Bochumer Verein investiert kräftig in seine Anlagen

Der Bochumer Verein produziert Räder und Radsätze für den Schienenverkehr. Roboter platzieren rotglühende Räder für die Weiterverarbeitung
Der Bochumer Verein produziert Räder und Radsätze für den Schienenverkehr. Roboter platzieren rotglühende Räder für die Weiterverarbeitung
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Was wir bereits wissen
Vor allem der chinesische Markt sorgt zur Zeit für gute Stimmung beim Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH. Weitere Verbesserungen im Werk sollen in nächster Zeit folgen.

Bochum.. Es geht noch was in der Schwerindustrie vor Ort. Was genau, das macht gerade der Bochumer Verein Verkehrstechnik GmbH vor. Der Schmiedebetrieb, der weltweit einen guten Namen bei Eisenbahnrädern, Radwellen und kompletten Radsatzsystemen hat, investiert in sein Traditionswerk an der Alleestraße.

Allein im vergangenen Jahr flossen 20 Millionen Euro in ein neues Radwalzwerk, eine Richtpresse und verschiedene moderne Dreh- und Bearbeitungsmaschinen für die mechanische Werkstatt.

Entspannter Blick in die Zukunft

Dr. Günter Köhler ist technischer Geschäftsführer und blickt derzeit recht entspannt in die Zukunft. „Wir beobachten gerade, wie der chinesische Eisenbahnmarkt kräftig expandiert.“ Und der Bochumer Verein, mit seinen heute wieder rund 600 Mitarbeitern, hat mehr als einen Fuß in der Tür zu diesem stetig wachsenden Markt.

Dabei spielten noch vor etwa zehn Jahren Aufträge aus dem Reich der Mitte kaum eine Rolle in Bochum. Mittlerweile machen Lieferungen von Eisenbahnrädern nach Fernost bis zu 40 Prozent der Gesamtmenge aus. Früher war die Deutsche Bahn Hauptabnehmer, doch heute gehen nur noch rund zehn Prozent der Räder aus Bochum an dieses Unternehmen.

Für das Mitwachsen wichtig

Die Investitionen durch den Mutterkonzern, die Osnabrücker Georgsmarienhütte Holding, waren auch deshalb notwendig, um mitwachsen zu können. Vor allem die alte Richtpresse im Schmiedewerk, die dort bereits seit 1928 (!) brav ihren Dienst verrichtet aber auch das rund 35 Jahre alte Radwalzwerk gleich nebenan bremsten das Produktionstempo empfindlich.

Wenn die Anlagen abgestimmt und die Werkzeuge für das neue Walzwerk eingerichtet sind, kann bereits eine Steigerung der Produktionsmenge um bis zu 30 Prozent erreicht werden. Vor allem das Einrichten der Werkzeuge für bis zu 400 unterschiedliche Räder – ein Angebot, das es in dieser Vielfalt bei kaum einem Wettbewerber gibt – dauert seine Zeit.

Dr. Köhler bleibt zuversichtlich, dass in wenigen Jahren der Ausstoß sogar verdoppelt werden kann. Wenn heute rund 100.000 Räder im Jahr das Werk verlassen, könnten es dann bis zu 200.000 Eisenbahn- oder Straßenbahnräder pro Jahr werden. Hier seien jedoch weitere Feinjustierungen am Betriebsablauf und zusätzliche Investitionen notwendig. Bedingt durch die historisch gewachsene Werksanlage sind einige Wege zu weit. „Hier können wir betriebsintern noch besser werden.“

Prestigeträchtiger Auftrag

Einen besonders prestigeträchtigen Auftrag bearbeiten die Mitarbeiter in diesen Wochen ab. Für die Eisenbahnlinie Istanbul – Baku, die Europa mit dem Morgenland verbindet, liefert der Bochumer Verein 130 komplette Radsätze für 30 Schlafwagen. Das Besondere bei diesem Auftrag: An der Grenze der Türkei zur Republik Georgien ändert sich die Spurweite.

Von der mitteleuropäischen 1435 Millimeter-Spur geht es auf 1520-mm-Breitspur. Früher mussten dort die kompletten Fahrgestelle gewechselt werden. Die neuen Wagen mit dem Bochumer „Unterbau“ sind flexibel. Die Technik macht es möglich, dass quasi in Fahrt die neue Spurweite eingestellt werden kann, eine ureigene Bochumer Erfindung übrigens.