Bochumer Medizinstudenten operieren kranke Kuscheltiere

Azem (sechs Jahre) vom evangelischen Kindergarten Trinitatis hilft den „Ärzten“ Laura (l.) und Jonas bei der „Operation“ seines Stofftieres. Die Kinder sollen die Angst vor medizinischer Behandlung verlieren.
Azem (sechs Jahre) vom evangelischen Kindergarten Trinitatis hilft den „Ärzten“ Laura (l.) und Jonas bei der „Operation“ seines Stofftieres. Die Kinder sollen die Angst vor medizinischer Behandlung verlieren.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
250 Kinder brachten ihre Stofftiere in die Ruhr-Uni. Medizinstudenten untersuchten die flauschigen Gefährten fast wie im echten Krankenhaus.

Bochum.. Es war ein Unfall. „Das Bett war einfach zu Ende“, schildert Shaleen aus der Trinitatis-Kita. Teddy Rosi ist des nachts rausgekullert. Jetzt hat sie eine Wunde am Bauch. Ein Glück, dass die fünfjährige Teddybär-Mama ihre Rosi liebhat und mit ihr ins Teddybär-Krankenhaus geeilt ist.

Nach dem Untersuchungsgespräch verbindet Teddy-Doktorin Sonja Wolff den Bauch des großen Bären. Weitere medizinische Maßnahmen: Die Fünfjährige soll viel mit Rosi „kuscheln und knuddeln“ – dann wird alles wieder gut. Schlimmes erlebte auch Nilpferd Oskar. Im Streit hat die Schwester von Ella (5) ihm den Schwanz abgeschnitten. „Das ist eine echt krasse Geschichte“, fühlt Teddy-Doktorin Christina Berns mit. Die 20-Jährige gehört zum rund 80-köpfigen Team des 15. Teddybär-Krankenhauses der Fachschaft Medizin an der Ruhr-Universität.

Kinder von 15 Kindergärten

Die Kinder von 15 Kindergärten sind zu Gast, um ihre Patienten verarzten zu lassen. Andere Kinder nutzen die offene Sprechstunde von 14 bis 15 Uhr. Die Teddy-Doktoren versorgen bis nachmittags rund 250 Kuscheltiere. Ziel der Aktion ist es, den Kindern die Angst vor den Ärzten zu nehmen. „Sie sollen hier mit einem guten Gefühl weggehen und eine positive Erfahrung mit den Weißkitteln in Erinnerung behalten“, sagt Mitorganisatorin Vanessa Behrens. Die Medizinstudenten geben sich viel Mühe, damit der Besuch bei den Teddy-Doktoren eine spannende und lehrreiche Erfahrung für die Kinder wird.

Nach den Einzelgesprächen geht es für manche Patienten zum Röntgen. In großen Pappkartons entstehen handgezeichnete Röntgenbilder von Hunden, Pferden, Teddys oder auch Muppets. Sie vermitteln den Kindern einen Eindruck, welche Knochen sich unter dem Fell ihrer flauschigen Weggefährten verbergen könnten.

Ist die Lage besonders ernst, bleibt nur der Operationstisch. Die Teddy-Chirurgen tragen Mundschutz und sterile Handschuhe. Eine Vollnarkose mit Beatmung ist oft nicht zu vermeiden.

Krankenhaus und Teddyschule

„Es ist interessant zu sehen, dass die Kinder am Anfang oft ganz still sind und im Laufe der Zeit immer lebendiger werden. Sie haben eine tolle Fantasie“, so Behrens von der Fachschaft. Außer dem Krankenhausbetrieb lernen die Kinder auch die Teddy-Schule kennen. In 20 Minuten vermitteln die Studenten Wissen über gesundes Essen, verteilen Häppchen Obst und Gemüse, zeigen ein echtes Skelett, die inneren Organe, die sich unter dem wegklappbaren Bauchfell von Teddybär Bronko verbergen. Abschließend dürfen die Kinder einen echten Rettungswagen besichtigen.