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Widerstand gegen Überwachung: Bogestra-Busfahrer gefeuert

13.03.2015 | 17:48 Uhr
Widerstand gegen Überwachung: Bogestra-Busfahrer gefeuert
In allen Bogestra-Bussen sind am Armaturenbrett die Ribas-Systeme eingebaut worden.Foto:J. Kleine-Büning

Bochum.   Ein Busfahrer (58) der Bogestra hatte sich dem Sprit-Spar-System „Ribas“ verweigert - und wurde fristlos gefeuert. Jetzt liegt der Fall bei Gericht.

Ein Busfahrer der Bogestra fühlt sich am Steuer von seinem Arbeitgeber zu sehr kontrolliert -- und bezahlt das jetzt mit einer fristlosen Kündigung.

Der 58-Jährige chauffiert Fahrgäste der Bogestra schon seit 25 Jahren. Als das Unternehmen aber im vorigen September ein neues Sprit-Spar-System ins Cockpit aller Busse installiert hatte, machte er nicht oder zumindest nur teilweise mit. Das elektronisch gesteuerte System heißt „Ribas “ und soll die Busfahrer mit Signalen dazu anhalten, durch eine sanftere Fahrweise mehr Diesel zu sparen. Sie sollen möglichst langsamer anfahren und langsamer abbremsen. Dadurch will die Bogestra fünf Prozent Sprit sparen, was 200.000 Euro pro Jahr bedeute.

Weil das System aber große Teile des Fahrverhaltens der Fahrer aufzeichnet, sieht sich der 58-jährige Busfahrer einer zu großen Überwachung ausgesetzt. Entgegen den betrieblichen Anordnungen unterließ er es mehrfach, bei Fahrantritt einen entsprechenden Schlüssel in das Ribas-System zu stecken, dadurch konnten die Fahrdaten nicht seiner Person zugeordnet werden. Das brachte ihm insgesamt drei Abmahnungen ein. Und am vergangenen Donnerstag, nachdem er sich Ribas erneut verweigert hatte, flatterte ihm sogar die fristlose Kündigung ins Haus.

Auch Zweifel am Ribas-System

Am Freitag trafen sich sein Rechtsanwalt Hans-Bernd Lohof und die Bogestra zur Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht. Der Busfahrer akzeptiert seine Kündigung nicht. Weil es keine Einigung gab, geht der Fall eventuell bis zum Bundesarbeitsgericht, denn das Ribas-System ist aus Sicht der Busfahrer nicht ganz unumstritten.

Belohnung
Prämien für Sprit sparende Busfahrer

Die Bogestra bietet den Busfahrern mit der Teilnahme am Ribas-System auch den Anreiz, zusätzlich Geld zu verdienen. Für besonders sparsam fahrenden Mitarbeiter gibt es monatliche Ausschüttungen.

Die Hälfte des eingesparten Geldes, so heißt es, wird als Prämie an die Fahrer ausgezahlt.

Insgesamt verbraucht die Bogestra 8,2 Millionen Liter Diesel pro Jahr.

Wer sich weigert, seinen Schlüssel in das Ribas-System zu stecken, muss mit arbeitsrechtlichen Sanktionen rechnen.

Wie die Bogestra vor Gericht erklärte, machen 80 bis 90 Prozent der Fahrer bei Ribas mit. Aber auch alle anderen sind verpflichtet, den Schlüssel ins Gerät zu stecken. Auch deren Fahrdaten würden aufgezeichnet, aber anonymisiert - und danach würden sie im Nirgendwo landen. Das machte Anwalt Lohof stutzig: Erst Daten aufzeichnen, um sie dann anonymisiert verschwinden zu lassen? „Da ist doch was im System nicht in Ordnung. Das kann doch nicht richtig sein.“

Die Bogestra erklärte jedoch, dass andernfalls - ohne das Stecken des Schlüssels - der nachfolgende Fahrer die zuvor gespeicherten Daten zugeschrieben bekäme. Dieser Umstand scheint den Anwalt in seinem Zweifel an dem System aber noch zu bestärken.

Die Arbeitsrichterin hat, wie sie in der Verhandlung sagte, „noch keine Tendenz“. Für den 27. Mai hat sie einen Kammertermin angesetzt. Zumindest vorläufig also bleibt das Arbeitsverhältnis des Busfahrers beendet.

Bernd Kiesewetter

Kommentare
16.03.2015
19:17
Widerstand gegen Überwachung: Bogestra-Busfahrer gefeuert
von Berufskraftfahrer | #25

Ribas belastet den Busfahrer nur unnötig. Fahren ,kassieren,kontollieren, und nun auf ein Lämpchen starren. Dummsinn.Man sollte doch wissen, daß hohes...
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1 Antwort
Widerstand gegen Überwachung: Bogestra-Busfahrer gefeuert
von Didl21 | #25-1

Kein Mitarbeiter oder Mitarbeiterin im Fahrdienst muß an Ribas teilnehmen. Er/Sie kann jederzeit zur Personalabteilung gehen und kündigen. wenn ich etwas nicht mitmachen möchte oder will, habe ich immer eine Möglichkeit. Ich muß nur bereit sein die Konsequenz zu tragen. Aber hier scheint es bei diesem Mitabeiter so zu sein, das weder mitmachen, noch kündigen keine Option ist.
Im Unternehmen "Familie" muß auch eingespart werden, nur da klappt es meistens, obwohl es auch nicht jedem gefällt. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, das die Bogestra einen Mitarbeit nach einmaliger Verfehlung kündigt.
Wichtig ist doch das kein anderer Weg seitens des Unternehmens in betracht gezogen wird. Obwohl es jeder Zeit möglich wäre. Genannt wären da z.B. Ausgründung, Tochtergesellschaft usw. Viele Verkehrsgesellschaften in der Umgebung gehen schon seit jahren diesen Weg. - In diesem Sinne, alles wird Gut. -

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Widerstand gegen Überwachung: Bogestra-Busfahrer gefeuert
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2015-03-13 17:48
Bochum, Bogestra, Arbeitsgericht, Mitarbeiter, Kündigung, Ribas, Sprit-Spar-System
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