Bochumer „Süße Jungs“ gehen auf der Kegelbahn in die Vollen

„Süße Jungs“: (v.l.) Franz-Josef Tampier, Werner Vellbinger, Vorsitzender Theodor Koolen, Dieter Hengst, Rainer Gröblinghoff und Horst Fischer.
„Süße Jungs“: (v.l.) Franz-Josef Tampier, Werner Vellbinger, Vorsitzender Theodor Koolen, Dieter Hengst, Rainer Gröblinghoff und Horst Fischer.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Ser
Was wir bereits wissen
Vor 65 Jahren gründeten Bäckermeister einen Kegelklub im Kolpinghaus. Dort pflegt eine verschworene Gemeinschaft bis heute die Tradition.

Bochum.. „Das Kegelspiel, oh welche Lust, erheitert das Gemüt...“ Bevor es in die Vollen geht, wird inbrünstig das Keglerlied geschmettert. Immer donnerstags, 16.30 Uhr. Immer im Kolpinghaus. Seit sagenhaften 65 Jahren frönen die „Süßen Jungs“ hier ihrer Leidenschaft – in einem der ältesten Kegelklubs der Stadt.

In Bochum verdienen noch über 200 selbstständige Bäckermeister ihre Brötchen, als 1950 die „Süßen Jungs“ an den Start gehen. Über einen eigenen Chor und Karnevalsverein (die „Wurstbrötchen-Garde“ mit ihrem Präsidenten Ferdinand Lammert, Vater des heutigen Bundestagspräsidenten) verfügen die Bäcker bereits. Der Kegelklub soll abseits des harten Arbeitsalltags zudem für Ausgleich und Geselligkeit sorgen. Dass die Kugel im Kolpinghaus rollt, ist eine Selbstverständlichkeit: Hier tagt und trifft sich von jeher das Handwerk. Dass bereits am Nachmittag „Gut Holz!“ gerufen wird, ist eine Notwendigkeit: Für die Weißkittel ist die Nacht um 4 Uhr früh vorbei.

Fünfmal den Titel geholt

Die zwölf Gründungsmitglieder (mehr gibt die Bahn nicht her) bringen es alsbald zu Ehr und Ruhm: Bei den Deutschen Kegelmeisterschaften der Bäcker holen die „Süßen Jungs“ in den 60er und 70er Jahren fünf Mal den Titel. Lang ist’s her. „14 Mitglieder sind seit 1950 verstorben. Wir sind eine aussterbende Gattung. Nachwuchs gibt es schon ewig nicht mehr“, sagt Werner Vellbinger (85), der seit den 50er Jahren dabei ist. Vorsitzender Theodor Koolen (81), Franz Tampier (80), Dieter Hengst (79) und Horst Fischer (76) stießen in den 60er und 70er Jahren hinzu. Jungspund ist Rainer Gröblinghoff (56), Sohn des verstorbenen Mitgründers Franz-Josef Gröblinghoff.

Seit Papas Glanzzeiten hat sich kaum etwas verändert. Zwar hat auf der Kegelbahn längst die Elek-tronik Einzug gehalten. Die formvollendeten Würfe der Herrenrunde indes werden wie früher auf einer Kreidetafel mit eigenen Messing-Namensschildern eingetragen. Geplaudert wird wie einst über die wahrhaft wichtigen drei Fs: Fußball, Frauen, Fiege. Gespielt wird nach wie vor um Pfennige – auch wenn Gewinne und Verluste am Ende in Euro umgerechnet werden. Für die Winterausflüge, die 50 Jahre nach Reit im Winkl geführt haben, würde zwar das Ersparte, aber leider nicht mehr die Gesundheit reichen. „Wir sind ja“, schmunzelt Dieter Hengst, „längst alle mit Ersatzteilen ausgestattet.“

„Das Kegelspiel, oh welche Lust, es stärkt die Glieder, hebt die Brust...“ Das Keglerlied füllt die herrlich antiquierte Kegelbahn beim WAZ-Besuch besonders laut und stolz aus. Nesthäkchen Rainer lobt die rüstige Truppe: „Wenn ich mit 80 hier noch so sitze wie ihr, bin ich zufrieden.“ – „Klar“, grinst Theo und schaut sich kurz um. „Nur sitzt du dann alleine hier.“