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Interview

Bochumer Spitzen-Kardiologe für mehr Medizin-Studienplätze

26.03.2013 | 16:37 Uhr
Bochumer Spitzen-Kardiologe für mehr Medizin-Studienplätze
Prof. Dr. Jürgen Barmeyer beim Interview in seinem Haus in Weitmar mit Leserbeirätin Dr. Anke Niegel-Deichen.Foto: Gero Helm

Bochum.  Im Interview mit Leserbeirätin Dr. Anke Niegel-Deichen plädiertProf. Dr. Jürgen Barmeyer (77), der jahrelang Chefarzt der Kardiologe und Angiologie im Bochumer Bergmannsheil war, für eine Reduzierung des Numerus Clausus. Denn es gebe einen Mangel an Ärzten.

23 Jahre leitete Prof. Dr. Jürgen Barmeyer (77) die Kardiologie und Angiologie (Gefäßerkrankungen) im Bergmannsheil. Schon in seiner Jugend wollte er Arzt werden, sagte er im Gespräch mit WAZ-Leserbeirätin Dr. Anke Niegel-Deichen.

Warum sind Sie Arzt geworden?

Barmeyer: Es war nie eine Frage, ob ich etwas anderes machen wollte. Ich war in der Schule ein Durchschnittsschüler. Die meisten Mitschüler sind Lehrer geworden, ich Arzt . Es war eine Glücksentscheidung.

Leben Sie gern in Bochum?

Barmeyer: Ja, sehr gerne. Ich hatte das große Glück, dass ich von 1978 bis 2001 die Universitäts-Kardiologie und -Angiologie am Bergmannsheil mit aufbauen konnte. Wir haben in Bochum einen großen Freundeskreis und würden nie wegziehen.

Das Gesundheitswesen hat in Bochum einen sehr guten Ruf.

Barmeyer: Wir haben hervorragende Chirurgen , Internisten, Neurologen, Orthopäden und andere. Zu meiner Zeit am Bergmannsheil kamen Patienten auch von weither.

Raten Sie zum Medizinstudium?

Barmeyer: Uneingeschränkt, weil ich glaube, dass es ein wunderbarer Beruf ist. Aber es gibt Schwierigkeiten, einen der 8600 Studienplätze in Deutschland zu bekommen. Demgegenüber stehen bedingt durch den doppelten Abitur-Jahrgang über 25.000 Bewerbungen. Hinzu kommt: 15 % brechen ihr Studium ab. Und wir verlieren rund 3000 Ärzte jährlich ins Ausland. Der Mangel an Ärzten wird immer intensiver. Das können wir nur durch ausländische Ärzte einigermaßen kompensieren. Ein weiteres Problem für die Versorgung der Bevölkerung ist der zunehmend hohe Frauenanteil der Medizin-Studenten, da Frauen naturgemäß nicht immer in Vollzeit arbeiten können.

Was schlagen Sie vor?

Barmeyer: Ich plädiere dafür, den Numerus Clausus von 1,0 hochgradig zu reduzieren und dafür wieder Interviews der Universitäten mit den Bewerbern einzuführen. 1,0 ist nicht das einzige Kriterium, ob jemand ein guter Arzt wird. Zudem sollte das „Bochumer Modell“, das die Ausbildung der Studierenden auch in „normalen“ Kliniken ermöglichte, in andere Bundesländer transferiert werden. Damit könnten Studienplätze vermehrt werden.

Wird das Thema Ethik in der Medizin im Studium genug behandelt?

Barmeyer: Nein. Das Medizinstudium wird immer noch rein naturwissenschaftlich geführt. Der Beruf des Arztes ist zunehmend zu dem eines Medizin-Technikers geworden. Die Zuwendung zum Patienten kommt nicht mehr hinreichend rüber. Nicht, weil die Ärzte so schlecht seien, sondern weil sie zu wenig Zeit haben. Ich bin kein Technik-Feind. Der technische Fortschritt hat enorme Verbesserungen gebracht. Ein Beispiel: Beim Herzinfarkt gab es Anfang der 70er Jahre eine Sterblichkeit in der Klinik von rund 30 Prozent, heute sind es zwei bis drei Prozent.

Haben Sie Vorbilder gehabt?

Barmeyer: Ich habe meinen Vater für seine Disziplin bewundert. Er hat sich mühsam nach oben gearbeitet, bis zum kaufmännischen Chef einer Ölbohrfirma. Ein weiteres Vorbild ist mein geistiger Mentor, mein früherer Chef Prof. Herbert Reindell, von dem ich viel über Menschenführung gelernt habe.

Welchen Traum haben Sie?

Barmeyer: Das Wichtigste ist, dass unsere vier Söhne – drei Ärzte, ein Betriebswirt – ihre Lebensstellung finden; sie kämpfen noch. Und dass sie zufrieden sind wie ich es bin. Ich habe Glück gehabt. Und mein größtes Glück ist die da (Anm. d. Red.: Er zeigt auf seine Ehefrau).

