Bochumer Schüler macht seine Abiturprüfungen im Krankenhaus

Gemeinsam für Erhan Gürses (v.l.): Demet Kaygusuz, Kay Voß, Umut Gündogdu und Nabil Rami.
Gemeinsam für Erhan Gürses (v.l.): Demet Kaygusuz, Kay Voß, Umut Gündogdu und Nabil Rami.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Erhan Gürses (18) hat Leukämie. Seinen Abschluss am Neuen Gymnasium geht er dennoch an. Die Leistungskurs-Arbeiten hat er schon geschrieben.

Bochum.. Die schwarzen Haare sind schon wieder nachgewachsen. Umut Gündogdu (18) lächelt. „Ich war sogar schon wieder beim Friseur.“ Das, hofft er, kann sein Freund Erhan Gürses (18) auch bald wieder machen. Der hat die Haare nicht freiwillig verloren. Bei ihm machte es eine Chemo-Therapie. Erhan Gürses hat Leukämie. „Aber er lässt sich nicht unterkriegen“, sagt Umut Gündogdu, der sich die Glatze aus Solidarität hat schneiden lassen: „Wenn man ihn im Krankenhaus besucht, dann versucht er einem nicht zu zeigen, wie schlecht es ihm geht.“ Sein Abitur macht Erhan Gürses trotzdem.

Was sind schon Prüfungen in Deutsch, Englisch, Mathematik und Geschichte im Vergleich zu diesen besonderen Prüfungen durch das Leben?

Seinen letzten Schultag vor den Abiturprüfungen feierte Erhan Gürses noch ausgelassen gemeinsam mit seinen Mitschülerinnen und Mitschülern am Neuen Gymnasium. Alle trugen sie die T-Shirts mit dem Abi-Motto, das sie sich vor einem Jahr überlegt hatten und das zu Gürses passt, als wäre es ein Wunsch und sie hätten es für ihn ausgewählt: „Abi-zetanol – der Schmerz hat ein Ende.“ Erhan Gürses würde sich wünschen, dass das so wäre. Abitur machen, gesund sein. Schmerz lass nach. Das Abitur bedeutet Aufregung, Vorbereitung, aber keine (Lebens-)Gefahr. Wenige Tage nach dem letzten Schultag rückten die Prüfungen in den Hintergrund, weit weg.

Unterstützung von Lehrern und Mitschülern

Seitdem ist alles anders in seinem Leben und doch geht es weiter. Das Abitur hätte warten können, aber er will es nicht warten lassen. Er kann nicht zur Schule, die Lehrer mit den Arbeiten kommen zu ihm. Die Prüfungen in Deutsch und Englisch, seinen Leistungskursen, hat er schon geschrieben. Mathe und Geschichte stehen noch an. „Da werden wir dann wohl mit einer Prüfungskommision im Krankenhaus vorbeifahren“, sagt Jahrgangsstufenleiter Kai Voß. „Als wir am ersten Schultag nach den Osterferien von seiner Mutter informiert wurden, dachten wir zunächst, einen ungünstigeren Zeitpunkt als kurz vor den Abiturprüfungen könne es kaum geben. Aber schon im nächsten Moment stellte sich uns die Frage, ob es für solche Dinge überhaupt einen günstigen Zeitpunkt geben kann.“

Unterstützung bekommt er von Freunden und Mitschülern. Sie haben einen Film für ihn gedreht. Einige haben sich eine Glatze schneiden lassen. Alle wollen sich typisieren lassen. Am 20. Mai findet an der Schule eine Registrierungsaktion für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) statt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich so ein Spender für ihn findet, ist nicht besonders groß. Er findet voraussichtlich eher jemanden aus der Datei. Aber sein Schicksalsschlag und die daraus resultierenden Spenden können vielleicht einem anderen Menschen helfen.