Bochumer Jugendliche möbeln das eigene Leben auf

Michaela Tomaschewski, Matthias Jakob, Daniel Matchenko und Timo Fischer (v.li.) bereiten den Keller vor, der bald zur Werkstatt werden soll.
Michaela Tomaschewski, Matthias Jakob, Daniel Matchenko und Timo Fischer (v.li.) bereiten den Keller vor, der bald zur Werkstatt werden soll.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Was wir bereits wissen
Verein plant Werkstatt, in der aus weggeworfenen Materialen Neues entstehen soll. Jugendliche entdecken durch die Arbeit ihre verborgenen Fähigkeiten.

Bochum-Langendreer.. Alten Möbeln und eigentlich für den Müll bestimmten Materialien neues Leben einhauchen und dabei auch das eigene Leben wieder auf Kurs bringen – das sollen Jugendliche in der geplanten Upcycling-Werkstatt des Vereins Die Flotte. Beim Upcycling geht es darum, Abfallprodukte oder scheinbar nutzlose Stoffe in neuwertige Produkte umzuwandeln und somit auch Müll zu vermeiden.

„So wollen wir den Jugendlichen auch ökologische Nachhaltigkeit vermitteln“, sagt Michaela Tomaschewski, Geschäftsführerin der Flotte. Der Verein unterstützt seit gut zwei Jahren ehemals obdachlose oder auf die schiefe Bahn geratene Jugendliche und junge Erwachsene bei ihrem Neustart in ein geregeltes Leben. Im Flotten-Haus an der Hauptstraße leben derzeit fünf Jugendliche in zwei Wohngemeinschaften.

Im Keller des Gebäudes soll die Werkstatt entstehen. Die dafür vorgesehenen Räume müssen allerdings erst saniert und entsprechend hergerichtet werden – in Zusammenarbeit von Betreuern und Jugendlichen. „Das ist schon Teil des Projekts“, so Matthias Jakob, der die Werkstatt leiten wird. „Momentan suchen wir noch nach Spenden“, sagt Tomaschewski. „Eigentlich brauchen wir jegliche Handwerksmaterialien, angefangen beim Putz bis hin zu Werkbänken. Und natürlich auch immer Geld.“

Unterstützung beim Neustart

Wenn die Werkstatt einmal steht, sollen dort vor allem individuelle Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände für die Wohngemeinschaften im Flotten-Haus entstehen. „Als wir mit den Jugendlichen darüber sprachen, kamen sie gleich am nächsten Tag mit vielen Ideen zu mir“, erzählt Jakob. Vor allem Paletten aus Holz stehen bei den Bewohnern hoch im Kurs. Sie sollen in Regale, Tische oder eine Couch umgewandelt werden.

„Das Arbeiten in der Werkstatt soll für die Kids eine Erprobungsphase sein, in der sie ihre eigenen Fähigkeiten kennenlernen“, sagt Tomaschewski. Die Jugendlichen sollen ihre Stärken und Schwächen ausloten. Aber auch schlummernde Talente entdecken und sicherer werden, was ihren weiteren Lebensweg betrifft – etwa, welche Ausbildung für sie die richtige ist. „Wir wollen Berufsbilder näher bringen. So können wir gezielter in Praktika vermitteln“, sagt Tomaschewski.

Gleichzeitig sollen aber auch soziale Kompetenzen geschult werden, etwa das Arbeiten im Team. Die Jugendlichen, die meist auf der Straße gelebt haben, bevor sie bei der Flotte eine neue Heimat gefunden haben, steuern so behutsam zurück in ein strukturiertes Leben.