Bochumer Firma „discarvery“ - Umbauspezialisten für Busse

Der „Ur-Bus“ lässt auch das Herz von Sebastian Hoffmann (l.) und Peter Krawietz höher schlagen. Sie bieten Umbauten des T5-Modells an.
Der „Ur-Bus“ lässt auch das Herz von Sebastian Hoffmann (l.) und Peter Krawietz höher schlagen. Sie bieten Umbauten des T5-Modells an.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Sebastian Hoffmann und Peter Krawietz haben sich selbstständig gemacht. Ihre Firma „discarvery“ bietet Camping-Umbauten des VW Transporters T5 an.

Bochum.. Selbstständig sein. Davon haben Sebastian Hoffmann (32) und Peter Krawietz (27) geträumt. Und womöglich haben sie den besten Weg gefunden, sich beruflich auf eigene Füße zu stellen. Sie tun das, woran ihr Herz hängt. Beide sind begeisterte Wassersportler – Surfer, um genau zu sein – und beide schätzen VW-Busse als Fortbewegungs- und Übernachtungsmöglichkeit, den ersten eigenen Bus hat Hoffmann mit 17 bekommen und ihn umgebaut. Busse der Modellreihe T5 so einzurichten, dass sie den Anforderungen ans Campen und Reisen bestmöglich genügen, damit beschäftigt sich das Duo nun auch beruflich.

Vor gut zwei Jahren hatten sie die Idee für das Projekt, haben nach reiflicher Überlegung und dem Erstellen eines Businessplans allen Mut zusammen gefasst, ihre Jobs gekündigt und dann die Firma mit dem beziehungsreichen Namen „discarvery“ gegründet. „Es war gar nicht leicht, einen passenden Namen zu finden“ sagen sie. Aber die Kombination aus „discovery“ (Entdeckung) und „car“ (Auto) ist ebenso gewitzt wie das Hintergrundbild auf der ersten Seite ihrer Website. Sie zeigt eine schnurgerade Straße in einer verlassenen Landschaft, möglicherweise auf Island, und weckt unweigerlich die Entdecker- und Reiselust. Die Assoziation ist so schlicht wie genial: Wer dahin oder an vergleichbare Orte will, der sollte gut und flexibel ausgestattet sein.

Aufschneiden des Daches ist Kunst für sich

Mit einem Campingbus etwa. Die beiden Jungunternehmer glauben, dass sie sich mit ihren Angeboten auf dem dichtgedrängten Markt von Wohnmobilanbietern sehen lassen können. Zumal sie keine Fahrzeuge bauen, sondern ein Modell – nach Kundenwünschen – umbauen. „Wir haben viel positive Resonanz auf unsere Idee bekommen“, sagen sie. Denn nach wie vor sei die Nachfrage nach mobilen Wohn- und Schlafstätten immens. „Das ist ein riesiger Wachstumsmarkt.“

Beim Umbau greifen sie auf ihre Erfahrung als Camper zurück, aber auch auf berufliche Praxis. Beide haben eine Tischler- und Technikerausbildung absolviert, Peter Krawietz zudem eine Zeit lang bei einem Wohnmobilausrüster gearbeitet. Dabei hat er unter anderem gelernt, den vielleicht wichtigsten und jedenfalls folgenschwersten Fall beim Umbau eines T5 zu beherrschen: das Aufschneiden des Daches eines wahlweise neuen oder gebrauchten Fahrzeugs. „Da muss man schon ganz genau wissen was man tut“, sagt Kompagnon Sebastian Hoffmann. Auf das wie eine Sardinenbüchse aufgeschnittene Dach kann eine flexible Haube gesetzt werden – ein aufstellbares Faltdach, in das ein Bett integriert ist. Dazu gibt es Tisch, Sitzbank, Spüle, Kühlschrank, Regale und vieles mehr, was das Kundenherz begehrt. Und das alles so kompakt wie möglich angeordnet.

Wohn- oder Schlafbus, das ist immer die Frage

Zwei Umbau-Grundvarianten bietet „discarvery“ momentan an, die in der Werkstatt an der Robertstraße in Hamme erstellt werden: den Wohnbus, eine vollausgestattete Campingbus-Variante, und den Schlafbus, der sowohl als Camper als auch für den täglichen Gebrauch genutzt werden kann. Die Module für die Innenausstattung werden nach den genauen Vorgaben der beiden Bus-Spezialisten von einer beauftragen Bochumer Schreinerei maßgerecht angefertigt.

Wer ein Fahrzeug haben möchte, so Hoffmann, der müsse ganz zu Anfang erst einmal entscheiden, ob es ausschließlich fürs Campen oder auch für den täglichen Gebrauch genutzt werden soll. Danach richte sich alles. Als Basis diene in der Regel ein Transporter, also ein Handwerkerfahrzeug und kein ausgebautes Modell. Aus dem nämlich müsste vor dem Umbau erst einmal ein großer Teil des Interieurs wieder heraus. Ein komplett umgebautes Neufahrzeug koste etwa 40.000 Euro, ein umgebauter gebrauchter Bus weniger.

So ein „Gebrauchter“ ist etwa der Referenzbus, den die beiden zunächst einmal gebaut haben. „Wir müssen ja auch zeigen, was wir können.“ Gut 33.000 Euro soll das Modell kosten, das jetzt zum Verkauf steht, nachdem es seinen wichtigsten Zweck erfüllt hat. „Es hat sich rentiert, dass wir dieses Auto umgebaut und unser gesamtes Leistungsangebot präsentiert haben,“ sagt Sebastian Hoffmann.