Bochumer Student geht auf Friedensmission in den Irak

Jan Gehm präsentiert die neue Idee: Nach Bleistiften sollen nun handgeschöpfte Olivenseifen aus Syrien die nächsten Spendengelder einbringen.
Jan Gehm präsentiert die neue Idee: Nach Bleistiften sollen nun handgeschöpfte Olivenseifen aus Syrien die nächsten Spendengelder einbringen.
Foto: Gero Helm
Was wir bereits wissen
  • Jan Gehm ist 24 Jahre alt und studiert in Bochum evangelische Theologie
  • Der Student engagiert sich im Irak, um Menschen zu helfen, die unter dem IS leiden
  • Der angehende Pfarrer möchte in den Nordirak und die Geschichten der Menschen dokumentieren

Bochum.. Für viele Einwohner war der Einmarsch des Islamischen Staates (IS) in den Nordirak im Jahr 2014 der Anfang einer quälenden Horrorperiode. Bis heute gilt Mossul, die zweitgrößte Stadt in der Region, als Hauptstadt des vermeintlichen Gottesstaates. Seit Montag versucht das irakische Militär die Stadt aus den Fängen der radikalen Islamisten zu befreien.

In diese Region ist Jan Gehm, 24 Jahre jung und Student evangelischer Theologie an der Ruhr-Universität Bochum mit einem Kommilitonen Ende September für neun Tage hingereist. Gemeinsam mit einer Delegation der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland flog der junge Mann in die nordirakische Metropole Erbil. „Ich mache da keinen Urlaub. Ich will mir einen eigenen Eindruck von der Situation vor Ort verschaffen“, sagt Gehm.

Interesse an nahöstlicher Religion

Das Interesse für die nahöstliche Region kam im Studium: „Letztes Jahr haben wir mit unserem Seminar eine Exkursion in den Libanon gemacht. Wir haben mit Menschen vor Ort gesprochen und viele Eindrücke gewonnen“, sagt er. Insbesondere die Situation der syrischen Geflüchteten im Land schockierte die Studenten. Kinder müssten auf den Straßen Knabbereien verkaufen, um ihrer Familie zu helfen. „Wir wollten nicht nur gesehen haben, sondern auch etwas machen“, sagt Gehm.

Und so starteten die Studenten im Dezember vergangenen Jahres die Initiative „Stifte für Aleppo“, um Geld für eine Schule in der syrischen Stadt zu sammeln. Bei einem erneuten Libanonbesuch im Frühling übergaben die Studenten 4000 Euro an die Lehrerin der Schule. Und als Gehm hörte, dass eine Delegation der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland erneut in die Region reist, stand seine Entscheidung fest: er will mit. „Anfangs hatte ich etwas Bedenken, in den Nordirak zu fahren. Doch vor Ort stellte ich schnell fest, dass die Region sicherer ist, als der Libanon“, sagt er.

Evangelische Kirche fördert Projekte der Organisation CAPNI

Als Teil der Delegation fuhr Gehm nach Dohuk, eine Stadt unweit des besetzten Mossul. Die Evangelische Kirche fördert dort Projekte der regionalen Organisation CAPNI (Christian Aid Program Northern Iraq). „Wir besuchten Camps und Schulen für Binnenflüchtlinge, die provisorisch in Containern oder in Zelten stationiert sind. Es gibt auch eine mobile Klinik, die in umgebenden Dörfern kostenfrei medizinische Hilfe bietet“, sagt Gehm. Die Menschen vor Ort lebten „bitterarm“, in Lehmhütten und Zelten. Die Projekte würden dafür sorgen, dass das Leben für die Menschen durch die Aufrechterhaltung der örtlichen Infrastruktur erträglich bleibt.

„Mit Bildungsprojekten und Brunnen lassen sich eben nicht alle Probleme lösen“

Militäroffensive Trotzdem ist der verbliebene Eindruck der Reise ernüchternd. „Die meisten, mit denen man spricht, wollen weg. Mit Bildungsprojekten und Brunnen lassen sich eben nicht alle Probleme lösen“, sagt Gehm und spielt auf die wirtschaftliche Misslage der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak. Die Lage der Minderheiten sei miserabel, viele hätten Angst. „Man kann den Leuten nicht verübeln, dass sie gehen wollen. Und auch wenn Mossul befreit würde und der IS besiegt: zwei Jahre unter islamistischer Herrschaft verändert die Menschen. Es herrscht großes Misstrauen untereinander“, sagt Gehm.

Der angehende Pfarrer möchte bald wieder in den Nordirak und die Geschichten der Menschen vor Ort dokumentieren. Später würde ihm die Arbeit in einer Gemeinde nicht reichen. „Ich möchte mich weiterhin mit dem Nahen Osten beschäftigen. Schließlich gilt er als die Wiege des Christentums.“