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Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen

14.12.2009 | 19:03 Uhr
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen

Bochum. Nun hat Regierungspräsident Helmut Diegel auch der Bochumer Oberbürgermeisterin reinen Wein eingeschenkt. Für ein neues Konzerthaus fehle der Stadt schlicht das Geld. Priorität hat für ihn der Gesundheitscampus, weil er neue, dringend benötigte Arbeitsplätze garantiere.

Der Plan, in Bochum ein Konzerthaus für die Bochumer Symphoniker zu bauen, für das schon 12,3 Millionen Euro Spenden gesammelt wurden, hat einen Rückschlag erlitten. „Die Stadt kann sich den Bau eines Konzerthauses schlicht und einfach nicht leisten”, erklärte Regierungspräsident Helmut Diegel. Am Montag hatte er sich mit Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz in Arnsberg zum Gespräch getroffen. Dabei machte er kategorisch klar, dass Bochum nicht nur – wie bisher geplant – 100 Millionen jährlich einsparen müsse, sondern laut Diegel „mindestens 40 Millionen Euro mehr”.

Der Regierungspräsident betonte nach dem Gespräch den Rang des in Bochum geplanten Gesundheitscampus, der für die Stadt Bochum 1. Priorität genieße, weil er neue, dringend benötigte Arbeitsplätze für Bochum garantiere.

"Mehr lässt die Finanzlage nicht zu"

Seine deutliche Absage an den Konzerthausbau begründete Diegel mit dem Hinweis auf den Gesundheitscampus: „Aber mehr als ein herausragendes Projekt dieser Größenordnung lässt die Finanzlage der Stadt Bochum eben nicht zu.” Dass Bochum sich dies nicht leisten könne, gelte „für die Investionskosten, aber ausdrücklich auch für die Unterhaltskosten".

Scholz und Diegel verständigten sich darauf, eine gemeinsame Zukunftskommission einzurichten, um zu versuchen, in den nächsten Wochen einen genehmigungsfähigen Haushalt 2010 und ein Haushaltssicherungskonzept, das bis 2015 reicht, zu erarbeiten.

Dabei machte Diegel deutlich, dass die bisherigen Sparbemühungen in Bochum nicht ausreichen. Dort war nach der Sitzung des Hauptausschusses am letzten Freitagabend ein Einsparvolumen von 102 Millionen Euro zustande gekommen, sagte Stadtkämmerer Dr. Manfred Busch. Das Sparziel von nun plötzlich 140 Millionen Euro „erschließt sich mir nicht, ich bezweifle das”, sagte Oberbürgermeisterin Scholz im Gespräch mit der WAZ. „Die Zahlen sind mehr als strittig.”

OB Scholz: "Wir müssen um das Konzerthaus kämpfen"

Auf die Frage, ob der Konzerthausbau damit gescheitert sei: „Ich will es nicht als gescheitert ansehen. Man muss weiter darum kämpfen. Es geht nicht nur um die Spielstätte, sondern um ein großes Stadtentwicklungsprojekt.” Wobei sie auf das geplante Viktoria-Quartier mit verschiedenen Kultureinrichtungen anspielte. Auch Kulturdezernent Michael Townsend und Generalmusikdirektor Steven Sloane haben die „Bochumer Symphonie” trotz der kalten Dusche aus Arnsberg nicht abgeschrieben und äußerten sich zuversichtlich. Sloane: „Totgesagte leben länger.”

Anders die Einschätzung von Wolfgang Cordes, Fraktionsvorsitzender der Grünen: „Das ist definitiv das Aus für das Konzerthaus - für den jetzigen Ansatz. Zur Spielstätte kann der Rat am Donnerstag gar nichts beschließen.” Man könne ja später, wenn die Lage es erlaube, darüber neue Überlegungen anstellen.

Dass die Stadt Bochum nicht 100, sondern mindestens 140 Millionen Euro einsparen soll, bezeichnete Cordes als einen „echten Tiefschlag”. Ein halbes Jahr intensiver Diskussionen sei jetzt Makulatur.

Rolf Hartmann und Werner Streletz

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Kommentare
02.08.2010
16:02
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von Peter | #69

Du meine Güte..gibt es in dieser Stadt keine grösseren Probleme als das Konzerthaus ???
Wir kommen bereits seit 1321 ohne aus..

24.12.2009
10:04
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von sukram | #68

Zum Thema Thürmer-Saal an der Frederikastraße: Das Ding steht tatsächlich leer!!! Jetzt soll mir mal einer erklären, wie so etwas möglich ist, denn mir braucht keiner zu erzählen dass hier beim Bau keine öffentichen Gelder geflossen sind. Angesichts dieser Verhältnisse immer noch ein Konzerthaus zu planen und bauen zu wollen ist skandalös!

Ansonsten gäbe der Thürmersaal einen perfekten Ersatz für das geplante Konzerthaus ab. Braucht man noch mehr Platz bspw. für Probenräume, so tun es auch Bürocontainer, so wie man sie haufenweise auf den Großbaustellen dieses Lands findet.

