Bochumer Elektrotechnik-Student steuert Licht mit Gesten

Dennis Lyskawka (l.) entwickelte eine Software, mit der sich Lichtquellen individuell mit Gesten bedienen lassen. Neben ihm: Prof. Markus Gehnen.
Dennis Lyskawka (l.) entwickelte eine Software, mit der sich Lichtquellen individuell mit Gesten bedienen lassen. Neben ihm: Prof. Markus Gehnen.
Foto: Ingo Otto
Was wir bereits wissen
Dennis Lyskawka hat eine Software für einen Kamerasensor entwickelt. Mit ihr sicherte sich der Elektrotechnikstudent bei der Fachmesse „belectro“ Platz eins.

Bochum..  Da sage noch einer, das Spielen auf einer Spielekonsole hätte keinen geistigen Nährwert. Dennis Lyskawka (26) zumindest ging beim Spielen ein Licht auf. Der Elektrotechnik-Student der Technischen Hochschule (TH) Georg Agricola hatte die Idee für seine Bachelorarbeit und belegte dann mit ihr auch noch bei der Fachmesse „belektro“ den ersten Platz im Ideenwettbewerb ‚Smart Lighting‘. Also doch: Spielen bildet.

Richtig begeistert war er vom Kamerasensor ‚Kinect‘ seiner Spielekonsole zunächst nicht. Mit ihr lässt sich die Konsole ohne Knöpfe, einfach durch Bewegung bedienen. „Zum Spielen ist das eigentlich Quatsch“, sagt Lyskawka. „Man nutzt sie nur für kleine Sportspiele. Aber die Technik ist beeindruckend. Und da ich mich an der Hochschule mit der Gebäudeautomation beschäftigt hatte, kam mir die Idee, den Sensor für Steuerungen in Gebäuden zu nutzen.“

Er entwickelte IWOK, eine Software, mit der sich Lichtquellen individuell mit Gesten bedienen lassen. Wobei IWOK für „Intelligente Wohnraumbeleuchtung mittels Kinect“ steht. Ballt er zum Beispiel die rechte Hand zur Faust und hält sie sich über den Kopf, leuchten automatisch zwei Lampen über ihm. Macht er eine Bewegung mit der linken Hand, leuchten zwei andere Lampen. Mit einem kleinen Winken schaltet er alles wieder aus. „Die Software verbindet frei ansteuerbare Leuchten miteinander. Die Geste oder die Position im Raum ist dabei der Lichtschalter“, sagt Lyskawka. Selbst komplexe Handzeichen kann das System verstehen und in Signale umwandeln. „Alles was sich im Haus ansteuern lässt, kann man mit der Software steuern.“

Auch der ganze Körper kann als Schalter eingesetzt werden. „Die Lampen leuchten dann nur in den Bereichen, in denen ich mich aufhalte und nur solange ich dort bin. Ich kann auch entscheiden, dass das Licht automatisch gedimmt wird, jedes Mal, wenn ich mich hinsetze. Oder: Immer wenn ich meinen Platz am Esstisch einnehme, geht die Küchenlampe an.“

Für bis zu sechs Personen

Die Software kann von bis zu sechs Personen gleichzeitig genutzt werden. „Die Daten werden auf einem lokalen Rechner erfasst und verarbeitet, um Datensicherheit zu gewährleisten.“, sagt Lyskawka. Doch es geht nicht nur um mehr Wohnkomfort und ums Energiesparen. „Mit dem System lässt sich eigentlich jedes elektronische Gerät per Handschlag steuern – vom Fernseher bis zur Klimaanlage. In Notfällen, zum Beispiel wenn eine Person auf dem Boden liegt, könnte automatisch ein Alarmsignal ertönen oder der Rettungswagen alarmiert werden.“ Die Software eignet sich auch für den Bereich Assisted Living, ob zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung.

„Vor allem wegen dieser großen gesellschaftlichen Relevanz, konnte sich Dennis Lyskawka mit seiner technischen Lösung gegen seine Konkurrenten, die meist aus dem Bereich Design kamen, durchsetzen“, sagt Prof. Dr. Markus Gehnen, der die Abschlussarbeit gemeinsam mit Dennis Köhler vom Lichtforum NRW betreut hat. Seine Lichtlösung bescherte dem Elektrotechnik-Studenten nicht nur den ersten Preis, dotiert mit 1500 Euro – auch erste Unternehmen sind schon auf ihn zugekommen: „Die grundlegende Idee, Elektronik mit Bewegungen zu steuern, ist für viele Branchen interessant“, sagt Lyskawka. „Um sie wettbewerbsfähig zu machen, müsste ich einen eigenen Kamerasensor entwerfen, der besser auf meine Zwecke abgestimmt ist. Damit hätte ich dann auch eher die Möglichkeit, ein Patent anzumelden. Die Produkte, die ich genutzt habe, sind frei verfügbar. Meine Idee an eine Firma verkaufen zu können, wäre natürlich gut.“