Bochumer Gesamtschulen integrieren Flüchtlingskinder

Auch an der Erich-Kästner-Gesamtschule werden die Flüchtlingskinder in die normalen Klassen integriert.
Auch an der Erich-Kästner-Gesamtschule werden die Flüchtlingskinder in die normalen Klassen integriert.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
An den vier städtischen Gesamtschulen kommen Flüchtlingskinder in die normalen Klassen. Klassenstärke wächst. An jede Schule kommen 15 Kinder.

Bochum.. An der Hans-Böckler-Realschule und der Liselotte-Rauner-Hauptschule haben sie schon viele Jahre gute Erfahrungen mit Integration statt Segregation. Dort kommen schon mehr als zehn Jahre Flüchtlingskinder sofort in Regelklassen. Sie nehmen am normalen Unterricht teil, bekommen darüber hinaus aber zusätzlichen Deutschunterricht. „Das Konzept hat sich bewährt“, sagt Walter Sembritzki, Schulleiter der Hans-Böckler-Realschule dazu. Es hat sich zudem herumgesprochen, dass die Kinder davon profitieren. Nun wollen auch die vier städtischen Gesamtschulen Verantwortung für nicht Deutsch sprechende Kinder und Jugendliche übernehmen.

Sie sind ebenso bereit, diese Schüler und Schülerinnen in ihre Regelklassen zu integrieren. 15 Kinder sollen zunächst an jede Gesamtschule kommen. „Auch wenn das vielleicht dazu führt, dass dadurch die Klassenstärken auf 30 Schülerinnen und Schüler anwachsen“, sagt Walter Bald, Schulleiter der Erich-Kästner-Gesamtschule. „In Fächern wie Kunst, Musik oder Sport sind die Kinder schnell integriert. Wöchentlich acht bis zehn Stunden erhalten die nicht Deutsch sprechenden Kindern zudem außerhalb des Regelunterrichtes intensiv Deutsch als Zweitsprache in kleinen Gruppen. Dafür hat die Ifak ihre Unterstützung zugesagt. Sie schicken Honorarkräfte. Ansonsten könnten wir das nicht leisten. Das ändert sich vielleicht, wenn wir entsprechende Lehrerstellen bekommen. 300 sollen es landesweit werden.“

Kollegien nehmen zusätzliche Arbeit in Kauf

In ihrer gemeinsamen Erklärung lehnen die Gesamtschulkollegien und die Ifak die Bildung sogenannter Seiteneinsteiger-Klassen ab. In Seiteneinsteiger-Klassen werden die Flüchtlingskinder unter sich unterrichtet und sollen so viel Deutsch lernen, bis sie am Regelunterricht teilnehmen können. „Wir fürchten“, sagt der Ifak-Vorsitzende Ulrich Pieper, „dass dieser Ansatz genauso erfolglos verläuft wie die Vorbereitungsklassen der 1970er Jahre, weil nach Besuch solcher Klassen kein Platz in Regelklassen zur Verfügung steht.“

Die Kollegien der Gesamtschulen nehmen zusätzliche Arbeit in Kauf um den zugewanderten Kindern schnell eine Chance zu geben, die deutsche Sprache zu lernen und sich in die Gesellschaft zu integrieren. „Aber allein die Gesamtschulen können das Problem nicht stemmen“, sagt Pieper. „Wir sehen die anderen Schulformen ebenso in der Pflicht. Die optimale Förderung von zugewanderten Schülern ist eine gemeinsame, solidarische Aufgabe, für alle Teile der Gesellschaft. Wir bieten den anderen Bochumer Schulen ebenfalls unterstützende Maßnahmen an.“