16.12.2009
18:22
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von sukram | #67

@# 63 & 64: Da stellen Sie sich mal besser die Frage, warum das hier so ist - ich kann jedenfalls das Gelaber über Kultur, Leuchtturm und so weiter nicht mehr hören. Zum einen: Erst kommt das Fressen und dann die Kultur. Zum anderen: Verarlbert worden bin ich schon genug worden und ich verlange von der Politik, sparsam und kostendeckend mit meinen Steuermitteln umzugehen. Genau das passiert hier nicht, statt dessen stellt sich die Politik an wie ein Sozialhilfeempfäneger, der einen Porsche kaufen will.

Wenn hier wirklich noch Baubeschluss gefasst werden sollte, dann werde ich bei denen sein, die auf die Straße gehen zum Protestieren. Irgendwann reicht es nämlich.

Wenn denn schon ein Konzerthaus her muss, dann bitte meinetwegen in die Marienkirche oder in die Turbinenhalle. Beide stehen nämlich leer und sind gut für den angedachten Zweck nutzbar.

16.12.2009
17:46
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von Bochumer Provinzposse | #66

Ach, ist das traurig. Diese ganze elende Diskussion - selbst wenn die das Ding bauen könnten und würden würde Bochum das nicht auf die Kette kriegen. Symbolwirkung, Leuchttürme - das sind doch wirklich Träume von abgehalfterten SPD-Rentnern, die sich hier auf Steuerzahlerkosten ein Denkmal setzen wollen. Katholikenbahnhof von Leo&Goosen? Könnt ihr vergessen, kommt nicht. Da müßte die Stadt Bochum nämlich erstmal die Kanalisation da oben in Ordnung bringen. Wofür dann aber kein Geld da ist. Und Kreativbranche? Mann, das sind alles Einzelkämpfer bzw. gut vernetztes kreatives Prekariat, und das sag ich aus eigener Erfahrung. Dadurch entstehen keine Arbeitsplätze, dadurch hat man höchstens ein paar Transferempfänger weniger. Und wenn dann mal was eigenverantwortlich auf die Beine gestellt wird ist die Stadt ganz schnell dabei das wieder abzuwürgen. Singspielverbot, irgendwer? Hier gibts noch Regeln aus dem 19. Jahrhundert, die dann auch schön bürokratisch angewendet werden. Theater Rottstraße? Ne, Brandschutzverordnung. Bastion am Springerplatz? Platt, Lärmschutzemissionsgesetz, geplättet von SPD-Rentnern denen ihre Nachtruhe mal sowas von wichtiger ist als Kultur für die nächste Generation. Ne is klar, aber die hätten gerne ne Fiedelbude, wo Dortmund und Essen ihre schon nicht vollkriegen, das brauchen wir hier definitiv auch. Dieses ganze Gelaber von der Metropole Ruhr, ich kanns nicht mehr hören. Ruhrpott ist so provinziell wies provinzieller gar nicht geht, und mit einsparungen von 140 Mios pro Jahr wird das auch auf absehbare Zeit so bleiben. Ich für meinen Teil zieh hier weg, denn als Kreativer, der nicht gerade am Schauspielhaus arbeitet ist man hier einfach falsch. Was die großen Plattenlabels die Bochum mal hatte begriffen haben, die sind nämlich schon lange weg. Und wer Otti Scholz und ihren Filz wiedergewählt hat der mag sich dafür an die eigene Nase fassen, denn die haben es verbockt. (Investoreninteresse am Katholikenbahnhof aus NL - geht nicht, da kommt der Parkplatz für den neuen Lidl hin. Ikea-Ansiedlung? Geht nicht, da fühlen sich ja die gut vernetzten drei Hanseln von Möbel Limpinsel auf den Schlips getreten, die da noch in der Innenstadt überteuertes 90er-Glasbaudesign an die paar Gutverdiener hier verticken. Hotel Eden? Wird abgerissen um ner zweistöckigen Spielhalle Platz zu machen. Einzelhändler in der Innenstadt? Ja, wenn man die ganzen 1€-Läden so nennen möchte. Usw., usw.) Berlin ist ja auch arm, aber da muß ich mich dann wenigstens nicht über die beschämend miesen Straßen ärgern, auf die man von jedem auswärtigen Besucher angesprochen wird. Und tschüss, Bochum.

16.12.2009
17:43
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von befürworter.20000 | #65

Sich angesichts des Tonfalls der Beiträge Bitternis und Sarkasmus zu verkneifen, fällt schon verdammt schwer, aber mit Bekundungen dieser Qualität fertig zu werden, ist leider das tägliche Geschäft unserer Politiker, aber auch der Freunde der neuen Spielstätte. Am Ende vergiftet uns diese Atmosphäre hoffentlich nicht noch selbst.

Denn 20.000 Spender haben sicherlich nicht für das Konzerthaus gespendet, weil sie die Eintrittspreise der Konzerthäuser in den Nachbarstädten aus der Westentasche bezahlen können. Und auch die anderen, denen der Weg bis nach Duisburg weder zu weit noch zu kostspielig ist, wollen keinen unbezahlbaren Musentempel für Superreiche, sondern einen angemessenen Ort für die tägliche Arbeit unseres Bochumer Orchesters.

