrittelten Spielzeit der BoSy. Mit Konzerten, Filmen, Musiktheater, Kabarett nähert sich das am 18. Februar beginnende und am 24. März endende Projekt diesem extrem schwierigen Sachverhalt.

Grundsätzliche Fragen stellen sich: die nach der Verantwortung des Künstlers, die nach dem Verhältnis von Leben und Werk und jene nach der Macht der Musik.

Generalmusikdirektor Steven Sloane weiß, wie aufsehenerregend das Projekt ist, das zum Abschluss in einem Konzert in der Jahrhunderthalle „Nationalismus und Gebet“ zum Titel macht. Auszüge aus Wagners „Lohengrin“ und aus den „Meistersinger“ werden dann gespielt, aber auch Leonard Bernsteins Symphonie Nr.3 „Kaddish“. Als Sprecherin konnte dafür die Schauspielerin Daphne Wagner gewonnen werden, aus Israel stammt die hoch talentierte Sopranistin Noa Danon. Involviert ist zudem ein israelischer Mädchenchor.

„Das wird ein kontroverses, provokatives Konzert“, glaubt GMD Sloane, der sich als Amerikaner, als Israeli und als Deutscher im Zentrum dieser schwierigen Diskurse bewegt. Auch er habe keine konkreten Antworten, hoffe aber auf eine ausführliche Auseinandersetzung.

Großer Diskurs in der Jahrhunderthalle

Die wird nicht nur auf der musikalischen Ebene geführt, sondern - vor allem am Abschlusstag - auch ganz konkret an einem Tisch. Am 24. März wird die Jahrhunderthalle zum Ort des Diskurses. Referaten von namhaften Forschern folgt eine prominent besetzte Podiumsdiskussion, an der unter anderen Schauspielerin Iris Berben, der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein und der streitbare Urenkel Gottfried Wagner teilnehmen sollen. Begleitet wird dieser Tag, der im erwähnten Abschlusskonzert endet, von einem Jugendsymposium, das von Bochumer Schülern moderiert wird.

Das ausführliche Programm zu „Wunde Wagner“ wird in den nächsten Tagen aus der Druckerei kommen. Neben dem Wagner-Projekt setzten die BoSy weitere Schwerpunkte. Einer ist Joseph Haydn. Am 18. und 19.Juni soll sich deshalb das Wasserschloss Haus Kemnade in Schloss Esterházy verwandeln, wo Haydn lange Konzertmeister war. Dann gibt es Streichquartette, eine Symphonie und ein Schlosshofkonzert in wunderbarer Kulisse. Zudem wird die einzige erhaltene Marionettenoper Haydns, „Philemon und Baucis“(Premiere zuvor schon am 3.April in den Kammerspielen) zur Aufführung mit Puppenspiel in die Scheune kommen. Möge dafür doch gutes Wetter herrschen.

Große Aufmerksamkeit widmen die BoSy ferner der Jugend, die nicht nur die Zielgruppe der Familienkonzerte sind, sondern auch aktiv Musik machen soll. Dafür steht vor allem der englische „Education-Papst“ (Sloane), der auch in diesem Jahr wieder in Bochum arbeitet.

Tom Thelen

Facebook
 
Kommentare
08.12.2010
15:26
BoSy analysieren Wagners Verhältnis zu Israel
von Der Nordstern | #3

wer vor 33 ein Antisemit war, der war schlicht ein Idiot. Wer nach 1933 ein Antisemit ist ist ein Verbrecher.

08.12.2010
13:54
BoSy analysieren Wagners Verhältnis zu Israel
von Urmelinchen | #2

Da ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedankens, wenn unser werter GMD Steven Sloane bereits im Vorfeld bekundet, es werde ein kontroverses, provokatives Konzert. Diese ganze Debatte um Wagner, Hitler & den Antisemitismus wird doch seit Jahrzehnten (wissenschaftlich) beleuchtet. Welches Tabu möchte Herr Sloane hier denn noch brechen?
Der Artikel ähnelt eher einer Werbemaßnahme, nach dem Motto, man konstruiere erst ein ein Tabu, damit man dieses dann mit großen Getöse brechen kann.

1) Lieber Herr Thelen, kritischer Journalismus funktioniert doch ein wenig anders. Nun gut, die WAZ ist halt nur ein Hofberichterstatter.
2) Und der BoSy-Mannschaft gehen wirklich die Ideen aus. Ein neuer GMD ist mehr als überfällig. Frischer Wind tut Not, schließlich ist Herr Sloane bereits seit 1994 (!) Bochums musikalisches Oberhaupt.

08.12.2010
13:27
BoSy analysieren Wagners Verhältnis zu Israel
von Wawa | #1

Man, ist das mal wieder innovativ! Haben die BoSy das nicht schon mal vor ein paar Jahren gemacht? Tja,, keine Idee mehr, Herr Sloane....

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4034184/create

Umfrage
Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum steht auf der Kippe. Glauben Sie daran, dass der Standort nach 2015 erhalten bleibt?

Die Zukunft des Opel-Werks in Bochum steht auf der Kippe. Glauben Sie daran, dass der Standort nach 2015 erhalten bleibt?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Kemnade in Flammen
Bildgalerie
Volksfest
Festival der Kulturen
Bildgalerie
Ruhr International
Festumzug in Linden
Bildgalerie
Schützen
Messerschrf geschliffen
Bildgalerie
Handwerk
Aus dem Ressort
Bombenentschärfung in Bochum steht kurz bevor
Evakuierung
Die riesige Evakuierung in Bochum-Ehrenfeld wegen der Entschärfung einer Fliegerbombe ist zu großen Teilen abgeschlossen. Im Laufe des Dienstagnachmittag soll der Bombenentschärfer ans Werk gehen. Es gab aber Verzögerungen.
Sechster Brand im selben Haus in Bochum
Feuerwehr
Zum sechsten Mal innerhalb kürzester Zeit hat es in einem Mehrfamilienhaus in Bochum-Hamme gebrannt. Diesmal stand ein Mülleimer in Flammen. Dank der Rauchmelder konnten sich alle Bewohner rechtzeitig in Sicherheit bringen.