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Bochumer Professor fordert mehr Kommunikation zwischen Polizei und Fans

14.11.2012 | 12:26 Uhr
Thomas Feltes ist der Meinung, dass Verbände und Behörden gewaltbereiten Fans mit den falschen Mitteln begegnen.Foto: Oliver Müller NRZ

Bochum.  Der Bochumer Kriminologie-Professor Thomas Feltes spricht im Interview über Möglichkeiten, das Verhältnis zwischen Fußball-Fans und Polizei zu verbessern. Dabei kritisiert er die derzeitige Praxis bei der Vergabe von Stadionverboten und wirft dem DFB unprofessionelles Arbeiten vor.

Professor Thomas Feltes ist Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum. Feltes gilt als Experte für Stadionverbote und Gewalt im Fußball. Der Jurist kritisiert unprofessionelles Verhalten beim DFB und bei der Polizei. Verbände und Behörden würden gewaltbereiten Fans mit den falschen Mitteln begegnen. Bis September 2012 war er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Nach einigen kritischen Äußerungen über die Arbeit der DFL verlor Feltes seinen Posten.

In unserem Interview spricht der 61-Jährige über Gefahr im Stadion, die Kategorisierung von Fans, Probleme bei der Stadionverbots-Praxis und Fehler der Polizei beim Umgang mit Fans. Doch während die Polizei oftmals den Kontakt zu Fans suche, würden sich beispielsweise die Kommunen aus ihrer Verantwortung stehlen. Dadurch bleibe viel Arbeit bei den Ordnungshütern hängen.

Herr Professor Feltes, was ist Ihrer Meinung nach die größte Gefahr, wenn man in Deutschland ein Fußballstadion besucht?

Prof. Thomas Feltes: Das hängt davon ab, ob ich den ÖPNV benutze oder mit dem Auto fahre. Wenn ich mit dem Auto fahre, ist die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall verletzt zu werden, wesentlich größer als die Gefahr, beim Fußballspiel selbst Opfer zu werden. Das Stadion ist ein sicherer Ort , sicherer als die meisten anderen Freizeiteinrichtungen.

Als die Fans des FC Schalke 04 vom Sonderzug zum Dortmunder Stadion geführt wurden, setzte die Polizei einmal kurz einen Wasserwerfer ein. Foto: Stefan Reinke

Im Bochumer Bermuda-Dreieck oder in der Düsseldorfer Altstadt ist die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Raubes oder einer Körperverletzung zu werden um ein Vielfaches höher als im Stadion. Die Probleme, die durch die Medien wabern, sind auf eine relativ kleine Gruppe von gewaltbereiten Fans fixiert.

Sie sprechen die Gewaltbereitschaft von Fans an. Ist die Kategorisierung in A-, B- und C-Fans noch zeitgemäß, wenn man bedenkt, wie viele Menschen in Stadien strömen? Müsste die Kategorisierung nicht viel feiner sein? Im momentanen Modell ist ja der normale, harmlose Stadiongänger schon Kategorie A…

Prof. Feltes: Wir könnten wie bei dem Rating von Banken oder Ländern von „Tripple A“ bis E oder F gehen… Ich halte diese Kategorisierung aber für Humbug. Für einen Kriminologen verbietet es sich, Menschen in irgendwelche Kategorien zu stecken. Aus dem Verhalten in einer konkreten Situation kann ich nur sehr bedingt Rückschlüsse auf zukünftiges Verhalten ziehen. Außerdem hat die ZIS noch nie klarmachen können, wer diese Kategorien überhaupt festlegt und was genau die Kriterien für die Einstufung sind. Das hat ein gehöriges Stück von Beliebigkeit und damit sollte sich die Polizei als staatliche Behörde nicht beschäftigen. Ultragruppen mit choreographischen Inszenierungen fallen so in der Regel in die Kategorie B – egal, ob jemand selbst gezündelt hat oder nicht.

Die Übergänge können doch auch fließend sein. Selbst der bravste Familienvater kann so lange getriezt werden, bis er sich wehrt – und schon ist er Kategorie B oder landet in der Datei "Gewalttäter Sport" ..

Prof. Feltes: Wie bei Wilhelm Busch – „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt“. Wir haben das in Sevilla gesehen , wo auch unbescholtene Dortmund-Fans Opfer von Polizeigewalt geworden und danach dann in einem rechtsstaatwidrigen Verfahren zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden , die hier in Deutschland in das Bundeszentralregister eingetragen wurden. Die haben wir durch die Instanzen begleitet, der Fall geht jetzt vors Bundesverfassungsgericht, weil die deutschen Behörden sich weigern, die Rechtmäßigkeit der Verurteilung zu überprüfen.

Wenn Menschen zusammenkommen, entsteht immer Dynamik . Da spielt natürlich die vorhandene Gewaltbereitschaft eine Rolle. Dabei ist aber wichtig, was die Fans vor Ort vorfinden, also ob man ihnen ein Umfeld bietet, das der Gewaltbereitschaft entgegenkommt oder ob man versucht, andere Lösungen zu finden. Dafür gibt es gute Beispiele, etwa in Köln, auf Schalke, in Bochum und vom Prinzip her auch in Dortmund. Das läuft dann zwar auch ab und zu mal aus dem Ruder, aber vieles hängt davon ab, wie die Polizei vor Ort mit dem Thema umgeht. Da gibt es Modelle, die wir gerne untersucht hätten, wie wir dies bei zurückliegenden Europa- und Weltmeisterschaften zusammen mit Kollegen aus den Niederlanden bereits getan hatten, aber leider haben weder DFB noch DFL Gelder dafür bereitgestellt.

Kommentare
15.11.2012
12:45
Bochumer Professor fordert mehr Kommunikation zwischen Polizei und Fans
von suendenbock | #9

So so, Stadionverbote sind ein eklatanter Eingriff in Persönlichkeitsreche? Wie sieht es denn mit dem Hausrecht der Betreiber aus, welches ist ein...
Weiterlesen

1 Antwort
Bochumer Professor fordert mehr Kommunikation zwischen Polizei und Fans
von Notschrei | #9-1

Der Herr Professor ist Insider, vermutlich sieht er die Spiele aus dem VIP-Bereich

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Bochumer Professor fordert mehr Kommunikation zwischen Polizei und Fans
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2012-11-14 12:26
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