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Bochumer Filmteam hilft, ungeklärte Kriminalfälle aufzuklären

30.10.2009 | 18:25 Uhr
Bochumer Filmteam hilft, ungeklärte Kriminalfälle aufzuklären

Bochum. Wenn Schauspieler Kriminalfälle nacherzählen oder Reporter mit versteckter Kamera auf die Pirsch gehen, könnte es sein dass dieser Einspielfilm aus Bochum kommt. Hier arbeiten Andreas Keuntje und seine Kollegen von „Die FilmFirma” für viele Fernsehsender.

Der Holzklotz, der am 3. April 2008 in Oldenburg eine junge Mutter von der Autobahnbrücke herab umbrachte, fiel noch einmal: am Bochumer Sheffieldring. Dort stellte „Die FilmFirma” aus Bochum das Verbrechen nach für die WDR-Sendung „Kriminalreport”. Sie ist spezialisiert auf so genannte Einspielfilme, in denen Schauspieler die jeweilige Geschichte nacherzählen.

Eher versteckt im Hinterhof an der Hochstraße arbeitet das junge Team seit Mai vergangenen Jahres und hat sich am Markt behaupten können. Gründer Andreas Keuntje (45) und seine vier Mitarbeiter haben in kurzer Zeit den Fuß in mehreren Türen verkeilt: Verbraucher-Reportagen für „Markt” (WDR), Einspieler für „Markus Lanz” (ZDF) und den „Kriminalreport” sowie „Menschen - das Magazin” (ZDF).

Er dichtete auch mal für Harald Schmidt

Bis es dazu kam, hat der Bochumer viele Umwege genommen. „Zuerst wollte ich Rock'n'Roll-Star werden”, beschreibt er seine Musikerphase mit diversen Bands Ende der 80er Jahre. „Wir kamen 1990 zurück von einer Brasilientour mit ,Sign'; ich hatte keine Kohle, mein Kühlschrank in der Studentenbude war leer. Da beschloss ich, was Anständiges zu werden.”

Damals startete die „Ruhrwelle” in Bochum. Keuntje überzeugte die überwiegend alten Herren unter den Programmmachern von seiner musikalischen Beschlagenheit mit einem Interview mit dem „Extrabreit”-Gitarristen Stefan Kleinkrieg. Ein Radio-Volontariat machte er dann in Baden („die waren weiter”), der Abschied vom Studium. Ein paar Jahre arbeitete Keuntje bei verschiedenen Ruhrgebiets-Sendern: „Irgendwann fand ich's langweilig”. Ein neues Kapitel blätterte auf, als er sich Harald Schmidt, Ende der 90er Jahre noch bei SAT1, als Sketche-Texter anbot und engagiert wurde. Pro Gag gab's 175 Mark, „aber nur, wenn er auch genommen wurde”.

Bochum, 28.10.2009: Andreas Leuntje (re.) produziert mitunter für den Kriminalreport des WDR Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool

 Einmal bei SAT1, versuchte der Bochumer dort sein Glück im journalistischen Bereich und begann bei einem Regionalmagazin; ein Jahr später wechselte er zu RTL, verdingte sich bei den Boulevardformaten „Exklusiv” und „Extra”. Acht Jahre hielt Andreas Keuntje durch, bis letztes Jahr. Im Mai klopfte er bei den Öffentlich-Rechtlichen an und landete beim WDR. Fortan ging er für die Verbrauchersendung mit versteckter Kamera auf die Pirsch. „Die Beiträge waren alle selbst gestrickt, von der Idee bis zum fertigen Film.” – Die Geburtsstunde seiner Filmfirma.

Zehn Autoren suchen sich die Themen unter den unaufgeklärten Fällen

Als Dr. Michael Heiks mit TV plus den „Kriminalreport” ins Leben rief und eine Filiale in Bochum eröffnete, begann laut Keuntje eine „wunderbare Freundschaft”. Den Büroräumen der Medienfabrik Lothringen war das junge Unternehmen entwachsen, in Heiks Nachbarschaft in Wattenscheid gab's freie Kapazitäten. Die Filmfirma zog um an die Seite seines späteren Kollegen. Zehn Autoren suchen sich die Themen selbst aus unter den unaufgeklärten Fällen innerhalb von NRW. Dazu zählte auch der Serienvergewaltiger von der Bochumer Uni. Keuntje hat zu dem eine eigene Theorie: „Entweder sitzt er in Haft oder hat eine Freundin, weil er so lange nicht mehr zugeschlagen hat.”

Die nächste Staffel „Kriminalreport” startet am 9. November. In diesen Tagen drehte das Team dafür in Velbert den Fall „Kassandra” nach, das kleine Mädchen, das misshandelt und in einen Gullyschacht geworfen worden war. Versucht wird, an Originalschauplätzen zu drehen, doch oft werden Szenen auch in Bochum nachgestellt, wie im Fall der im Sauerland ermordeten Kardelen: Da wurde in Grumme gedreht. Darsteller kommen oft vom Schauspielhaus.

„Fernsehen ist grauenhaft”, sagt Keuntje, der es wissen muss. Träume hat er aber immer noch: „Ein tägliches Format zu verkaufen, das anspruchsvoll ist. Investigativer Journalismus, da hingehen, wo es wehtut.”

ONLINE www.diefilmfirma.tv

Sabine Vogt

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