Bochumer Straßenkünstler und Clown will sich Bus ertauschen

Thorsten Gilani, alias Clown Pauli, möchte sich seinen Traum von einem VW-Bus erfüllen, um als Clown über die Lande zu ziehen.
Thorsten Gilani, alias Clown Pauli, möchte sich seinen Traum von einem VW-Bus erfüllen, um als Clown über die Lande zu ziehen.
Foto: Ingo Otto/Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Thorsten Gilani möchte als Straßenkünstler reisen und bräuchte dafür ein Auto. Jetzt eifert er einem Kanadier nach, der sich ein Haus ertauschte.

Bochum.. Clown Pauli hat nicht gut lachen. Es ist ihm in Bochum untersagt, seine Ballontiere für Kinder einfach so auf der Straße zu drehen. „Das geht in Bochum nur über einen Sondernutzungsantrag. Im letzten Jahr kostete das 179 Euro am Tag“, sagt der Clown, der im bürgerlichen Leben Thorsten Gilani (35) heißt. Letztendlich sei das täglich’ Brot eben doch auf der Straße zu verdienen, fügt er an. Deshalb möchte er reisen. Am liebsten in einem Bus. Aber er hat keinen.

Seit Jahren nun geistert dem gelernten Heilerziehungspfleger schon die Geschichte eines arbeitslosen Kanadiers im Kopf herum: Kyle MacDonald hatte 2005 begonnen und eine rote Büroklammer mit 14 Tauschgeschäften innerhalb eines Jahres in ein eigenes Haus getauscht. „Seit Jahren rede ich schon davon, dass ich mir einen Bus ertauschen will und jetzt mache ich es einfach“, sagt Gilani. Kurz vor Weihnachten 2014 fing er an und bot als erstes seine Clown-Visitenkarte an. Noch am selben Tag erhielt er von einer Freundin dafür einen Werbekugelschreiber eines Hotels.

Überraschungsei für Kugelschreiber

Auf dem Weihnachtsmarkt tauschte er diesen gegen einen „nigelnagelneuen, kunterbunten Papageienbleistift, der immerhin schon wertvoller war als der Werbekuli“. Es folgten: ein Überraschungsei, ein Stein mit der Aufschrift „Frohes Fest“ und ein Kalender 2015. „Dann ist das Ganze etwas ins Stocken geraten, weil eine Bekannte mir selbst genähte Sachen schicken wollte, die dann nicht kamen.“ Im Internet erhielt er einen Gedichtband von Wera Koseleck, der einer anderen Freundin immerhin einen Sitzsack wert war. „Den Sitzsack hatte ich mir schon etwas schöner vorgestellt. Er ist auch schon geflickt. Aber ich bin optimistisch, dass ich auch dafür wieder etwas Wertvolleres bekommen werden.“

Unabhängig davon, ob er den Bus im Laufe eines Jahres haben wird, möchte der Lebenskünstler im Sommer mit einer Freundin auf Reisen gehen und über kurz oder lang dann auch seine Wohnung in Bochum-Ehrenfeld aufgeben. Seine Bleibe spiegelt die schillernden Fantasien und Ideen des Clowns wider; manches Möbelstück und Accessoire ist auch ertauscht. „Tauschen ist nichts Neues für mich. Ich finde, es wird sowieso viel zu viel weggeworfen“, sagt er und spricht damit einen ökologischen Zeitgeist an, der in alternativen Kreisen schon länger um sich greift.

Am Ende seines Traums von einem Bus steht die große Reise. Clown Pauli zieht es dabei nicht unbedingt in die weite Ferne. „Tatsächlich geht es mir erst einmal darum, das eigene Land viel besser kennenzulernen. Es gibt so schöne Gegenden und tolle Natur in Deutschland, zum Beispiel in Mecklenburg, in der Eifel oder in Bayern.“