Bernd Kiesewetter


Kommentare
29.03.2013
03:23
besseres Betriebsklma - weniger Abwanderung ins Ausland!
von nachtigallfan | #4

Ich fiinde es immer amüsant, wenn ich lese, daß Kollegen meinen, mit mehr Studienplätzen sei dem Ärztemangel beizukommen. Vielleicht sollten Sie sich, insbesondere wenn Sie Chefärzte sind, hinterfragen, wie Sie mit ihren Assistenten umgehen und welche Arbeitszeiten man ihnen zumutet?

Daß 3000 Ärzte das Land verlassen haben, ist verständlich:im Ausland gibt es ein besseres Betriebsklima UND bessere Arbeitszeiten, sprich: weniger Arbeitsstunden.

Wenn dies so ist (und es ist so, fragen Sie Assistenten!), hilft es nicht, einfach mehr Studienplätze einzurichten - auch diese Ärzte werden wegen der langen Arbeitszeiten oder wegen des Betriebsklimas, das sehr vom Verhalten des Chefarztes und der Oberärzte den Assistenzärzten gegenüber bestimmt wird, eine patientenferne Tätigkeit übernehmen, z.B. bei Krankenversicherungen, oder eben auch wieder ins Ausland gehen.

Nein, wenn man wirklich (!) etwas ändern will, dann muß man nur die o.g. Arbeitsbedingungen verbessern, mehr braucht es nicht!

27.03.2013
14:07
Bochumer Spitzen-Kardiologe für mehr Medizin-Studienplätze
von fogfog | #3

noch zur chancengleichheit bei der bildung: gibt es einen maurer der 3 söhne hat die ärzte sind und einen der bwl studiert???warscheinlich seltener als ein 6 er im lotto.

1 Antwort
chancengleichheit bei der bildung
von nachtigallfan | #3-1

Tja, das käme drauf an. Ich bin Arbeiterkind und dennoch Arzt geworden.
Das geht alles, wenn die Eltern die Kinder motivieren, falls sie Motivation brauchen - oder sie zumindest nicht demotivieren. Schulgeld und Studiengebühren sind abgeschafft, es gibt Bafög. Also auch vom finanziellen Gesichtspunkt aus ist es möglich.

Also wer wirklich etwas erreichen will, dem wird dies auch als Arbeiter-/Handwerkerkind gelingen.

27.03.2013
12:11
Bochumer Spitzen-Kardiologe für mehr Medizin-Studienplätze
von Juelicher | #2

Dass die BRD jedes Jahr 3000 Ärzte ans Ausland verlieren würde, ist falsch. Die Zahl der ausreisenden u. wieder zurückkehrenden Ärzte hält sich - nach vor einiger Zeit veröffentlichten Verbandsangaben - etwa die Waage.
Die Ärztedichte in Deutschland gehört zur absoluten Spitze weltweit. Da kann eigentlich von Mangel keine Rede sein. Das Problem ist eher die Ineffezienz des dt. Gesundheitssystems. Massenhaft unnötige Operationen u. Diagnostik, Patienten die wegen jedem Furz zum Arzt rennen, weil die dt. Gesundheitsgeldmaschine die Medien nutzt, ihnen dies ständig einzureden. Das führt zu den meisten Arztkontakten jährlich weltweit, meist zwangsläufig Schnellkontakte im Minutentakt ohne wirklichen Nutzen, wenn dann wirklich jemand ernsthafter erkrankt ist.

26.03.2013
16:58
Spitzen-Kardiologe plädiert für mehr Medizin-Studienplätze
von fogfog | #1

wenn ich das lese grauts mir-uns wirds an geld mangeln-nicht an ärzten- um diesen gierigen berufsstand zu versorgen. wie schön das das arzt gen von ihm vererbt wurde^^

1 Antwort
Bochumer Spitzen-Kardiologe für mehr Medizin-Studienplätze
von PoivreNoir | #1-1

Wenn ich diesen Kommentar von fogfog lese,graut es mir auch.Ich denke nicht,dass Ärzte ein gieriger Berufsstand ist,auch wenn die Medien uns dies immer wieder klar machen wollen.Sie haben zumeist eine 12 (!)jährige Ausbildung hinter sich,werden schon in der Assistenzzeit in die Verantwortung gerufen,obwohl sie viele Sachen einfach noch gar nicht beherrschen können,und sollen dann einfach mal so den MENSCHEN heilen-am besten für Laulone.Kein Handwerker würde für dieses Geld auch nur irgendwelche größeren Reparaturen durchführen,die die niedergelassenen Ärzte für einen Patienten (KK) bekommen.Die Ärzte gehen eigentlich für uns,für die Kassenpatienten auf die Strasse und werden als gierig dargestellt.Wir sollten lieber gehen.Diesen Missstand verstehen die Politiker jedoch u.a.auch nicht,weil sie ja alle privat sind....-langes Thema,aber beim Arzt würde ich nicht sparen wollen-aber auch nicht ausgenommen werden wollen,das ist richtig.Aber bitte nicht einfach so über den Kamm scheren....

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