Bochumer Gewerkschaften mangelt es nicht an Nachwuchs

Auch viele junge Beschäftigte treten in den Gewerkschaften für ihre Interessen ein: hier beim Streik 2015 im Sozial- und Erziehungsdienst.
Auch viele junge Beschäftigte treten in den Gewerkschaften für ihre Interessen ein: hier beim Streik 2015 im Sozial- und Erziehungsdienst.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Auch nach 150 Jahren funktionieren die Arbeitnehmervertretungen. Ein Grund ist das neue politische Engagement vieler junger Menschen. Nachholbedarf besteht noch bei den Hochschulen.

Bochum.. Vor 150 Jahren wurde die erste deutsche Gewerkschaft gegründet. Seither hat sich das Gewerkschaftsleben selbstredend drastisch verändert. Doch an Nachwuchs mangelt es den Organisationen auch nach 150 Jahren nicht. Ganz im Gegenteil: Offenbar erleben die Arbeitnehmervertretungen in Bochum eine neue Hochkonjunktur.

Anders als andere Großorganisationen seien die Gewerkschaften seit 2011 wieder im Wachstum, erklärt Falco Blumenthal, Jugendsekretär bei der IG Bauen, Agrar und Umwelt: „Der Jugend- und Studentenbereich sorgt bei vielen Gewerkschaften für ein Plus.“

Einen möglichen Grund sieht er in der neuen Form der Protestkultur. Aus der Bildungsstreikbewegung sei für viele der Anstoß gekommen, zwar eigene Projekte durchzuführen, aber auch auf eine gemeinsame Struktur zurückgreifen zu können. So wandele sich die Gewerkschaft zur einer Organisation, in der viele junge Menschen selbst Projekte realisieren können. Blumenthal: „Die Gewerkschaften werden so zu dem, was sie vor 150 Jahren mal waren. Es wird sich wieder zusammengesetzt und diskutiert.“

Auch die IG Metall habe keine Nachwuchssorgen

Auch Eva Kerkemeier von der Industriegewerkschaft Metall sieht in der Jugendarbeit wenig Nachholbedarf: „Wir haben mehr als 2100 junge Menschen in unserer Bochumer Gewerkschaft.“ Diese seien zudem hoch engagiert. Die Jugendlichen merkten, dass man sich einmischen könne, dass man sie genauso ernst nehme wie alle anderen. Ein weit größeres Problem sieht sie in den fehlenden Ausbildungsplätzen durch das Verschwinden größerer Betriebe in ihrem Bereich, beispielsweise Opel oder Outokumpu. Mit weniger Lehrstellen kämen weniger Azubis in die Gewerkschaft.

Als ein sehr wichtiges Thema sieht der Jugendbildungsreferent des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Nils Padberg, ebenfalls die ausstehende Arbeit an den Hochschulen. Denn anders als die Azubis kämen Hochschulabsolventen erst viel später in Kontakt mit dem Berufsleben und damit mit der Gewerkschaft, obwohl viele Studenten schon neben dem Studium arbeiteten. Doch auch in diesem Bereich gebe es einige Bemühungen. „Bei der Ruhr-Universität gibt es jetzt eine DGB-Hochschul-Gewerkschaftsgruppe. Diese hat beispielsweise die Arbeitssituation der Hilfskräfte an der Universität zum Thema“, berichtet Nils Padberg.