Weiß die so gut informierte Leserschaft eigentlich, was ihr eigener Arbeitsplatz bei Opel, im Rathaus oder in einer Buchdruckerei kostet: Bau, Installationen, Ausstattung, notwendige Produktions- und Laboreinrichtungen ? Nachrechnen lohnt sich. Und haben die Musiker kein Recht auf einen angemessenen Arbeitsplatz ? Schulen und Kindergärten müssen natürlich anforderungsgerecht ausgestattet sein. Aber zählt die klassische Musik zu den öffentlichen Aufgaben mit dem geringeren Stellenwert ?

Wer das Orchester grundsätzlich bejaht, weil ihm das ideelle Wohl der Menschen ebenso wichtig ist wie das materielle, kann sich nicht gegen angemessene Arbeitsbedingungen wehren, wie sie jeder von uns von seinem Arbeitgeber auch einfordert. Die Presse sollte die heutigen Zustände einmal aufarbeiten. Die neue Spiel- und Produktionsstätte will, wie jede andere Ersatzinvestition auch, an der Viktoriastrasse endlich die für den Musikbetrieb und seine Besucher notwendigen Voraussetzungen schaffen. Mehr nicht.

16.12.2009
15:13
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von musikmachtsinn | #64

Eigentlich ist dieses Forum das beste Beispiel dafür, wie dringend in Bochum Bildung und Kultur fehlt. Es ist doch einfach bitter, wenn hier selbsternannte Experten gegen eine Spielstätte für die Symphoniker wettern, aber keine Ahnung haben, was sich in Bochums Kulturleben so tut, etwa dass der ThürmerSaal schon seit geraumer Zeit für die Symphoniker nicht mehr zur Verfügung steht. Hier werden aus dem blauen Dunst Dinge behauptet, miteinander verglichen und bewertet, die nichts,aber auch gar nichts miteinander zu tun haben. Glaubt denn tatsächlich irgendeiner hier, dass, falls das Haus nicht gebaut wird, das Geld in das so oft beschrieene ominöse Soziale fliessen wird? Wie naiv kann man denn sein? Die Entscheidung, das Haus ins Marienviertel zu bauen, hat andere Unternehmer (z.B. Herrn Thürmer) überhaupt erst auf die Idee gebracht, ihr Geld wieder/weiter in Bochum zu investieren. Und die Kollegen Gastronomen aus dem BermudaDreieck setzen sich sicher nicht so für das Haus ein, weil sie alle gerne Klassik hören, sondern weil sie sich frischen Wind, Umsätze und zahlendes Publikum erwarten. Nur vom Klientel der Krisenhilfe kann keiner leben.

16.12.2009
12:40
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von AntiUmzug | #63

Es ist eigenartig, wie viel Bochumer mit unserer Stadstpitze nicht einerstanden sind. Wer hat sie denn mit so überrragender Mehrheit gewählt. Langsam muss man den Eindruck haben, dass es bei der letzten Kommunalwahl nicht mit rechten Dingen zuging. Die Mauscheleien und die prekäre Finanzlage sind ja nicht erst seit gestern bekannt.
Da werden renommierte Schulen geschlossen. Die restlichen Schüler in eine verseuchte Schule geschickt, die nächsten Schulschließungen (Hans-Bökler und Graf-Englebert liegen schon auf dem Tisch).
Love-Parade, Bochum macht jung, Platz des europ.Versprechens...
Sind die Bochumer wirklich so dumm, diese OB mit über 50% gewählt zu haben. Manchmal kann ich das gar nicht glauben. So blöd kann doch keiner sein.
Immerhin meckert fast 100% der Bevölkerung gerade über diese OB.

16.12.2009
08:04
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von BochumTotalimArsch | #62

Rücktritt, Frau Oberbürgermeisterin! Jetzt erst reinen Wein apropos Finanzlage eingeschenkt bekommen? Wie ich in der WAZ lese, war offensichtlich schon im Frühjahr bekannt, dass das Konzerthaus aufgrund der angespannten Haushaltslage nicht finanzierbar ist. Und dann hübscht die Verwaltungsspitze den Haushalt auf. Ein kaufmännisches No-Go! Egal wie man zum Konzerthaus und zur LoveParade steht: Alles wird vermurkst und Bochum macht sich lächerlich.

16.12.2009
05:23
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von juist | #61

Frage an die OB, den GMD und den Dezernenten für Kultur: Habe jeden Monat Einnahmen von 1.500,00 €, möchte aber gerne 2.000,00 € ausgeben. Was soll ich tun ?

15.12.2009
23:27
Bochumer Konzerthaus muss Gesundheitscampus wohl den Vortritt lassen
von radunkel | #60

Fragt doch mal den Posträuber zum Winkel, vielleicht spendet er ja den Rest.
Genug hätte er ja und Bochum kennt er ja auch schon. Sogar fast aus der Nähe der geplanten und hoffentlich nie zu verwirklichenden Fidelbude-Idylle, der Viktoriastr.

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