Bochumer Jahrhundertzeugin Klara Voßnacke wird 106 Jahre alt

Klara Voßnacke (106) in ihrem Zimmer im Seniorenheim in Linden mit ihrem Sohn Erich (75).
Klara Voßnacke (106) in ihrem Zimmer im Seniorenheim in Linden mit ihrem Sohn Erich (75).
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Klara Voßnacke, zweitälteste Bochumerin, wird am Samstag 106 Jahre alt. „Sie hat sehr gesund gelebt“, sagt ihr Sohn Erich (75).

Bochum.. Klara Voßnackes Geburt ist sehr, sehr lange her. Die großen legendären Entdecker kämpften sich damals gerade zu den Erdpolen vor. Kaiser Wilhelm II. und der schwedische König Gustav V. weihten die „Königslinie“, eine Eisenbahn-Fährverbindung von Rügen nach Schweden, ein. Und Thomas Mann veröffentlichte gerade einmal erst seinen zweiten Roman. 106 Jahre ist das jetzt her. Und genau so alt wird am heutigen Tage Klara Voßnacke aus Linden.

Herzlichen Glückwunsch!

Geboren wurde Klara Wilhelmine Voßnacke, Tochter von aus Ostpreußen stammenden Eltern, in Hamme. Sie war die drittälteste von elf Geschwistern. Seit ihrer Heirat 1938 mit einem Bergmann der Zeche „Dahlhauser Tiefbau“ lebt sie in Linden. Als erstes Kind kam ihr Sohn Erich zur Welt. Bis heute sind die beiden unzertrennlich. Fast täglich besucht der 75-Jährige seine Mutter im Augusta-Seniorenheim für eine Stunde. Wenn er kommt, streichelt er ihr manchmal über das silbrig-weiße Haar und spricht sehr laut, denn die Ohren der Jahrhundertzeugin haben sich genauso verschlechtert wie ihre Augen.

„Sie war immer zufrieden und ruhig“

Erst seit rund einem Jahr ist die zierliche Dame auf den Rollstuhl angewiesen. Aber bis etwa Mitte 90 konnte sie noch selbstständig und allein Kleinigkeiten einkaufen gehen und täglich die WAZ lesen. Ihren 100. Geburtstag feierte sie noch in ihrer eigenen Wohnung. „Sie hat sehr gesund gelebt, nicht geraucht, kein Alkohol“, sagt ihr Sohn, ein Maschinenbautechniker. „Sie war immer zufrieden und ruhig.“ Nie in ihrem Leben sei sie richtig krank gewesen. Aktiven Sport habe sie aber nie betrieben.

Hochbetagte Unterhaltungen sind auch heute weiter möglich, wenn auch eingeschränkt. „Da ist noch was drin, aber man muss es ihr entlocken“, sagt ihr Sohn. „Auf einmal kommen Antworten, da legst du dich nieder.“ Singen kann sie auch noch. „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zuhaus“, sang sie in dieser Woche. Auch das so herzige Lindenbaum-Lied kommt ihr spontan über die Lippen: „Am Brunnen vor dem Tore...“

Ihr ganzes Leben hat die 106-Jährige in Bochum verbracht. „Hier spielt sich alles nur in Bochum ab bei uns“, sagt ihr Sohn. Vor ihrer Heirat hatte seine Mutter im Haushalt des Direktors des Bochumer Vereins gearbeitet. Später war sie in der Hauptsache Hausfrau und Mutter zweier Kinder. Ihre Tochter ist heute 73. Eine Schwester von ihr lebt auch noch; sie ist erst 90. Ihr Ehemann ist allerdings bereits 1987 verstorben. Ein Foto von ihm steht im Regal auf ihrem Zimmer.