Bochumer reiste in Region Donbass und half in der Not

Ivan Stukert vor den Gräbern getöteter Christen bei Slawjansk.
Ivan Stukert vor den Gräbern getöteter Christen bei Slawjansk.
Foto: Gemeinde Gottes Wort
Ivan Stukert von der Gemeinde Gottes Wort in Bochum-Harpen machte sich selbst ein Bild von dem großen Leid in der Ukraine. Er erlebte Hungersnot, Angst und zerstörte Familien.

Bochum.. Der weiße Bulli bedeutete Hilfe. „Innerhalb einer Viertelstunde strömten die Menschen von allen Seiten auf uns zu. Die 250 Portionen Lebensmittel waren in kurzer Zeit weg“, berichtet Ivan Stukert. Der 30-jährige Bochumer reiste im Dezember vergangenen Jahres zweimal, insgesamt 24 Tage, in die ukrainische Region Donbass, um Hilfe zu leisten. Er besuchte unter anderem die Städte Slawjansk und Debalzewe.

Als Gemeindeleiter der Freikirche „Gottes Wort“ in Bochum-Harpen war er auf Dienstreise in Kiew, als 2013 Demonstrationen und Gewalt auf dem Maidan den Krieg in der Ukraine einleiteten. „Ich habe einige Tage später noch die Steine, die ganzen verbrannten Reifen und Berge von Blumen gesehen“, schildert er. Aus der Ferne in Bochum beobachtete er, was weiter geschah in der Ukraine . Auf Einladung eines Kollegen, Pastor Pavenko, von der Gemeinde „Gute Botschaft“ reiste er 2014 mit einem Gemeindehelfer wieder in die Ukraine nach Slawjansk, circa 150 Kilometer von Donezk entfernt. „Slawjansk ist da gerade zu einem Flüchtlingsort geworden. Es gibt ein großes Netzwerk ehrenamtlicher Helfer. Zu Beginn haben wir vor allem Menschen evakuiert und Flüchtlingslager aufgebaut“, schildert der Theologe.

Menschen verhungern und erfrieren

Vor der zweiten Reise über den Jahreswechsel sammelten die Gemeinde „Gottes Wort“ und Ivan Stukert im Vorfeld 30 000 Euro. Der Gemeindeleiter reiste nach Weihnachten mit dem Bargeld im Gepäck ein zweites Mal nach Donbass. In dem Wissen, dass Nahrungsmittel derzeit das Allerwichtigste für die Menschen sind, kaufte er in der Westukraine: 80 Tonnen Kartoffeln, 20 Tonnen Nudeln, Fleischkonserven und Schnellkochtöpfe. Die Hilfe war und ist bitter nötig. „Innerhalb einer Woche sind dort sicher 100 Menschen gestorben vor Hunger, viele sind auch erfroren“, berichtet Stukert.

Die Eindrücke von seinen Reisen werden den engagierten Christen und Familienvater nicht so schnell loslassen. Auf dem Schulhof einer Schule, in der er mit seinem Team ein Kinderfest zu Weihnachten organisieren wollte, schlug kurz vorher eine Rakete ein. „Wir haben Folie gekauft, die Fenster zugeklebt und das Fest trotzdem gefeiert“, berichtet Stukert. Ganz in der Nähe schlug nachts eine Rakete direkt neben dem Schlafzimmer von drei Kindern ein. „Ich habe die Kinder danach getroffen. Sie konnten gar nicht sprechen, sie stotterten nur vor Angst“, schildert er weiter.

Bereits am 12. März wird Ivan Stukert mit einigen Kollegen ein drittes Mal nach Donbass reisen. Ihm eilen Anfang März zwei Lkw mit Hilfsgütern voraus.

Ein Grund seines Besuchs ist der furchtbare Verlust seines ukrainischen Kollegen Pastor Pavenko. Er verlor zwei Söhne in diesem Krieg. Sie wurden ermordet, zusammen mit zwei Diakonen von Gemeinden. Ein anonymer Anrufer habe gegen eine Erpressersumme die Namen der Mörder angeboten, doch der Vater habe nur wissen wollen: Warum? „Der Mann hat gesagt: ,Wir haben den Befehl bekommen, Christen zu demoralisieren, damit sie nicht mehr aktiv sind in der Stadt’“, so Stukert. Er schildert, es sei den Separatisten ein Dorn im Auge, dass die Gemeinden sich engagieren, und gleichzeitig hätten sie Sorge, dass die Gemeindevertreter als Informanten für die die ukrainische Armee aktiv seien.