Bochumer Polizist hat das „Missionsvirus“ gepackt

Frank Harder von der Polizei Bochum hat monatelang beim Aufbau der Polizei im Westjordanland mitgeholfen. Er arbeitete in Ramallah.
Frank Harder von der Polizei Bochum hat monatelang beim Aufbau der Polizei im Westjordanland mitgeholfen. Er arbeitete in Ramallah.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Polizeibeamte Frank Harder (57) hat ein Jahr lang im Westjordanland beim Aufbau einer zivilen Polizeiverwaltung mitgeholfen. Jetzt ist er zurück.

Bochum.. „Wenn man so gestrickt ist wie ich und Auslandsaufenthalte liebt und die Arbeit mit internationalen Kollegen schätzt, dann packt einen das Virus. Wir nennen das Missionsvirus.“ Das sagt der Leiter der Polizeiwache Bochum-Mitte, Frank Harder. Der 57-Jährige ist jetzt von einer einjährigen Arbeit in den palästinensischen Gebieten im Westjordanland an seinen normalen Arbeitsplatz an der Uhlandstraße zurückgekehrt.

Seit 1998 war der Erste Polizeihauptkommissar schon zweimal dienstlich in Bosnien und dreimal im Kosovo, fast immer für ein komplettes Jahr. Im vorigen Sommer ging es dann ins Palästinensergebiet im Westjordanland. Seine Mission dort: Aus der dortigen Militärpolizei „eine zivile Polizei moderner Prägung zu machen, wie wir sie in Europa und Nordamerika kennen“. Die Polizeimission heißt „Eupol Copps“ (EU Coordination Office for Palestinian Police Support) und läuft bereits seit 2005. Organisator ist die EU. Neben Harder waren weitere 28 Polizeibeamte aus EU-Staaten sowie Norwegen und Kanada vor Ort.

In Jerusalem gewohnt

Harder wohnte in einer Privatwohnung in Jerusalem. Von dort fuhr er täglich in die 28 Kilometer entfernte palästinensische Hauptstadt Ramallah, wo sein Hauptarbeitsplatz war. Dort half er bei der Entwicklung der Personalverwaltung. „Es gab“, nennt er ein Beispiel, „keine Einstellungsvoraussetzung. Es ist nach Kurfürstenart eingestellt worden.“

Harder entwickelte während seines Einsatzes die Kriterien und Kataloge für Beförderungen, Beurteilungen, Karriereplanung oder das Disziplinarwesen. Zudem kümmerte er sich um Schichtdienste, Aufgabenbestimmungen, Dienstanweisungen, Gewahrsamsordnungen, Beachtung der Menschenrechte und geschlechtliche Gleichbehandlung. „Das war sehr erfolgreich. Wir sind auf große Gegenliebe unserer lokalen Kollegen gestoßen.“ Insgesamt war er an zwölf Polizeistationen im Einsatz. Insgesamt gibt es in den Palästinensergebieten 8200 Polizisten.

Regelmäßige Familienbesuche

Harder trug Uniform mit blauem EU-Barett, manchmal aber auch schusssichere Westen – immer dann, wenn er im gepanzerten Wagen in heikle Gegenden wie Hebron und Nablus fahren musste. „Die Gefahr, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, ist dort groß.“ Auch in Jerusalem war es zeitweise bedrohlich.

Als er dort die Fußball-WM in Brasilien im TV sah, erlebte er einen Raketenangriff und ging in einen Schutzraum. „Ich habe ein bisschen Angst gehabt.“ Damals herrschte dort Krieg. Danach hatte er dort aber „ein ganz normales Leben geführt“. Mit Kino oder Reisen. „Israel ist ein Land mit hohem Freizeitwert.“