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Bochumer Fachzentrum kann immer mehr Epileptikern helfen

22.01.2015 | 14:00 Uhr
Bochumer Fachzentrum kann immer mehr Epileptikern helfen
Prof. Dr. Jörg Wellmer leitet das Epilepsie-Behandlungszentrum am Knappschaftskrankenhaus Langendreer.Foto: Walter Fischer

Bochum.  Die Ruhr-Epileptologie am Knappschaftskrankenhaus kann immer mehr Epileptiker von ihrem Leiden befreien. Ein neues OP-Verfahren hat sich bewährt.

Vom Schmatzen bis zu schweren Krämpfen, die den kompletten Körper erschüttern: 40.000 Menschen im Ruhrgebiet leiden an Epilepsien. In Langendreer finden sie Rat und Hilfe: Die Ruhr-Epileptologie am Knappschaftskrankenhaus blickt auf ihr fünfjähriges Bestehen zurück.

Prof. Dr. Jörg Wellmer (44) hat die Fachabteilung unter dem Dach der Uni-Klinik für Neurologie gegründet und aufgebaut. Als „Kurzschluss in unserem Sicherungskasten Gehirn“ beschreibt er die Ursachen der epileptischen Anfälle, die den Menschen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch krank machen und in die Isolation treiben: „Die Anfälle treten meist ohne Vorankündigung auf. Der Kontrollverlust führt dazu, dass die Frauen und Männer nicht mehr in bestimmten Berufen, etwa als Handwerker, arbeiten können und Auto fahren dürfen. Aus Angst und Scham verlassen viele Betroffene die Wohnung nicht mehr.“

„Kurzschluss im Sicherungskasten“

Epilepsie-Zentrum
Wartezeiten bis zu sieben Monaten

0,8 Prozent der Bevölkerung leiden unter Epilepsien. Das sind deutlich mehr als zum Beispiel Parkinson-Erkrankte.

Warnsignale sind Bewusstseinsstörungen oder ungewollte Verhaltensweisen, die in immer wieder gleicher Art und Weise auftreten: etwa Zuckungen, Nesteln oder zielloses Umherlaufen.

Wer Auffälligkeiten bemerkt, sollte einen niedergelassenen Neurologen aufsuchen.

Der Facharzt überweist Patienten bei Bedarf an die Ruhr-Epileptologie in Langendreer. Aus personellen Gründen muss hier mit bis zu sieben Monaten Wartezeit gerechnet werden.

www.ruhr-epileptologie.de

Die meisten der jährlich 400 Patienten haben eine jahrzehntelange Leidenszeit hinter sich, bevor sie in Langendreer behandelt werden. „Etliche hatten sich mit der Krankheit abgefunden. Die Medikamente, die sie einnahmen, führten allenfalls dazu, dass die Zahl der Anfälle geringer wurde. Unser Ziel jedoch ist es, die Patienten anfallsfrei zu machen“, betont Prof. Wellmer, der In der Schornau von zwei weiteren Fachärzten unterstützt wird.

Die Diagnose umfasst u.a. eine Videoaufzeichnung der Anfälle („Viele sind total erschrocken“) und eine Kernspintomographie. Erste Aufgabe ist es, herauszufinden, wo es zum „Kurzschluss“ kommt. „Bestimmte Epilepsien sind bestimmten Hirnregionen zuzuordnen. Wir verfügen dabei über eine große Erfahrung“, sagt Wellmer. Ist der Kern des Übels entdeckt, können die Anfälle bei 60 Prozent der Patienten durch eine gezielte Medikation gestoppt werden.

Befallene Hirnregion per Überhitzung veröden

Jedem siebten Epileptiker wird eine OP empfohlen. Die Hirnchirurgie habe sich enorm weiterentwickelt, weiß Wellmer. „Made in Langendreer“ ist ein neu- und weltweit einzigartiges OP-Verfahren, bei dem die befallene Hirnregion mit Elektroden per Überhitzung verödet wird. Sieben Eingriffe wurden bislang vorgenommen. „Bei fünf Patienten waren die Anfälle danach verschwunden“, so Wellmer, der auch die Grenzen der Chirurgie aufzeigt: „Man muss abwägen. Epileptiker, die an einer Lähmung einer Hand leiden, sollten nicht die Gefahr eingehen, dass bei einer OP das Sprachzentrum verletzt wird.“

Ob per Medikament oder millimetergenauem Messerschnitt: Welche Befreiung die Erkrankten erfahren, zeigt sich u.a. an einer Lehrerin, die sich bei epileptischen Anfällen zwanghaft die Kleidung vom Leib riss. Ihr konnte geholfen werden – so wie insgesamt 80 Prozent der Patienten der Ruhr-Epileptologie.

Jürgen Stahl

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Bochumer Fachzentrum kann immer mehr Epileptikern helfen
Bochumer Fachzentrum kann immer mehr Epileptikern helfen
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http://www.derwesten.de/staedte/bochum/bochumer-fachzentrum-kann-immer-mehr-epileptikern-helfen-id10260382.html
2015-01-22 14:00
Epilepsie, Gesundheit, Medizin, Bochum, Ruhr-Epileptologie
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