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Bochumer Feuerverzinkerei produziert für die ganze Welt

17.01.2016 | 12:00 Uhr
Aus großer Höhe ist das frisch verzinkte Stahlband unten im Turm der Verzinkerei gut zu erkennen. Die Bänder sind zwischen 800 und 1650 Millimeter breit. 2017 wird die FBA7 25 Jahre alt. Fotos:Gero Helm

Bochum.  Die 70 Meter hohe Feuerverzinkerei von Thyssen-Krupp an der Essener Straße ist ein Erfolgsmodell. Die WAZ hat das Werk besucht.

Direkt an der A40 ragt einer der erfolgreichsten Arbeitsplätze Bochums in den Himmel. Er heißt FBA7 und ist ein gigantischer Industriekoloss. Mit seinen 70 Höhenmetern ist er das vierthöchste Gebäude Bochums und damit ein im ganzen Ruhrgebiet weithin sichtbares Markenzeichen der Stadt.

„FBA“ ist die Abkürzung für die „Feuerbeschichtungsanlage“ des Thyssen-Krupp-Werks zwischen Essener Straße und A40 – die Feuerverzinkerei. Dort wird ein Stück Weltklasse made in Bochum korrosionssicher gemacht, rostsicher: Spitzen-Stahlbänder aller Art, die später etwa zu Motorhauben und anderen Karosserieteilen weiterverarbeitet werden für BMW, Audi, VW, Daimler, Toyota und andere Hersteller. Oder sie werden als Hightech-Stähle eingesetzt, die die Unfallsicherheit in Pkw erhöhen. Aber sie finden sich auch in Hausgeräten, Schaltschränken, Stahlfässern oder als Garagentore wieder.

In der FBA7 brummt es richtig. Sie ist 365 Tage im Jahr in Betrieb, Tag und Nacht. Die 85 Mitarbeiter arbeiten in fünf Schichten. „Wir können mit unserer Anlage die höchsten Oberflächenqualitäten herstellen, die unsere Kunden wünschen“, sagte der Leiter der FBA 7, der Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur Dr. Carsten Groß. Die Bänder und Bleche sind danach lackierbar, schweißbar, umformbar und klebbar. Aufgrund der Nachfrage herrscht volle Auslastung.

Die FBA7: Nur Exzenter- und Bominhaus und Funkturm sind in Bochum höher. Foto: Gero Helm

„Du hast ‘nen Pulsschlag aus Stahl!“ – Was die FBA 7 angeht, stimmt Grönemeyers „Bochum“-Hymne auch heute noch.

Der Turm der Verzinkerei ist deshalb so hoch, weil die Stahlbänder unmittelbar nach dem Verzinken senkrecht in die Höhe gezogen werden, damit sie mit Hilfe von Gebläsen abkühlen können. Nur so wird der Zink auch hart.

Die ganze Prozedur verläuft, stark verkürzt, so: Aus den Brammen, den rohen Stahlblöcken, die in unterschiedlicher Güte aus den Stahlwerken Duisburg kommen, werden bei Thyssen-Krupp in Bochum Stahlbänder unterschiedlicher Dicke und Breite zurechtgewalzt. Ungeheure Kräfte walten dabei: Der Stahl wird mit bis zu 2000 Tonnen Gewicht gewalzt und zugleich mit bis zu 40 Tonnen Zugkraft gezogen. Danach ist er nur noch zwischen 0,5 und 2,7 Millimeter dünn. Nach mehreren speziellen Behandlungen geht es in die 330 Meter lange Feuerverzinkung. Dort werden die Stahlbänder gereinigt und in einem riesigen Glühofen bei ca. 820 Grad zum Glühen gebracht, damit sie spannungsarm werden.

Nun durchlaufen sie einen Zinkpott mit 480 Grad heißer flüssiger Zinkschmelze. Nachdem die Bänder im 70-Meter-Turm abkühlen, kommen sie ein weiteres Mal in eine Walze: Dort erhalten sie bei ca. 800 Tonnen Walzkraft eine raue Oberfläche. Schließlich werden sie geölt, am Rand beschnitten („Besäumen“), auf 100-prozentige Fehlerfreiheit untersucht und verkaufsfertig in „Coils“ zusammengerollt. Diese sehen aus wie Papierrollen, nur dass sie 12 bis 30 Tonnen wiegen und, komplett auseinandergewickelt, mehrere Kilometer lang sind.

Pro Schicht arbeiten in der FBA 7 nur elf Mitarbeiter, tagsüber einige mehr. Trotzdem werden dort 45 000 Tonnen Stahlbänder pro Monat verzinkt. Erst 2014 hat Thyssen-Krupp Steel Europe zehn Millionen Euro in die technologische Weiterentwicklung der Anlage investiert.

Kurt Motte, ein Mann der ersten Stunde in der FBA7, mit den fertigen Coils.

Ein Stahlwerk gibt es in Bochum nicht mehr, nachdem das benachbarte Edelstahlwerk „Outokumpu“ im Juni 2015 dicht machte. Thyssen-Krupp aber blieb dort und ist immer noch einer der größten Arbeitgeber der Stadt, TK hat auch viele der Outokumpu-Mitarbeiter übernommen. Auf dem Grundstück sind eine Warmbandstraße in Betrieb, zwei Beizen, eine Kaltwalzstraße, eine elektrolytische Verzinkungsanlage sowie weitere Anlagen zur Stahlveredelung und ein Ausbildungszentrum. Und eine eigene Werksfeuerwehr und ein eigener betriebsärztliches Dienst sind dort auch vorhanden. Insgesamt 2050 Mitarbeiter (davon 150 Azubis) haben dort Arbeit. Außerdem betreibt der Weltkonzern in Bochum den Standort an der Castroper Straße („Elektroband“). Dort arbeiten rund 680 Menschen.

In diesen Tagen kommt der Turm der FBA7 ganz besonders ins Blickfeld: Thyssen-Krupp rollt ein Riesenplakat (30x40 Meter) mit dem neuen Logo des Weltkonzerns aus. Profikletterer werden es an der Außenfassade Richtung Essen anbringen.
Außerdem betreibt der Weltkonzern in Bochum den Standort an der Castroper Straße („Elektroband“). Dort arbeiten rund 680 Menschen.

Verzinkerei produziert für die ganze...

 

Bernd Kiesewetter

Kommentare
17.01.2016
17:23
Bochumer Feuerverzinkerei produziert für die ganze Welt
von Baerendorfer | #1

Vor einigen Monaten war die Feuerverzinkerei noch das höchste Gebäude...
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Bochumer Feuerverzinkerei produziert für die ganze Welt
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2016-01-17 12:00
Bochum